Waren Sie schon einmal Zeuge eines Unfalls. Wir kamen von einem Konzert und an der Kreuzung fährt das Auto vor uns bei Rot über die Ampel und schon hat es gekracht. Der Fahrer von rechts konnte nicht mehr bremsen und erwischte die Autofahrerin am hinteren Ende des Wagens, beide Fahrzeuge drehten sich und blieben mit quietschenden Reifen auf der Kreuzung stehen.
Auch wir waren im ersten Moment geschockt, doch dann fuhren wir rechts ran, stiegen aus und gingen zur Unfallstelle. Der Fahrer und eine alte Frau standen an den kaputten Autos, Gott sei Dank gab es keinen Personenschaden. Die alte Frau war kurz abgelenkt und hatte nicht bemerkt, dass die Ampel bereits wieder auf Rot geschaltet hatte. Wir waren Zeugen dieses Unfalls geworden. Wir hatten miterlebt wie es geschehen ist, wir waren für kurze Zeit mithineingenommen an das Geschehen, konnten uns nicht herausnehmen. Wir hatten gesehen, gehört, ja sogar gerochen was geschehen war. Die Polizei, die nach kurzer Zeit da war, nahm unsere Aussagen auf, natürlich waren wir bereit unsere Wahrnehmungen, unsere Sicht auf das Geschehene weiterzugeben, zu Protokoll zu geben.
Was macht mich zur Zeugin, zum Zeuge, davon erzählt das Evangelium in diesen Tagen vor Pfingsten an vielen Stellen. Was macht mich zur Zeugin, zum Zeuge für die Botschaft Jesu in dieser Welt. Im Johannesevangelium sagt Jesus zu seinen Jüngern und Jüngerinnen: „Ihr sollt Zeugnis ablegen, weil ihr von Anfang an bei mir seid!“ Da lesen wir nichts von Qualifikation, Ausbildung oder einem langen Studium, von einer besonderen Position oder einem speziellen Amt, das nötig wäre um Zeuge zu sein. Es heißt lediglich, „weil ihr bei mir seid“. Die Menschen, die Jesus begleitet haben, die miterlebt haben, wie er gepredigt, geheilt, getröstet und von der Liebe Gottes gesprochen hat. Die Menschen, die offen waren für eine neue Botschaft, für eine neue Hoffnung, die sich ansprechen und mit hineinnehmen ließen in das Geschehene. Die Menschen, die in Kontakt sind, die in Beziehung sind mit Jesus, sie sind Zeuginnen und Zeugen, „weil ihr bei mir seid“.
Die Botschaft Jesu braucht auch heute noch Menschen, die in diesem Sinne „Zeuginnen und Zeugen“ sind. Die Jesus in ihr Leben lassen, die auch heute mit wachen Sinnen und offenen Herzen sein Wirken in unserer Zeit erkennen, die im Alltag sein Wort hören und daraus leben. Menschen, die, wie die Jüngerinnen und Jünger zurzeit Jesu, seine Zeugen sind „bis an das Ende der Erde“ oder einfach hier und heute bei uns im Landkreis Göppingen.
Simone Jäger
Dekanatsreferentin katholisches Dekanat Göppingen-Geislingen