VBE: Eltern brauchen Unterstützung, nicht Vorwürfe

Im Bundestag wurde heute der Einzelplan für die Ausgaben für Bildung und Familie des Haushalts 2027 diskutiert. Die Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen u. Jugend, Karin Prien, machte den hohen Konsolidierungsdruck deutlich. Mit Blick auf Pisa unterstrich sie, dass im Gegensatz zum PISA-Schock 2001 heutzutage die Maßnahmen bekannt seien. Insbesondere müsse mit der Sprachförderung früher angesetzt und Eltern u. a. bei dem Umgang mit Social Media gestärkt werden und außerdem im Alltag entlastet werden. Dies unterstützt Tomi Neckov, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE):

„Früh fördern, individuell fördern und dort mehr fördern, wo das notwendig ist: Das muss Ziel sein. Gleichzeitig braucht es eine hohe Aufmerksamkeit für gesellschaftliche Entwicklungen. Wo es – in Zeiten des Fachkräftemangels auch politisch gewollt – zum Normalfall wird, dass beide Eltern berufstätig sind, müssen Antworten darauf gefunden werden, wie in Schule bedarfsgerecht unterstützt und gleichzeitig Eltern niedrigschwellig eingebunden werden können. PISA zeigt, dass ein Großteil dessen, was wie Eltern-Engagement aussieht, sich am Ende doch nur durch sozioökonomischen Hintergrund erklärt. In der Studie wird sogar darauf hingewiesen, dass Gespräche über die schulische Zukunft mit den Kindern OECD-weit sogar negativ mit der Leistung korrelieren – vermutlich, weil Eltern leistungsschwächerer Kinder häufiger motivierend auf die Zukunft verweisen.

Das heißt: Eltern interessieren sich durchaus für den Schulerfolg ihrer Kinder. Wo aber das Geld fehlt, um daraus monetäre Konsequenzen zu ziehen, stagniert oder fällt die Leistung. Deshalb muss Bildungsungleichheit als Strukturproblem stärker in den Fokus rücken und nicht auf die individuelle Ebene elterlichen Interesses verschoben werden. Das Startchancen-Programm und dessen Erweiterung auf den frühkindlichen Bereich ist ein guter Schritt in die richtige Richtung, aber das Programm hat noch vor dem Beginn schon ein Ablaufdatum. Nachhaltige Strukturen brauchen aber eine nachhaltige Finanzierung.“

Armutsbekämpfung

Gleichzeitig stellt der VBE Bundesvorsitzende heraus, dass der sozio-ökonomische Status des Elternhauses wichtigster Faktor für den Bildungserfolg ist. Um das zu vermindern, sei es auch notwendig, die entsprechenden Mittel weiter zur Verfügung zu stellen. Im aktuellen Plan wird jedoch zum Beispiel bei Kinderzuschlag und Unterhaltsvorschuss gespart. „Das kann die Verhältnisse der betroffenen Familien deutlich verschlechtern. Das dürfen wir nicht zulassen“, mahnt Neckov.

Zudem wurde in einer aktuellen Studie gezeigt, dass die Leistungen des Bildungs- und Teilhabepakets mehrheitlich nicht genutzt werden. „Es muss Priorität haben, Anträge so zu vereinfachen und Leistungen so präsent darzustellen, dass alle, die darauf ein Anrecht haben, auch Wege finden, diese Leistungen zu erhalten“, fordert der Bundesvorsitzende des VBE.

Programm „Demokratie leben“

Prien verteidigte das Programm „Demokratie leben“ und verwies auf die neuen Förderrichtlinien. Die AfD forderte dazu auf, das Förderprogramm zu streichen. Der VBE-Chef Neckov stellt klar: „Das Programm ‚Demokratie leben‘ wirkt. Von vielen Angeboten können Schulen für die Demokratiebildung profitieren. Es nach nachvollziehbaren Förderkriterien aufzustellen ist ein guter Schritt – wenngleich nicht alles, was förderungswürdig wäre, weiter gefördert werden wird. Nicht nur die Wahl letzten Sonntag hat aber gezeigt, dass Extremismusprävention weiter im Fokus bleiben muss.“

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) vertritt als parteipolitisch unabhängige Bildungsgewerkschaft die Interessen von ca. 164.000 Pädagoginnen und Pädagogen – aus dem frühkindlichen Bereich, der Primarstufe, den Sekundarstufen I und II und dem Bereich der Lehrkräftebildung – in allen Bundesländern. Der VBE ist eine der beiden großen Bildungsgewerkschaften in Deutschland und mitgliederstärkste Fachgewerkschaft im dbb beamtenbund und tarifunion.

 

PM VBE Verband Bildung und Erziehung

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