Casino-Arbeitgeber zahlen Streikbrecher-Prämie – Zocken mit der Sozialpartnerschaft

Im Tarifkonflikt mit den baden-württembergischen Spielbanken hat ver.di für heute zu einem Warnstreik aufgerufen, dem ersten in der Geschichte der hundertprozentigen Landestochter. Der Arbeitgeber hat als Reaktion gestern Nachmittag allen Beschäftigten, die trotz des Streikaufrufs heute arbeiten, die doppelte Bezahlung angeboten. Für ver.di ein klarer Verstoß gegen alle Regeln der Sozialpartnerschaft.

Maike Schollenberger, ver.di Landesbezirksleiterin: „Wegen dem ersten Streiktag in der Geschichte der baden-württembergischen Spielbanken, zocken die Casino Arbeitgeber mit der Sozialpartnerschaft. Das wichtigste Gut staatlicher Glücksspielhäuser ist ihr guter Ruf. Die Arbeitgeber machen in dieser Tarifrunde alles, um diesen Ruf aufs Spiel zu setzen. Bei einem öffentlichen Arbeitgeber hätten wir so ein Verhalten nicht für möglich gehalten.“

Neben der doppelten Vergütung sollen alle Beschäftigten, die nicht streiken, kostenfrei Essen und Trinken erhalten. Zitat aus der Mitarbeiterinformation: „Für ihr leibliches Wohl wird gesorgt“.

Frank Hawel, ver.di Verhandlungsführer: „Erst das Essen, dann die Moral. Das ist der Kurs der Casino-Arbeitgeber. Wir rechnen dennoch mit einer stabilen Streikbeteiligung. Die Arbeitgeber sollten von der eigenen Moral nicht auf die ihrer Beschäftigten schließen.“

Gestreikt wird in den Casinos in Baden-Baden, Stuttgart und Konstanz heute ab 16 Uhr bis zum Ende des Samstag-Betriebes (gegen vier Uhr am Sonntag früh). ver.di rechnet mit erheblichen Auswirkungen auf den Spielbetrieb. Vor Ort gibt es jeweils kleinere Streikversammlungen vor den Casinos.

Der Arbeitgeber hatte ohne vorherige Gespräche bereits im September 2025 alle Tarifverträge gekündigt, darunter auch die betriebliche Gesundheitsförderung und sogar den Altersvorsorgetarifvertrag. In zwei Gesprächsrunden zum ausgelaufenen Gehaltstarifvertrag in diesem Frühjahr, zuletzt am 13. Mai, ist es nicht gelungen, ein Ergebnis zu erzielen. Einen neuen Verhandlungstermin gibt es nicht. Ein ultimatives letztes Angebot des Arbeitgebers mit nicht tabellenwirksamen monatlichen Einmalzahlungen für 2026, gesendet erst nach Bekanntwerden der Streikpläne, hat die Tarifkommission am Donnerstag Abend abgelehnt.

ver.di fordert in der laufenden Gehaltstarifrunde einen Sockelbetrag von 350 Euro plus drei Prozent rückwirkend zum 1. Januar 2026. Einige Beschäftigtengruppen in den Spielbanken liegen beim tariflichen Gehalt ohne Trinkgelder (Tronc) sogar unter dem Mindestlohn. Mit der Umsetzung der EU-Bargeldrichtlinie 2027 drohen aber erhebliche Einbußen bei den Trinkgeldern.

In den drei Spielbanken arbeiten über 500 Beschäftigte.

Stuttgart: Beginn 16 Uhr direkt vor der Spielbank (goldene Wand), gemeinsame Kundgebung um 19:15 Uhr.

Baden-Baden, Beginn 16 Uhr direkt vor dem Kur-Haus, gemeinsame Kundgebung um 19:30 Uhr.

Konstanz: Beginn 16 Uhr vor dem Casino auf der See-Seite; Demozug vom Casino zum „Jackpot“ 18:15 Uhr, anschl. gemeinsame Kundgebung.

PM ver.di Landesbezirk Baden-Württemberg

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