NABU: Wespen-Jungköniginnen auf Nistplatz-Suche

Aktuell sind vielerorts im Südwesten Wespen-Jungköniginnen unterwegs. Nachdem sie allein in geschützten Verstecken, etwa unter Rinde, in Totholz, Mauerritzen oder Dachbereichen, überwintert haben, suchen sie einen geeigneten Nistplatz für die Gründung ihres Volkes. Die Tiere aus der Familie der Faltenwespen – sie falten ihre Flügel im Sitzen der Länge nach zusammen – sind Teil des Naturhaushalts. Sie jagen und verspeisen andere Insekten oder tragen sie als Futter für ihren Nachwuchs ins Nest. So sorgen sie für ein gesundes Gleichgewicht in der Natur.

Europäische Hornisse

Witterung entscheidend fürs Wespenjahr

„Angesichts des sonnigen und relativ niederschlagsarmen Frühjahrs waren die Startbedingungen für die Wespenköniginnen zunächst günstig“, sagt NABU-Wespenfachfrau Sabine Holmgeirsson. „Wie viele Wespenvölker sich erfolgreich entwickeln und ob wir ein intensives ‚Wespenjahr‘ bekommen, wird die Witterung der nächsten Wochen entscheiden. Längere kühl-nasse Phasen etwa können junge Nester deutlich schwächen. Stirbt die Königin, bevor genügend Arbeiterinnen geschlüpft sind, scheitert in der Regel die Nestgründung.“

Wo bauen Wespen ihre Nester?

Die allermeisten der mehreren hundert heimischen Wespenarten leben unauffällig, viele sind solitär und bilden keine großen Völker. Bei der Nistplatzwahl hat jede Art ihre Eigenheiten: Die Feldwespe etwa baut ihre kleinen, papierartigen Nester draußen, an warmen, geschützten Stellen. Die Tiere sind sehr friedliebend und lassen sich gut beobachten. Die Deutsche Wespe nutzt geschützte, warme und dunkle Standorte, meist unterirdisch im Erdboden, aber auch in Hohlräumen von Gebäuden. Beliebt sind Dachböden, Rollladenkästen oder Schuppen. Im Laufe des Jahres wächst das Nest auf bis zu 50 Zentimeter im Durchmesser. Ähnliche Plätze nutzt die Gemeine Wespe, deren Nester noch etwas größer werden können und erst im späten Herbst oder Winter unbewohnt sind.

Wohnrecht für Wespen

Bei der Nistplatzwahl kann es zu Konflikten kommen. So inspizieren etwa immer wieder Jungköniginnen Rollladenkästen als mögliche Nistplätze: „Sind einzelne suchende Königinnen unterwegs, kann man den Rollladen regelmäßig bewegen und die Ansiedlung unattraktiv machen. Wenn bereits regelmäßig Wespen ein- und ausfliegen und man sich damit arrangieren kann, sollte man den Rollladen vorerst nicht mehr bewegen“, rät Holmgeirsson. Im Herbst und Winter geht das Wespenvolk zugrunde, nur begattete Jungköniginnen überwintern; alte Nester werden in der Regel nicht wiederbesiedelt.

In der Flugzeit lassen sich betroffene Fenster mit Fliegengittern sichern. „Bei Allergien beziehungsweise wenn sich ein Nest an einer kritischen Stelle befindet, kann man sich an die Untere Naturschutzbehörde wenden. Diese ist in Landkreisen in der Regel beim Landratsamt angesiedelt, in Stadtkreisen bei der Stadtverwaltung. Dort gibt es Wespen- und Hornissenberatende, die nach einer Lösung suchen, wenn nötig auch vor Ort.“ Alle Wespen und ihre Nester sind durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt, nur die Asiatische Hornisse nicht.

Gut zu wissen: Hornissen sind Wespen

„Hornissen sind biologisch ebenfalls Wespen. Die Europäische Hornisse ist die größte heimische Faltenwespe“, erklärt Holmgeirsson. Hornissen sind deutlich größer als die anderen Wespenarten, wirken kräftiger und fliegen tiefer brummend – und interessieren sich in der Regel auch im Hochsommer nicht für die Verlockungen am Kaffeetisch. Die besonders geschützte Europäische Hornisse kann man von der invasiven Asiatischen Hornisse optisch unterscheiden: „Schauen Sie der Hornisse auf die Füße. Sind sie dunkel, ist es die heimische Art, sind sie gelb, ist es die asiatische.“

Europäische und Asiatische Hornisse im Vergleich: Europäische und Asiatische Hornisse – NABU Baden-Württemberg

Fragen und Antworten zu Wespen: www.NABU-BW.de/wespen

Foto vom NABU

PM NABU (Naturschutzbund Deutschland), Landesverband Baden-Württemberg e. V.

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