Brennnesseln sind für viele Schmetterlinge wichtig: Mehr als dreißig heimische Falterarten, darunter Kleiner Fuchs und Tagpfauenauge, nutzen sie im Raupenstadium als Futterquelle. Für einige Arten ist die Brennnessel die einzige Pflanze, auf der die Weibchen ihre Eier ablegen und Raupen sich entwickeln können. Beim Admiral dient die Brennnessel sogar als kompletter Lebensraum – vom Ei über Raupe und Puppe bis zum Schlupf des fertigen Falters. Mit der neuen Meldeaktion „Raupen an Brennnesseln“ laden NABU und das Naturbeobachtungsportal NABU|naturgucker Naturfreundinnen und -freunde dazu ein, selbst zu entdecken, welche Raupen an den Pflanzen zu finden sind – auch in Baden-Württemberg. Im Fokus stehen fünf Arten: Tagpfauenauge, C-Falter, Kleiner Fuchs, Admiral und Landkärtchen.
Schmetterlinge als Bioindikatoren
Wie bei vielen anderen Insektenarten sind auch bei den Schmetterlingen die Bestände seit Jahren stark rückläufig. Laut aktueller Roter Liste Schmetterlinge Baden-Württemberg gelten über 50 Prozent aller Arten als gefährdet oder potenziell gefährdet. Wie sich die Bestände bereits im Raupenstadium entwickeln, wird bisher kaum erfasst. Die Beobachtungen aus der Meldeaktion können helfen, Verbreitung und Häufigkeit der Raupen besser zu dokumentieren und Rückschlüsse auf die Entwicklung der Falterarten zu ziehen. Das ist auch deshalb wichtig, weil Schmetterlinge als Bioindikatoren gelten: Sie reagieren besonders empfindlich auf Veränderungen von Lebensräumen, Klima und Landnutzung. Ihre Beobachtung gibt frühzeitig Hinweise auf ökologische Veränderungen.
Platz im Garten für wichtige Blütenbesucher
Die Beziehung zwischen Raupen und Brennnesseln zeigt, wie komplex und sensibel unsere Natur ist: Brennnesseln dienen den Raupen nicht nur als Nahrung, sondern auch als Schutzraum vor Fressfeinden. Die späteren Falter wiederum tragen als Blütenbesucher zur Bestäubung vieler heimischer Pflanzen bei. Wer Brennnesseln im Garten einen Platz einräumt, kann sich auf bunten Schmetterlingsbesuch freuen.
So funktioniert die Meldeaktion:
- Beobachten und fotografieren: Wer Brennnesseln z. B. im Garten, an Wiesen, Wegrändern oder auf naturnahen Grünflächen genau anschaut und eine Raupe entdeckt, fotografiert sie.
- Bestimmen: Welche Art ist es und welcher Falter wird daraus? Hilfe zur Bestimmung gibt es unter www.NABU.de/raupen-melden
- Melden: Beobachtungen, möglichst mit Foto, können zwischen 8. Juni und 8. Juli gemeldet werden unter www.NABU.de/raupen-melden
Tipp: Viele Infos zum Naturgärtnern bietet die kostenfreie Webinar-Reihe „Ein Jahr im Naturgarten“ im Rahmen des Projekts „Mensch.Natur – natürlich.zusammen.leben“
Foto (Jan Piecha): Tagpfauenauge
PM NABU Baden-Württemberg