Artenwunder Wiese – So lebendig wie der tropische Regenwald – Tausende Pflanzen und Insekten fühlen sich hier wohl

Brasilien mit dem Amazonasgebiet ist der Inbegriff der Artenvielfalt. Doch auch im Südwesten gibt es solche Hotspots: Unsere blumenbunten Wiesen sind bei richtiger Pflege wahre Naturwunder. Bis zu 90 Pflanzenarten tummeln sich auf einem Quadratmeter und über 400 Pflanzen leben im Grünland. Auf extensiv bewirtschafteten Wiesen wird es jetzt kunterbunt. Dort läutet der Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) in Blauviolett die Blühsaison ein. 

Für NABU-Agrarexpertin Miriam Willmott beginnt im Mai die schönste Zeit des Jahres. Wenn ihr zum Blau des Salbeis noch weiße Margeriten, lila Flockenblumen und gelber Wiesen-Pippau aus dem Gräsermeer entgegenleuchten, weiß sie, dass die Agrar-Fördermaßnahme „Artenreiches Grünland“ ihren Zweck erfüllt hat: „Es ist nicht nur die Farbenpracht und die Insektenvielfalt in diesen Mähwiesen, die mich begeistert. Artenreiches Grünland trägt durch Kohlenstoffspeicherung und Wasserrückhalt messbar zum natürlichen Klimaschutz bei – und wurde dabei lange unterschätzt.“

Mit Grünland Klima und Arten schützen

Um beim Vergleich mit dem Regenwald zu bleiben: Auch in der Wiese gibt es eine vielfältige Struktur. Statt hoher Bäume sorgen hier niedrige und hohe Gräser, krautige Bodendecker und hochwachsende Stauden dafür. Diese oberirdische Vielfalt spiegelt sich unterhalb des Bodens wider: Die artenreichen Bestände bilden ein komplexes Wurzelnetzwerk, das den Boden auflockert und in unterschiedliche Tiefen vordringt. So versickert der Regen besser, es wird mehr Wasser gespeichert und die Pflanzen können sich dieses aus verschiedenen Bodentiefen erschließen. So bleibt das kostbare Nass länger verfügbar – auch in Trockenphasen. Artenreiches, nur selten gemähtes oder wenig beweidetes Grünland kommt daher mit Hitze und Trockenheit deutlich besser zurecht als die intensiv genutzten Hochleistungswiesen und bleibt länger grün und produktiv.

Mehr Pflanzenvielfalt, mehr Kohlenstoffspeicherung

Artenreiches Grünland speichert mehr und stabileren organischen Bodenkohlenstoff als artenarmes. Dieser Effekt nimmt über die Jahre zu und reicht bis in den Unterboden. Je höher die Pflanzenartenvielfalt, desto mehr organischer Kohlenstoff wird im Boden gespeichert.

Beobachtungstipp im Mai: Salbei mit Bestäubungstrick

Der Wiesen-Salbei nutzt einen raffinierten Hebelmechanismus zur Bestäubung: Wenn eine Hummel tief in die Blüte kriecht, um an den begehrten Nektar zu kommen, betätigt sie mit dem Kopf einen Hebel. Dadurch klappen die Staubblätter aus der Oberlippe nach unten und streifen gezielt Pollen auf den Rücken der Hummel. Beim nächsten Blütenbesuch wird dieser Pollen an der Narbe eines anderen Salbeis wieder abgestreift. So sorgt der Wiesen-Salbei dafür, dass seine Pollen effizient und zielgerichtet übertragen werden: Ein clever abgestimmtes Zusammenspiel zwischen Pflanze und Bestäuber.

Tipp: Der Mechanismus lässt sich auch vorsichtig mit einem Grashalm auslösen.

Hintergrund Wiesen-Salbei: 

  • Der mehrjährige Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) ist eine Charakterart artenreicher Wiesen und wird hauptsächlich von Hummeln bestäubt. Aufgrund ihres Gewichts und ihrer Größe sind sie die idealen Bestäuber für den speziellen Klappmechanismus der Blüte.
  • Durch seine lange Blühzeit von Mai bis Juli profitieren die Hummeln besonders lange. Die Blüten entwickeln sich mit dem Wachstum des Stängels, sodass sich oben neue Blüten bilden können, während die unteren schon verblüht sind.
  • Trockenheitsspezialist: Durch seine bis einen Meter tiefe Pfahlwurzel ist der Lippenblütler gut für trockene Standorte geeignet – ein großer Vorteil in Zeiten des Klimawandels mit häufigerem Trockenstress.
  • Durch seine ätherischen Öle schmeckt er bitter und Schnecken meiden ihn. Wiesen-Salbei eignet sich daher auch gut für den Garten.

 

Mehr zum NABU-Projekt: Refugialflächen für die Artenvielfalt: 

Biologische Vielfalt auf Acker- und Grünlandflächen in Baden-Württemberg zu erhalten und zu fördern ist Ziel des NABU-Projekts „Landwirt-schaf(f)t Lebensraum – Refugialflächen für die Artenvielfalt“. Dieses wird mit Unterstützung der Stiftung Naturschutzfonds aus zweckgebundenen Erträgen der Glücksspirale gefördert. Refugialflächen sind hochwertige Lebens- und Rückzugsräume für Tier- und Pflanzenarten des Offenlandes. „Wir wollen Landwirtinnen und Landwirte für die Bedeutung hochwertiger mehrjähriger Refugialflächen sensibilisieren und für deren Anlage werben“, so Willmott.

Weitere Infos zum Thema: www.NABU-BW.de/refugialflaechen

 

PM NABU (Naturschutzbund Deutschland) Landesverband Baden-Württemberg e.V.

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://filstalexpress.de/freizeit/206774/artenwunder-wiese-so-lebendig-wie-der-tropische-regenwald-tausende-pflanzen-und-insekten-fuehlen-sich-hier-wohl/

Schreibe einen Kommentar