Am Dienstag, den 28. Juli 2026 hat Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin im Rahmen einer Pressekonferenz den neuen Wilhelma Masterplan 2035+ erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.
Dr. Thomas Kölpin erklärt: „Seit ihrer Gründung hat sich die Wilhelma immer weiterentwickelt und auf gesellschaftliche Veränderungen reagiert. Mit dem Masterplan 2035+ schlagen wir nun ein neues Kapitel unserer Geschichte auf. Erstmals haben alle Fachbereiche und Stabsstellen gemeinsam ein Zukunftsbild für die Wilhelma konzipiert. Unser Ziel ist es, Bewährtes zu bewahren, unsere besonderen Stärken weiter auszubauen und gleichzeitig den Mut zu haben, neue Maßstäbe zu setzen. Mein besonderer Dank gilt dem Land Baden-Württemberg als Träger der Wilhelma für die verlässliche Unterstützung und das Vertrauen in unsere Arbeit. Ebenso danke ich dem Verein der Freunde und Förderer der Wilhelma und seiner mittlerweile rund 38.000 Mitglieder. Der Förderverein unterstützt uns schon seit Jahrzehnten mit außergewöhnlichem Engagement und erheblichen Summen. Damit hat er zahlreiche Projekte ermöglicht entscheidend zur Weiterentwicklung der Wilhelma und dem Artenschutz in aller Welt beigetragen.“
Der Masterplan versteht sich als strategischer Entwicklungsrahmen. Sämtliche dargestellten Projekte stehen dabei unter dem Vorbehalt der Finanzierung, zumal sie nur im Rahmen vorhandener finanzieller Mittel und personeller Kapazitäten vorangebracht werden können.
Weichenstellungen für die Zukunft
Der Masterplan beschreibt die Wilhelma gemäß der Welt- Zoo- Naturschutzstrategie Weltverband der Zoos und Aquarien (WAZA) als international anerkanntes Zentrum für Artenschutz, Forschung, Bildung und Erholung und formuliert den Anspruch, ihre zoologischen und botanischen Sammlungen, den historischen Park sowie ihre wissenschaftlichen Aktivitäten gleichermaßen weiterzuentwickeln. Tierwohl, Nachhaltigkeit, Klimaanpassung, Biodiversität und moderne Infrastruktur gehören dabei ebenso zu den zentralen Handlungsfeldern wie eine zeitgemäße Besuchendenorientierung. Ziel ist es nicht nur, die Wilhelma weiterzuentwickeln, sondern neue Maßstäbe zu setzen. Fokus wird dabei auf Nachhaltigkeit gelegt, ganz besonders, was einen sorgsamen Umgang mit Ressourcen wie Wasser und Energie und der Vermeidung von Emissionen angeht. Die Vision der Wilhelma ist es, dass eine Zukunft in der Natur geschätzt, geschützt und bewahrt wird. Sie sieht es als ihre Mission, für Umwelt und Natur zu begeistern, um gemeinsam Arten zu schützen.
Vom Leitbild zur Umsetzung
Die strategischen Ziele werden im Masterplan durch konkrete Entwicklungsschritte ergänzt – von der bereits im Juli 2026 eröffneten Anlage für Kalifornische Strumpfbandnattern bis hin zu Zukunftsvisionen, die erst nach 2035 auf dem Plan stehen sollen. Gemeinsam verfolgen diese Projekte das Ziel, naturnahe Lebensräume zu schaffen, Tierwohl und Ex Situ-Artenschutz weiter zu stärken und den Besucherinnen und Besuchern ökologische Zusammenhänge noch anschaulicher zu vermitteln.
Aktuell ist die Entstehung der neuen Elefantenwelt „Kui Buri“, deren Spatenstich im Januar 2026 begangen wurde, ein wegweisendes Leuchtturmprojekt: Als erste so genannte Fission-Fusion-Anlage für Asiatische Elefanten wird sie nach einer Bauzeit von rund 3,5 bis 4 Jahren optimale Bedingungen für Zucht und Haltung der stark gefährdeten Art bieten. Sie wird dem Sozialverhalten der Tiere Rechnung tragen, bei dem sich Elefantengruppen immer wieder trennen und neu formieren. Um einen naturgetreuen Lebensraumausschnitt des namensgebenden Kui Buri Nationalpark in Thailand abbilden zu können, wurde schon 2020 mit der Aussaat und Anzucht von Baumarten begonnen, die in dem Gebiet natürlicherweise vorkommen. Das Gesamtprojekt umfasst ein modernes Elefantenhaus, großzügige Außenanlagen sowie Gastronomie- und Serviceangebote. Das Land Baden-Württemberg investiert in den Neubau rund 68,5 Millionen Euro. Hiervon werden 15 Millionen Euro durch den Verein der Freunde und Förderer der Wilhelma übernommen.
