Inmitten der deutlich spürbaren Auswirkungen des Klimawandels und einer Hitzewelle, die im Juni etwa 5.1000 Menschenleben forderte, beschließt die Bundesregierung weitreichende Maßnahmen, die die Wärmewende erheblich ausbremsen und ihre Ziele nachhaltig gefährden könnten. Der Bundesverband Geothermie e.V. kritisiert diesen Schritt scharf.
„Die Energiewende und die umwelt- und klimafreundliche Transformation unserer Wärme- und Kälteversorgung sind kein Selbstzweck. Sie sind langfristige und verlässlich auszugestaltende Zukunftsprojekte zum Schutz unserer Lebensgrundlagen.
Die Auswirkungen des Klimawandels spüren wir derzeit erneut mit großer Deutlichkeit. Im Juni sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts etwa 5.100 Menschen infolge von Hitze gestorben. Diese Entwicklung verdeutlicht, wie dringend wir den Ausstoß von Treibhausgasen reduzieren müssen. Mehr als 60 Milliarden Euro pro Jahr gibt Deutschland für den Import fossiler Energien aus. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 ist mit dem Irankrieg 2026 zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre deutlich geworden, welche fatalen Auswirkungen diese ausgeprägte Importabhängigkeit auf die Sicherheit und Preisstabilität unserer Energieversorgung hat. Der Anteil erneuerbarer, klima- und damit menschenfreundlicher Energien liegt aktuell bei nur 19 Prozent. Bis 2045 soll Deutschland klimaneutral werden. Die enorme Lücke zwischen Anspruch und Realität ist offensichtlich.
Inmitten dieser Gemengelage beschließt die Bundesregierung weitreichende Maßnahmen, die die Wärmewende erheblich ausbremsen und ihre Ziele nachhaltig gefährden könnten. Das heute durch den Bundestag beschlossene Gebäudemodernisierungsgesetz kommt mit der Streichung der 65-Prozent-Erneuerbare-Energien-Regelung, der Verlängerung des Einsatzes von fossilem Öl und Gas, einer unterambitionierten Biotreppe und Grüngasquote einer Selbstsabotage gleich. Das Gleiche gilt für die Änderungen der Bundesförderung für effiziente Gebäude, welche mit erheblichen Fördermittelkürzungen ab dem 21. Juli neu gestartet werden soll.
Es heißt seitens der Bundesregierung, den Bürgerinnen und Bürgern würde wieder Wahlfreiheit gegeben, sie würden entlastet und von Bürokratie befreit. Tatsächlich drohen jedoch steigende Kosten und Risiken. Deutschland braucht endlich eine nationale Resilienzstrategie für die Energieversorgung. Ziel muss es sein, die Abhängigkeit von importierten fossilen Energieträgern konsequent zu verringern und den Anteil heimischer sowie europäischer erneuerbarer Energien am Wärme- und Energiesystem schrittweise zu erhöhen. Eine solche Strategie stärkt die Versorgungssicherheit, die Preisstabilität, die heimische Wertschöpfung und die geopolitische Handlungsfähigkeit Deutschlands.
Die Geothermie kann dabei eine Schlüsselrolle einnehmen. Perspektivisch kann sie mehr als die Hälfte unseres nationalen Wärme- und Kältebedarfs decken. Sie stellt rund um die Uhr verlässlich heimische Wärme und Kühlenergie bereit und das überaus effizient. Sie macht Kommunen und Unternehmen unabhängiger von Energieimporten und stärkt die regionale Wertschöpfung. Die Milliarden, die wir für Importe fossiler Energien ausgeben, können und sollten wir besser für Investitionen ausgeben, die von heimischen Handwerksbetrieben und Unternehmen umgesetzt werden“, sagt Gregor Dilger, Geschäftsführer des Bundesverbands Geothermie e.V.
Über den Bundesverband Geothermie e.V.:
Der 1991 gegründete Bundesverband Geothermie e.V. (BVG) ist ein Zusammenschluss von Unternehmen und Einzelpersonen, die auf dem Gebiet der Erdwärmenutzung in allen Bereichen der Forschung und Anwendung tätig sind. Er vereint Mitglieder aus Industrie, Wissenschaft, Planung und der Energieversorgungsbranche. Hauptaufgaben des Verbandes sind die Information der Öffentlichkeit über die Nutzungsmöglichkeiten geothermischer Energie zur Wärme- und Stromerzeugung sowie der Dialog mit politischen Entscheidungsträgern. Der BVG organisiert den jährlichen Geothermiekongress DGK ebenso wie Workshops zu aktuellen Themen und ist Herausgeber der Fachzeitschrift „Geothermische Energie“ sowie weiterer Informationsmaterialien. Der DGK 2026 findet vom 20.-22. Oktober in Potsdam statt.
PM Bundesverband Geothermie e.V.