Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) setzt ihre Tarifverhandlungen in den Sendern der ARD fort und hält an ihren Forderungen von sieben Prozent Honorar- und Gehaltserhöhungen, mindestens aber 300 Euro monatlich mehr, entschlossen fest. Dies gelte ausdrücklich auch für den Westdeutschen Rundfunk (WDR), erklärte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz-Dethlefsen, zuständig für Medien, am Donnerstag, nachdem der WDR in dieser Woche bekannt gegeben hatte, mit der „Vereinigung der Rundfunk-, Film- und Fernsehschaffenden“ (VRFF) eine Tarifeinigung erzielt zu haben – erstmals ohne Beteiligung der Mehrheitsgewerkschaft ver.di im WDR und auch ohne den Deutschen Journalisten-Verband (DJV).
Es sei ein durchsichtiges Störmanöver der Senderleitung, erklärte der Gewerkschafter, wenn der WDR mit einer Organisation, deren Tarifmächtigkeit fragwürdig sei, vermeintliche Vorentscheidungen für die weiteren Verhandlungen treffen wolle. „Der WDR setzt aufs falsche Pferd und erreicht keine Ergebnisse, solange er nicht mit ver.di als maßgeblicher und mitgliederstärkster Gewerkschaft im Rundfunk eine Einigung erzielt“, sagte Schmitz-Dethlefsen.
Für Beschäftigte im WDR und in anderen ARD-Sendern seien die gestern vermeldeten Tarifergebnisse zudem wenig attraktiv, lägen sie doch klar unterhalb der von der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) bereits anerkannten Personalkostensteigerung und auch unter den jüngsten Tarifabschlüssen im Öffentlichen Dienst. „Wir bleiben verhandlungs- und einigungsbereit“, betonte ver.di-Vorstandsmitglied Schmitz-Dethlefsen. „Dem WDR und den anderen ARD-Sendern muss aber klar sein, dass es für eine Einigung mit uns bessere Angebote bei kürzeren Laufzeiten als 35 Monaten braucht.“ Der WDR hatte am Mittwoch mitgeteilt, er strebe einen Abschluss für alle Beschäftigten auf dem Niveau seiner Einigung mit der VRFF an. „Das reicht bei Weitem nicht aus“, sagte Schmitz-Dethlefsen. „Eine solche Einigung wird es mit uns definitiv nicht geben.“
Weiterer Streitpunkt in den Verhandlungen mit dem WDR ist die Weigerung der Senderleitung, Regeln für Personalversetzungen innerhalb der ARD gemeinsam mit anderen Sendern zu verhandeln. Auch dazu habe die Einigung des WDR mit der VRFF keinerlei Lösung gebracht. Schmitz-Dethlefsen: „Die Zentralisierung von Aufgaben in der ARD kann nur gemeinsam für alle Sender verhandelt werden, denn alle sind davon betroffen – der WDR blockiert hier wider jede Vernunft.“ Für die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft spiele der wirksame Schutz der Beschäftigten vor Einkommensverlusten und vor der Degradierung zu einer Verschiebemasse für willkürliche Unternehmensentscheidungen eine entscheidende Rolle. „Wir vertreten die Interessen von Rundfunkbeschäftigten mit aller Entschlossenheit“, sagte Schmitz-Dethlefsen und betonte, dass ver.di vor den weiteren Verhandlungsterminen in den nächsten Wochen Streiks nicht ausschließe: „Auch nicht im WDR.“
Die nächsten Verhandlungstermine sind im NDR und im BR am heutigen 11. Juni, im SWR am 30. Juni und im WDR am 1. Juli 2026.