NABU: Von Jungvogel bis Igel – Wenn Wildtiere unsere Hilfe brauchen – 9 NABU-Tipps, wie man Notfälle erkennt und Lebensräume schützt

Der gestrandete Buckelwal in der Ostsee hat viele Menschen tief bewegt. Sie haben mit ihm gehofft, gebangt und mussten am Ende ohnmächtig zusehen. Doch auch direkt vor unserer Haustüre geraten Wildtiere in Not, oftmals unbemerkt. „Naturschutz darf nicht beim einzelnen Notfall enden. Der Fall des riesigen Buckelwals sollte uns motivieren, die großen und kleinen Nöte der Natur in den Blick zu nehmen“, sagt NABU-Artenschutzreferentin Alexandra Ickes. Sie kennt echte und vermeidliche Sorgenfälle und bittet Tierfreundinnen und -freunde, sich einzubringen für den langfristigen Schutz der Wildtiere im Südwesten. Das ist manchmal leichter als gedacht. Dabei gilt, empathisch gegenüber einzelnen Tieren zu sein, ohne den Blick fürs große Ganze zu verlieren. „Viele Krisen unserer Zeit hängen direkt mit unserem Handeln zusammen. Das heißt aber auch: Wir können in vielen Fällen selbst zu Verbesserungen beitragen und andere motivieren, gemeinsam aktiv zu werden“, so Ickes.

Nicht jedes Jungtier ist in Not

Besonders im Frühjahr und Frühsommer werden viele Jungvögel voreilig mitgenommen – und etwa im NABU-Vogelschutzzentrum Mössingen abgegeben, das fast jährlich wegen Überfüllung schließen muss. Dabei sind viele Jungvögel keine Waisen. Nur Nestlinge außerhalb des Nests brauchen Hilfe. Befiederte Ästlinge haben das Nest verlassen und sitzen oft nach Futter bettelnd – laut piepend und mit den Flügelchen schlagend – am Boden oder in niedrigen Zweigen. Dort werden sie von den Vogeleltern weiter gefüttert. „Wer einen Jungvogel antrifft, sollte ihn aus der Distanz beobachten. Wirkt er gesund? Sind die Eltern in der Nähe? Dann braucht man nichts weiter zu tun. Ist er durch Verkehr oder die Nachbarskatze gefährdet, sollte man ihn vorsichtig in ein nahes Gebüsch oder auf einen niedrigen Ast setzen. Die Eltern finden ihn wieder“, rät NABU-Artenexpertin Alexandra Ickes. Der NABU hilft mit Infos: Wildvogel in Not – was tun? – NABU

Die neun häufigsten Gefahren und wie sie entschärft werden können

  1. Glasflächen vor Vogelschlag sichern

Das Problem: Große Fenster, Glasfassaden, Wintergärten, Bushaltestellen und verglaste Balkonbrüstungen können für Vögel lebensgefährlich sein. Spiegeln sich darin Bäume oder der Himmel, täuscht ihnen das freie Flugbahn vor.

Das hilft: Außen angebrachte, eng gesetzte Muster, Streifen oder Punkte machen Glas sichtbar. Besonders gefährliche Scheiben sollten dauerhaft markiert werden. Einzelne Greifvogelsilhouetten reichen nicht aus.

  1. Mähroboter und Motorsensen im Schuppen lassen

Das Problem: Mähroboter sind ein tierfeindlicher Trend. Weil Igel bei Gefahr nicht fliehen, sondern sich einrollen, werden viele durch die scharfen Klingen von Mährobotern verletzt, vor allem in der Dämmerung und nachts. Auch für Blindschleichen oder Kröten sind die Geräte gefährlich.

Das hilft: Mähroboter am besten gar nicht einsetzen, dann haben Blüten und Igel eine Chance. Wer sie unbedingt nutzen will, sollte sie nur tagsüber und unter Aufsicht laufen lassen und nicht im gesamten Garten einsetzen. Vor dem Mähen Wiesenränder, Laubhaufen und Hecken auf versteckte Tiere kontrollieren.

  1. Keller- und Lichtschächte sichern

Das Problem: Kröten, Frösche, Molche, Eidechsen, Mäuse oder Igel sind so klein, dass sie fast überall hindurchpassen. Fallen sie in ungesicherte Schächte, müssen sie unentdeckt verhungern oder vertrocknen.

