Blaulicht im Filstal – und alle sollen bitte brav zur Seite springen

Man kennt das im Filstal: Man steht an der Ampel, denkt an nichts Böses, und plötzlich schießt ein Einsatzfahrzeug vorbei, als würde es versuchen, die B10 in eine Teststrecke für Hochgeschwindigkeitsmutproben zu verwandeln. Ich würde sagen: „Das ist nicht mehr Einsatzfahrt – das ist ein Bewerbungsvideo für Top Gear Göppingen.“

Natürlich, bevor jetzt jemand im  Schnappatmung bekommt: Ja, Rettungskräfte sind wichtig. Aber wichtig ist auch, dass man nicht mit 70 durch eine Schulzone in Uhingen rauscht, während Kinder am Zebrastreifen stehen wie Komparsen in einem Katastrophenfilm.

Die StVO ist da erstaunlich simpel. Sie sagt im Grunde: „Mach, was du musst – aber bitte ohne jemanden zu überfahren.“ Ein Satz, der offenbar schwerer zu verstehen ist als der neue Fahrplan der Filstalbahn.

Ich war bei genug Einsatzfahrten dabei, um zu wissen: Es gibt Fahrer, die fahren, um zu helfen. Und es gibt Fahrer, die fahren, als hätten sie eine Wette am Laufen, wer zuerst in Geislingen ankommt – egal, ob über die Steige oder quer durch die Fußgängerzone.

Und dann wundert man sich, wenn’s kracht. Wobei „wundern“ hier großzügig formuliert ist. Es ist eher ein „Ja gut, wer hätte ahnen können, dass 3,5 Tonnen Metall nicht automatisch Vorfahrt haben, nur weil’s blau blinkt.“

Harald Schmidt würde an dieser Stelle trocken anmerken: „Vielleicht sollte man einfach mal prüfen, ob manche Einsatzfahrten wirklich so dringend sind – oder ob da nur jemand zu spät losgefahren ist, weil der Kaffee in der Wache zu gut war.“

Was mich wirklich irritiert: Ein Fahrsicherheitstraining alle paar Jahre. Das ist ungefähr so sinnvoll wie ein Fitnessstudiovertrag in Süßen, den man nur am 2. Januar nutzt. Man fühlt sich kurz gut – und danach macht man wieder alles wie vorher.

Wir brauchen regelmäßige Trainings. Wir brauchen klare Regeln. Wir brauchen Fahrer, die wissen, dass Verantwortung nicht mit Blaulicht beginnt, sondern mit gesundem Menschenverstand.

Denn am Ende gilt auch im Filstal: Wer mit Blaulicht fährt, hat nicht mehr Rechte – sondern mehr Pflichten. Und wer das nicht versteht, sollte vielleicht nicht im Einsatzfahrzeug sitzen. Sondern daneben. Mit Klemmbrett. Und der Aufschrift: „Langsamer, Kollege. Wir sind hier nicht auf der Alb‑Rallye.“

Alfred Brandner

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