Die bestehende Themenwelt Terra Australis wird zudem schon zeitnah mit den Bereichen Narawntapu und Tasmanien weiterentwickelt, u. a. mit einer teilweise begehbaren Anlage für Südliche Nacktnasenwombats, Tasmanische Östliche Graue Riesenkängurus und Bennett-Kängurus. Grundlage bleibt das Prinzip „100 % Habitat“, das natürliche Lebensräume mit den dazugehörigen Pflanzen- und Tierarten möglichst vollständig nachbildet. Vor dem Amazonienhaus ist zudem ein Krallenaffenbaum geplant, der Einblick in das Leben der possierlichen Primaten geben wird. Über die kommenden Jahre hinweg werden im Rahmen des Projekts „Luftige Bergwelten“ sukzessive neue Volieren für Greifvögel und Eulen entstehen.
Die Sanierung des Nashornhauses und die Gestaltung einer größeren Außenanlage wird erfolgen, sobald die benachbarte alte Elefantenanalage nicht mehr bewohnt ist. Mittelfristig soll auf der Fläche des heutigen Raubtierhauses mit der Themenwelt Gir Forest ein neuer Lebensraum für Asiatische Löwen, Streifenhyänen und Rostkatzen entstehen. Langfristig muss das noch aus dem Jahr 1960 stammende Gebäude des Aquariums/Terrariums umfassend modernisiert oder ggf. neu errichtet werden.
Ein wesentliches Ziel des Masterplans ist die behutsame Erhaltung und Weiterentwicklung der denkmalgeschützten Gebäude und Anlagen aus der Zeit von König Wilhelm I. Dazu gehören unter anderem die bereits begonnene stufenweise Sanierung der Subtropenterrassen und der dortigen Errichtung neuer Volieren sowie langfristig die Transformation des Maurischen Landhauses – eines der architektonischen Kleinode der Wilhelma – zu einem Madagaskar-Trockenwaldhaus mit Nachttierbereichen.
Perspektiven über 2035 hinaus
Der Masterplan endet bewusst nicht mit dem Jahr 2035. Er formuliert darüber hinaus Entwicklungsperspektiven für die Zeit danach. Dazu gehören unter anderem eine neue afrikanische Savanne, die Umgestaltung des heutigen Flusspferdhauses zu einer Südostasien-Anlage mit Schabrackentapiren, Hirschebern, Orang-Utans und Gibbons sowie eine vom Förderverein der Wilhelma geplante, frei zugängliche Anlage für Zwergflusspferde am Neckar.
Mit dem Masterplan 2035+ richtet die Wilhelma ihren Blick weit über einzelne Bauvorhaben hinaus. Er verbindet die Geschichte eines einzigartigen zoologisch-botanischen Gartens inmitten historischer Anlagen mit den Herausforderungen der Zukunft und formuliert einen klaren Anspruch: Die Wilhelma will Maßstäbe setzen – im Artenschutz, in der Umweltbildung, in der nachhaltigen Entwicklung und als moderne wissenschaftliche Einrichtung im Dienst der biologischen Vielfalt.
Eine Institution internationaler Bedeutung
Die Wilhelma ist der einzige zoologisch-botanische Garten Deutschlands. Auf dem historischen Gelände, dessen Wurzeln in einer privaten Parkanlage von König Wilhelm I. von Württemberg liegen, werden heute rund 1.200 Tierarten und mehr als 8.500 Pflanzenarten und -sorten gepflegt. Über 330 Beschäftigte in der Wilhelma selbst und den Außenstellen des Fachbereichs Parkpflege sorgen täglich dafür, dass Zoologie, Botanik, Parkpflege, Verwaltung, Technik, Umweltbildung und Artenschutz innerhalb und außerhalb der Wilhelma erfolgreich zusammenwirken. Mit mehr als 1,8 Millionen Besucherinnen und Besuchern jährlich zählt der zoologisch-botanische Garten zu den beliebtesten Freizeiteinrichtungen Baden-Württembergs und ist zugleich der größte außerschulische Lernort der Landeshauptstadt Stuttgart. Darüber hinaus engagiert sich die Wilhelma weltweit mit jährlich mehr als einer Million Euro für über 40 internationale Artenschutzprojekte.
Foto (© Wilhelma Stuttgart/Birger Meierjohann): Zu den langfristig geplanten Projekten gehört die Sanierung und Umgestaltung des Maurischen Landhauses.
PM Wilhelma Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart