- Krise als letzte Chance zum Umdenken
- Verbände fordern ein offenes Gespräch
- Alternative Lösungen wie Kombibahnhof nötig
Am 26. Juni trifft sich der Lenkungskreis des Großprojektes Stuttgart 21 zu seiner nächsten Sitzung. Der Landes- und der Regionalverband Stuttgart des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordern, dass es dabei angesichts der desaströsen Lage und den Hiobsbotschaften der vergangenen Wochen nicht nur um einen neuen Eröffnungstermin für den Tiefbahnhof in Stuttgart gehen darf. Nötig ist vielmehr ein echter Kurswechsel. Um einen leistungs- und zukunftsfähigen Bahnknoten Stuttgart noch zu erreichen, braucht es jetzt Offenheit für andere Lösungen. Insbesondere eine Kombilösung, bei der oberirdische Gleise des Hauptbahnhofs neben dem Tiefbahnhof erhalten bleiben, müssen die Verantwortlichen endlich ernsthaft prüfen – mindestens für einen Übergangszeitraum.
Martin Bachhofer, BUND-Landesgeschäftsführer: „Die Entwicklungen der letzten Wochen waren ein weiterer und erwartbarer Tiefpunkt in der langen Geschichte von Pannen, Verzögerungen und Kostenexplosionen bei Stuttgart 21. Die falsch verlegten Kabel, die nun auf mehr als 1.000 Kilometern wieder herausgerissen werden müssen, sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Die hohe technische und betriebliche Komplexität dieses Projekts ist ganz offensichtlich nicht mehr zu beherrschen. Die Verantwortlichen bei Bahn, Land und Stadt müssen endlich die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Statt ausschließlich über neue Zeitpläne zu sprechen, braucht es Offenheit für andere Lösungen, die resilient und fahrgastfreundlich sind, sowie bestenfalls noch bares Geld sparen. Wir fordern volle Transparenz mit allen Expert*innen an einem Tisch – im Sinne einer tragfähigen Lösung für Umwelt und Fahrgäste!“
Expertise der Verbände nutzen
Expert*innen von Umwelt-, Verkehrs- und Fahrgastverbänden haben auf die Probleme schon lange hingewiesen. Statt weiterhin Alternativlosigkeit zu verkünden, müssen die Projektpartner endlich bereit sein, diese Expertise einzubeziehen und gemeinsam über die Zukunft des Bahnknotens Stuttgart zu beraten.
Gerhard Pfeifer, Geschäftsführer BUND Region Stuttgart: „Die Antwort auf die Krise von Stuttgart 21 kann keinesfalls ‚Weiter so‘ lauten. Jetzt braucht es den Mut, auch Lösungen zu prüfen, die bislang ausgeblendet wurden. Ein leistungsfähiger Kombibahnhof würde zusätzliche Kapazitäten schaffen, Risiken reduzieren und den Bahnknoten Stuttgart insgesamt robuster machen. Andere europäische Bahnknoten wie Zürich und Leipzig zeigen, dass solche Lösungen erfolgreich funktionieren können. Damit könnte die erneute Verschiebung die letzte Chance bieten, Fehlentwicklungen zu korrigieren und den Bahnknoten Stuttgart langfristig stabiler, zukunftsfähiger und fahrgastfreundlicher aufzustellen. Diese Chance darf nicht vertan werden.“
Hintergrund: Die Berichte Anfang Juni 2026 über eine erneute Verschiebung der Inbetriebnahme um mehrere Jahre und eine Kostensteigerung um mindestens 3 Milliarden Euro sind ein weiterer Tiefpunkt in der langen Geschichte von Pannen, Verzögerungen und Kostenexplosionen bei Stuttgart 21. Der BUND und weitere Verbände begleiten das Projekt bereits seit mehr als 30 Jahren und haben schon früh Widerstand geleistet, Alternativen entwickelt, Gerichtsverfahren geführt und politisch mitgemischt.
Mehr Informationen:
Chronologie zu Stuttgart 21 und dem Engagement des BUND
Webseite des BUND BW zu Stuttgart 21
Webseite des BUND Region Stuttgart zu S21
PM Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland