Sicherheit braucht Realität – nicht Ritual

Die Gewaltlage in Baden-Württemberg verschärft sich – sichtbar in Stuttgart und Mannheim, spürbar im Ostalbkreis, in Heidenheim und Göppingen. Rettungsfachkraft und Einsatztrainer Alfred Brandner fordert ein Ende politischer Beschwichtigung und eine Rückkehr zu professioneller Sicherheitspolitik.

Ein Land im Sicherheitsblindflug

Baden-Württemberg gilt als verlässlich und gut organisiert. Doch die Realität im öffentlichen Raum zeigt ein anderes Bild: Messerangriffe in Stuttgart, Übergriffe auf Einsatzkräfte in Mannheim, eskalierende Konflikte an Schulen im Ostalbkreis und zunehmende Gewalt rund um Bahnhöfe und in Fußgängerzonen von Ulm bis Göppingen.

Das sind keine isolierten Ereignisse. Sie stehen aus meiner Sicht für eine Entwicklung, die sich seit Jahren abzeichnet und die Politik wie Gesellschaft nicht länger verdrängen dürfen.

Nach vier Jahrzehnten im Einsatz weiß ich: Gewalt entsteht nicht plötzlich – sie wächst dort, wo man sie ignoriert.

Das gefährliche Schweigen der Mehrheit

„Ich widerspreche jeder abgenickten Zustimmung, die der Verharmlosung aktueller Bedrohungslagen dienlich sein könnte.“

In Baden-Württemberg wird viel moderiert, viel erklärt und viel relativiert – aber zu wenig klar benannt. Viele Bürger vertrauen darauf, dass „die da oben“ es schon richten werden.

Doch Gewalt verschwindet nicht, weil man sie nicht ausspricht. Sie verschwindet auch nicht, weil man sie statistisch einordnet oder sprachlich entschärft.

Die gefährlichste Haltung ist nicht Aggression, sondern Gleichgültigkeit.

Wenn Ideologie die Lage verzerrt

Die ausufernde Willkommenskultur war das Problem an sich. Problematisch wurde dann die politische Naivität, mit der man glaubte, große gesellschaftliche Veränderungen ließen sich ohne ausreichende Kontrolle, klare Konsequenzen und ein belastbares Sicherheitskonzept bewältigen.

„Wenn Ideologie über Realität triumphiert, bleibt nur das bittere Echo eines politischen Totalausfalls.“

Städte wie Stuttgart, Mannheim oder Freiburg kämpfen mit Gewaltphänomenen, die man früher vielfach als reine „Großstadtprobleme“ abgetan hat. Doch die Realität ist längst auch im ländlichen Raum angekommen – im Ostalbkreis, in Heidenheim und in Göppingen.

Die Frage, die sich Baden-Württemberg stellen muss

Sind das die Zustände, denen die vermutete Mehrheit der Baden-Württemberger mit nahezu abgenickter Zustimmung entgegensieht?

Wenn ja, dann liegt darin die eigentliche Krise.

Denn Gewalt wächst dort, wo sich Gesellschaft und Politik einreden, alles sei „unter Kontrolle“, obwohl die Realität etwas anderes zeigt.

Brandners Prinzipien – Sicherheit ohne Ideologie

Ich fordere keine Panik. Ich fordere Professionalität – und zwar jetzt.

Brandner-Prinzipien für ein realistisches Baden-Württemberg

  • Ehrlichkeit statt Beschwichtigung
    Die Sicherheitslage muss klar benannt werden – auch dann, wenn es unbequem ist.
  • Kompetenz statt Ideologie
    Prävention ist ein Fachgebiet und kein moralisches Experiment.
  • Konsequenz statt Symbolpolitik
    Straftaten müssen Konsequenzen haben, die tatsächlich spürbar und rechtsstaatlich durchsetzbar sind.
  • Schutz statt Schönreden
    Bürger haben ein Recht auf Sicherheit – nicht auf politische Beruhigungssätze.
  • Erfahrung statt Wunschdenken
    Wer Gewalt und Einsatzrealität nicht kennt, sollte politische Entscheidungen über ihre Bekämpfung nicht allein aus theoretischer Perspektive treffen.

 

Fazit

Baden-Württemberg braucht keine Panik. Aber das Land braucht endlich Ehrlichkeit, Professionalität und Maßnahmen, die der Realität entsprechen.

Sicherheitspolitik darf kein Ritual sein, bei dem nach jedem Vorfall Betroffenheit erklärt und anschließend zur Tagesordnung übergegangen wird.

Wer Sicherheit ernst nimmt, muss die Realität ansehen – und danach handeln.

Alfred Brandner

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