Das hilft: Licht- und Kellerschächte mit feinmaschigen Gittern sichern, regelmäßig kontrollieren und Ausstiegshilfen anbringen, etwa raue Bretter oder spezielle Kleintierleitern. Gullys und Schächte im Umfeld naturnaher Gärten besonders im Frühjahr und Herbst prüfen.

  1. Regentonnen, Teiche und Wasserbehälter abdecken

Das Problem: In heißen Sommern ist Wasser für Tiere überlebenswichtig. Offene Regentonnen und steilwandige Wasserbehälter können für Vögel, Insekten, Eichhörnchen, Igel und Amphibien jedoch zur Falle werden.

Das hilft: Regentonnen immer abdecken. In Teichen und Wasserstellen flache Ufer, Steine, Äste oder Ausstiegshilfen einbauen. Wasserschalen für Tiere sollten flach sein und täglich gereinigt werden. Mit einem Stein als Rettungsinsel versehen, können auch Insekten wieder hinausfinden.

  1. Langsam und vorausschauend fahren

Das Problem: Baden-Württemberg hat tausende Kilometer Straßen. Auf ihnen kommen wir schnellstens voran, sie zerschneiden aber viele Lebensräume. Amphibien, Rehe, Füchse, Dachse, Igel, Eichhörnchen – die Liste der Tiere ist lang, die jedes Jahr besonders auf Landes- und Kreisstraßen sterben.

Das hilft: Langsam fahren, wo Straßen Lebensräume wie Wälder, Wiesen oder Äcker durchschneiden. Rücksicht nehmen auf Amphibien während der Wanderung. Warnschilder beachten. Kommunen können dauerhafte Leiteinrichtungen, Querungshilfen und Temporeduzierungen prüfen sowie das Land deutlich mehr Grünbrücken und Querungshilfen bauen.

  1. Freigang für Katzen zur Brutzeit einschränken

Das Problem: Freilaufende Katzen sind oft vom Menschen unbemerkt erfolgreiche Jäger – und verletzen oder töten geschützte Wildtiere, wie Vögel, Eidechsen und Spitzmäuse.

Das hilft: Katzen während der Brutzeit morgens und in der Dämmerung möglichst im Haus behalten. Jungvögel nicht in Katzennähe sitzen lassen. Verstecke wie dichte Sträucher, Reisighaufen und Trockenmauern schaffen. Brutplätze in Bäumen zum Beispiel durch Kletterhindernisse schützen. Katzen mit einer bunten und reflektierenden Halskrause und Glöckchen können von Vögeln besser wahrgenommen werden.

  1. Vielfältige Balkone und Gärten anlegen

Das Problem: Viele Wildbienen und Schmetterlinge brauchen spezielle heimische Blüten sowie offene Bodenstellen, Totholz oder hohle Stängel zum Brüten. Kurzer Rasen, Schotterflächen und Neophyten machen ihnen das Überleben schwer.

Das hilft: Heimische Wildpflanzen pflanzen, seltener mähen, verblühte Flächen als Winterlebensraum stehen lassen, offene Bodenstellen anlegen, auf Pestizide verzichten. Schon ein kleiner Balkon mit verschiedenen heimischen Pflanzen kann helfen.

  1. Plastikmüll und Schnüre einsammeln

Das Problem: Unsere Umwelt ist vielerorts vermüllt. Doch Wildtiere verheddern sich leicht in Schnüren, Netzen oder Plastikringen, sie verschlucken Müll oder nutzen ungeeignetes Material beim Nestbau.

Das hilft: Müll mitnehmen und sammeln, Angelschnüre und Netze sicher entsorgen, sich an Müllsammelaktionen beteiligen, weniger Plastikmüll verbrauchen, Dinge wiederverwenden.

  1. Störungen in der Brut- und Setzzeit minimieren

Das Problem: Viele Wildtiere, wie das Rebhuhn, Vogel des Jahres 2026, ziehen ihren Nachwuchs gut versteckt am Boden auf. Freilaufende Hunde oder Menschen, die querfeldein laufen, sowie Drohnen können dazu führen, dass Elterntiere aufgescheucht werden und ihre Jungen verlassen.

Das hilft: Auf den Wegen bleiben, besonders in Schutzgebieten. Hunde anleinen. Sensible Bereiche wie Wiesen und Uferzonen meiden. Hinweisschilder beachten. Ruhezonen und -zeiten einhalten.

Weitere Infos:

 

 

PM NABU (Naturschutzbund Deutschland) Landesverband Baden-Württemberg e.V.

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