Unter Dachziegeln, an Hausfassaden und in Scheunen herrscht derzeit Hochbetrieb. Mauersegler und Schwalben versorgen ihre Jungen, während viele Fledermausweibchen ihren Nachwuchs in sogenannten Wochenstuben aufziehen. Der NABU Baden-Württemberg bittet Hauseigentümer*innen, Kommunen und Handwerksbetriebe deshalb um besondere Rücksicht und erklärt, wie die Tiere unterstützt werden können.
Für viele Menschen bleiben die tierischen Untermieter unentdeckt. Die halbrunden Nester von Mehlschwalben sind noch leicht zu erkennen, für Mauersegler und Fledermäuse braucht es dagegen einen geübteren Blick“, erklärt Julia Hiller, zuständig für Artenschutz an Gebäuden beim NABU Baden-Württemberg. „Wer ein Vogelnest oder ein Fledermausquartier am Gebäude entdeckt, sollte die Tiere nicht durch Arbeiten stören – und darf sich über die biologische Vielfalt in der direkten Nachbarschaft freuen.“
Versteckte Kinderstuben an Häusern
Mauersegler nisten bevorzugt in Hohlräumen und Spalten unter Dachüberständen, Ziegeln oder in hochgelegenen Mauerlöchern. Mehlschwalben bauen ihre Nester mit Lehm außen ebenfalls unter Dachvorsprüngen, Rauchschwalben nisten dagegen meist im Inneren von Ställen, Scheunen oder anderen offenen Gebäuden. Verschiedene Fledermausarten, wie die Zwergfledermaus oder die kleine Bartfledermaus, beziehen enge Spalten hinter Fassadenverkleidungen, Fensterläden oder Dachziegeln. Dort schließen sie sich im Frühsommer in sogenannten „Wochenstuben” zusammen, wo die Weibchen gemeinsam ihre Jungen zur Welt bringen und großziehen. Die Jungen werden für vier bis sechs Wochen gesäugt, bevor sich ab etwa Mitte August die Wochenstube auflöst und die Jungfledermäuse mit Flug- und Jagdübungen die nötigen Fettreserven für den Winterschlaf aufbauen.
NABU-Tipps: Geflügelte Mitbewohner unterstützen
Egal, ob man zur Miete wohnt, im eigenen Haus oder beruflich mit Gebäuden zu tun hat: viele Menschen können etwas für gebäudebewohnende Arten tun.
- Freie Bahn: Bewohnte Nester, Einflugöffnungen und Quartiere nicht versperren. Mauersegler fliegen schnell und im freien Fall aus ihrem Nest und brauchen daher etwa drei Meter freien Luftraum unter ihrem Nest.
- Rücksicht bei Dach- und Fassadenarbeiten: Wer plant, Arbeiten am Haus vorzunehmen, sollte frühzeitig nach Nestern suchen, Fachleute einbeziehen und die Arbeiten außerhalb der Fortpflanzungszeit durchführen.
- Neubau mit Neubau: Wer neu baut oder umfassende Maßnahmen an der Gebäudehülle oder dem Dach vornimmt, kann Lebensstätten für Vögel und Fledermäuse gleich mit einbauen. Bei fachgerechter Planung fügen diese Nisthilfen sich optisch unauffällig ein und tun der Energieeffizienz keinen Abbruch. Sie sollten jedoch nicht nach Süden ausgerichtet sein, damit sie einen sicheren Nistplatz auch bei höheren Außentemperaturen bieten.
- Wohnraum mit Nahversorgung: Wer Gärten, Höfe und Balkone möglichst insektenfreundlich gestaltet, schafft ein Nahrungsangebot für die geflügelten Mitbewohner. Denn eine Zwergfledermaus ernährt sich von Hunderten Insekten pro Nacht, ein Schwalbenpaar braucht während der Brutzeit täglich sogar mehrere Tausend Insekten.
Gefährlicher Hitzestau: Wenn es Jungtieren zu heiß wird
„Die aktuellen Temperaturen zeigen, wie wichtig es ist, dass Nisthilfen fachgerecht an Häusern angebracht werden. Wenn die Nester beispielsweise nach Süden ausgerichtet und voll besonnt sind, kann eine Hitzewelle dazu führen, dass die Jungtiere den Sommer nicht überleben und aus dem Nest springen, weil es dort zu heiß wird,“ erklärt Julia Hiller. „Kästen für Mauersegler oder Halbhöhlen für Schwalben sollten am besten nach Osten oder Südosten zeigen.“ Auch Fledermäuse leiden unter hohen Sommertemperaturen. Ihre Quartiere in Dachstühlen heizen sich mit am meisten auf – wer selbst im Dachgeschoss wohnt, kennt das Problem. Energetische Sanierungen, wie die Dämmung von Dächern oder Wänden, sorgen zwar für angenehmere Temperaturen, führen aber häufig dazu, dass Fledermäuse keinen Zugang zu ihren angestammten Lebensräumen mehr haben. Wer sein Haus dämmt, sollte deswegen darauf achten, dass Fledermäuse wieder miteinziehen können. Das geht zum Beispiel mit Fledermauskästen, die ins Wärmeverbundsystem integriert werden, oder durch Kästen, die den Einflug der Tiere ins Gebäude ermöglichen, sodass sie weiterhin Zugang zu ihrem alten Quartier haben.
Hintergrund:
Wie Kommunen bei tierischer Wohnungsnot helfen können
- Der NABU unterstützt Städte und Gemeinden dabei, öffentliche Gebäude für den Artenschutz fit zu machen. „Mit dem ‚Quartiershäuser‘-Wettbewerb helfen wir Kommunen, damit gebäudebewohnende Arten an öffentlichen Gebäuden langfristig Lebensraum finden“, so Julia Hiller. Städte und Gemeinden erhalten finanzielle Unterstützung von bis zu 4.000 Euro für Nisthilfen für Vögel, Fledermaus-Quartiere und Folien gegen Vogelschlag sowie Kartierungen an etwa zehn Gebäuden und fachliche Beratung. Bis Ende September können Kommunen in Baden-Württemberg sich bewerben, damit die Maßnahmen im nächsten Frühjahr starten.
- Der „Quartiershäuser“-Wettbewerb ist Teil des Projekts Mensch.Natur – natürlich.zusammen.leben. des NABU Baden-Württemberg. Ziel des Projektes ist es, die biologische Vielfalt im Siedlungsraum zu erhalten und zu stärken – in Gärten und Kirchengemeinden, auf öffentlichen Grünflächen und an Gebäuden. Mensch.Natur läuft von 2025 bis 2031 und wird gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit sowie durch das Umweltministerium Baden-Württemberg.
- Mehr Informationen zum Quartiershäuser-Wettbewerb: www.MenschNatur.org/quartiershaeuser
Tipps zum korrekten Anbringen von Nisthilfen an Gebäuden: Richtiges Aufhängen von Nistkästen – NABU BW
Fledermaus-Nottelefon für Baden-Württemberg bei der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz: 0179 497 29 95
PM NABU Baden-Württemberg