Der Regen gab am Freitag beim Dressurfestival den Takt vor. Hartnäckig und beinahe ununterbrochen prasselte er vom Himmel – so nass, dass der Abreiteplatz kurzerhand in die große Reithalle des Gestüts verlegt werden musste. Dem sportlichen Niveau tat das jedoch keinen Abbruch: Im Viereck wurde mit feiner Hand, großer Konzentration und viel Gefühl um die begehrten Schleifen geritten.
Nachwuchspferde mit vielversprechenden Auftritten
Den Auftakt machte die Dressurpferdeprüfung Kl. L. Den Sieg sicherte sich Theresa Rauscher (RV Gestüt Birkhof) mit dem fünfjährigen DSP-Wallach Be my Boris. Der Sohn des Bohemian überzeugte mit einer Endnote von 7,60, darunter einer starken 8,0 im Schritt. Rang zwei ging an Katrin Ong (RVgg Biberach) mit Francis und einer Endnote von 7,36. Emma Nägele (RSG unterm Hohenrechberg) komplettierte mit Boyée und 7,04 das Podium.
Glücksengelchen lässt die Konkurrenz hinter sich
Anschließend gehörte das Viereck den Ponys. In der Pony-Dressurprüfung Kl. L**-Tr., setzte sich Kim Marie Hauß (TSG Breisgau) mit der zehnjährigen Palomino-Stute Glücksengelchen NRW durch. Das Paar erhielt 70,000 Prozent. Marie-Elise Layer (RFV Öhringen) belegte mit Dear Darling und 69,957 Prozent Platz zwei und sicherte sich mit Herzbube D WE (69,359 Prozent) zugleich Rang drei.
Berufsreiter auf dem Weg ins große Finale
Der sportliche Höhepunkt des Tages war die zweite Qualifikation zum Süddeutschen Championat der Berufsreiter, eine Dressurprüfung der Kl. S** auf Intermediaire-I-Niveau. Hier zeigte sich eindrucksvoll die Qualität und Leistungsfähigkeit der deutschen Reitausbilder. Den Sieg holte sich Kristina Olson (Pffrd. Parsdorf Vaterstetten) mit dem erfahrenen 16-jährigen Württemberger FBW Dory’s Dream und 69,605 Prozent. Platz zwei ging an Fanny Markström (RFV Altötting-Mühldorf) mit Zagazig und 68,421 Prozent. Anna Lisa Stotmeister (RC Konstanz) belegte mit FBW First Date und 67,868 Prozent Rang drei.
Damit stehen Kristina Olson, Fanny Markström und Lukas Maier als Finalisten fest. Olson wird allerdings – wie bereits im vergangenen Jahr – auf ihren Start verzichten. Für sie rückt Sarah Viktoria Pürmaier nach. Das Finale am morgigen Samstag um 15:00 Uhr verspricht einen besonderen Höhepunkt: Pferdewechsel auf S**-Niveau. Die Finalisten haben nur fünf Minuten Zeit, sich auf ein fremdes Pferd einzustellen, bevor sie mit ihm ins Viereck einreiten. Gerade hier zeigt sich, wie sicher das Handwerkszeug der Berufsreiter sitzt: In kürzester Zeit müssen sie Vertrauen aufbauen, die Stärken des Pferdes erkennen und ihre Hilfengebung entsprechend anpassen. Am Ende werden sowohl der beste Reiter als auch das beste Pferd des Finales gekürt.
Sir Copperfield setzt sich souverän an die Spitze
In der Dressurprüfung Kl. S* auf Trense, der Qualifikation für die Finalprüfung am Sonntag, zeigte Nicole Casper (RV Gestüt Birkhof) mit dem achtjährigen DSP-Wallach Sir Copperfield eine besonders überzeugende Runde. Der Sohn des Secret erreichte 73,376 Prozent und setzte sich damit deutlich an die Spitze. Vor allem die Wertungen von 74,615 Prozent bei Richter M unterstrichen die Qualität des Auftritts. Rang zwei ging an Leonie Moll (RSC Jettweiler) mit dem ebenfalls achtjährigen Hannoveraner Soccx und 70,855 Prozent. Moll sicherte sich mit ihrem zweiten Pferd Sheldor (70,513 Prozent) zugleich den dritten Platz.
Xenophon-Ehrenpreis für pferdegerechtes Abreiten
Ein besonderer Moment wartete zudem im Rahmen der S-Dressur: Der Xenophon-Sonderehrenpreis für pferdegerechtes Abreiten ging an Anna-Lena Kastner vom RV Singen mit Fürst Farbenfroh. Ausgezeichnet wurde damit die Qualität der Vorbereitung auf die Prüfung – ein fairer und respektvoller Umgang mit dem Pferd, ein durchdachtes Arbeitsprogramm, angemessene Pausen und eine harmonische, klassische Ausbildung.
Überreicht wurde der Ehrenpreis von Helmut Alt von Xenophon e.V. Der Verein für den Erhalt und die Förderung der klassischen Reitkultur feierte im Frühjahr sein 20-jähriges Bestehen im Haupt- und Landgestüt Marbach und hatte aus diesem Anlass beschlossen, den Sonderehrenpreis auch beim Dressurfestival auszuloben. Eine besondere Verbindung besteht zudem über Landoberstallmeisterin Dr. Astrid von Velsen-Zerweck, die selbst Gründungsmitglied von Xenophon e.V. ist.
Enzo tanzt zum Sieg
Am späten Nachmittag wurde es in der Dressurprüfung Kl. M** auf Kandare noch einmal spannend. Freya Bistritz (RFV Rielasingen-Worblingen) ritt den siebenjährigen DSP-Wallach Enzo mit 69,583 Prozent zum Sieg. Der Sohn des Escamillo überzeugte mit einer ausgeglichenen Vorstellung und lag an zwei Richtertischen sogar über der 70-Prozent-Marke. Sarah Viktoria Pürmaier (RFV Ehestetten) folgte mit der achtjährigen dunkelbraunen Hannoveraner Stute Fantasie und 68,802 Prozent auf Rang zwei. Platz drei ging an Lukas Maier (RFV Forst 1932) mit dem siebenjährigen Landbeschäler Descartes, der 67,708 Prozent erreichte.
So endete ein nasser, aber sportlich hochklassiger Festivaltag: Junge Pferde zeigten ihr Potenzial, die Ponys tanzten durch ihre Aufgaben und die Berufsreiter gaben einen Vorgeschmack auf ein Finale, das mit dem Pferdewechsel noch einmal für besondere Spannung sorgen wird.
Die vollständige Zeiteinteilung sowie weitere Informationen zur Veranstaltung sind im Internet unter www.dressurfestival-marbach.de verfügbar.