Milde Temperaturen und viel Sonne locken am Wochenende wieder viele Menschen ins Grüne. Zwitschernde Vögel, knospende Bäume, plätschernde Bäche und bunte Blütenwiesen tun gut: Sie beruhigen die Sinne und helfen, Stress abzubauen. Zugleich brüten die ersten Vögel in Büschen, auf Äckern und Wiesen oft unbemerkt, gut getarnt und versteckt – und sollten dabei nicht gestört werden. „Naturerlebnisse machen glücklich, reduzieren Stress und bieten Raum zur Erholung“, weiß NABU-Ornithologe und Humanmediziner Stefan Bosch. Als Vogelfreund bittet er zugleich um Rücksicht: „Ob beim Wandern im Wald, beim Radfahren entlang von Äckern und Wiesen oder beim Besuch am See: Überall sind Tierfamilien damit beschäftigt, ihren Nachwuchs großzuziehen. Danke, dass Sie mithelfen, den Ausflug ins Grüne möglichst störungsarm zu gestalten.“
Sechs Tipps zum Schutz von Tieren und Umwelt:
- Auf den Wegen bleiben: In fast allen Naturschutzgebieten gilt ein strenges Wegegebot. „Bitte bleiben Sie jetzt, während der Brut- und Setzzeit, auch außerhalb von Schutzgebieten auf den Wegen. Das senkt Störungen deutlich“, betont Stefan Bosch. Amphibien sind weiterhin unterwegs und der „Froschregen“, die Rückwanderung der Mini-Frösche und -Kröten, steht noch bevor. Deshalb bitte: Fuß vom Gas, den Kröten zuliebe.
- Hunde anleinen: Führen Sie Hunde in Schutzgebieten, Wäldern sowie auf Feldern und Wiesen bitte stets an der Leine. Freilaufende Hunde können, von uns unbemerkt, Bodenbrüter stören oder Wildtiere beunruhigen. Viele Jungtiere sind gut getarnt und für uns quasi unsichtbar. Sammeln Sie außerdem Hundekot ein und entsorgen Sie die Plastikbeutel in der Mülltonne.
- Abstand halten zu Schutzzonen: Ausgewiesene Betreuungs- und Ruhezonen in Schutzgebieten gilt es unbedingt zu beachten. Sie markieren Bereiche, in die sich sensible Arten zurückziehen. Das gilt besonders für Feuchtgebiete, wie Flüsse und Seen sowie ihre Uferzonen, in denen mitunter Vögel brüten.
- Abfall einpacken und zuhause entsorgen: Abfall ist nicht immer zu vermeiden. Obwohl eine Bananenschale Bioabfall ist, braucht es Jahre, bis sie verrottet. Es ist wichtig, jeden Müll zuhause zu entsorgen. Plastikabfälle können Tiere gefährden, wenn sie diese zum Nestbau nutzen oder mit Futter verwechseln.
- Brandgefahr vermeiden: Im Frühling startet die Grillsaison. Dabei gilt: Stets ausgewiesene Feuerstellen nutzen und bei Trockenheit besonders vorsichtig sein. Im Wald ist offenes Feuer verboten. Auch weil Zigarettenkippen viele Giftstoffe und Plastik enthalten, sollte man diese immer ausgedrückt im Müll entsorgen. Glasscherben in der Sonne erhöhen die Brandgefahr.
- Auf Lärm und Drohneneinsatz verzichten: Laute Musik, Motorengeräusche und Drohnen verschrecken viele Wildtiere. Nistende Vögel wie Weißstörche nehmen Drohnen als Bedrohung war und geben teils ihre Brut auf. Daher gilt: Wo sich Tiere aufhalten, haben unnötiger Lärm und Drohnen nichts zu suchen.
Wer profitiert besonders von unserer Rücksichtnahme:
Feld- und Wiesenbrüter zählen zu den am stärksten gefährdeten Vogelarten in Baden-Württemberg. Für ihren Schutz kann jede und jeder etwas beisteuern, doch vor allem braucht es eine Landnutzung, die ihren Lebensraum wirksam schützt. Der NABU setzt sich gemeinsam mit anderen Verbänden intensiv für zwei Arten ein, denen es besonders schlecht geht.
Fallbeispiel 1: KiebitzLand Baden-Württemberg
Die ersten jungen Kiebitz-Küken werden dieser Tage in den Kerngebieten des landesweiten NABU-Schutzprojekts „KiebitzLand“ erwartet. In Sauldorf (Landkreis Sigmaringen), Äpfingen (Landkreis Biberach) und Ammerbuch-Reusten (Landkreis Tübingen) hat ein Team aus Landwirtschaft und Naturschutz alles für sie vorbereitet, im Winter den Boden gepflügt und flache Tümpel ausgebaggert, damit die Küken im feuchten Boden nach Käfern, Spinnen und anderen Wirbellosen suchen können. Kiebitze sind in Baden-Württemberg vom Aussterben bedroht. Für sie ist es daher besonders wichtig, ungestört brüten und ihre Jungen erfolgreich großziehen zu können.
Fallbeispiel 2: Für Rebhühner auf den Wegen bleiben
Das Schmidener Feld in Fellbach bei Stuttgart und der westliche Landkreis Tübingen haben als Modellgebiete im Rebhuhn-Schutzprojekt „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“ eine besondere Bedeutung. Hier werden Lebensräume gemeinsam mit landwirtschaftlichen Betrieben neu geschaffen und Rebhühner können hier ungestört brüten – mit Erfolg, wie die jährlich gesichteten Küken belegen. Darüber freut sich NABU-Projektleiterin Dominique Aichele, die gemeinsam mit dem Landesjagdverband das bundesweite Projekt im Südwesten koordiniert. Damit es weiter bergauf geht mit den stark bedrohten Rebhühnern, bittet sie alle, die in Rebhuhngebieten wandern und spazieren gehen: „Bleiben Sie unbedingt auf den Wegen und nehmen Sie Ihren Hund an die Leine. Jede Störung kann dazu führen, dass die Vögel ihr Gelege verlassen. Eier und Küken sind dann verloren. Dafür steigt mit jeder erfolgreichen Brut die Chance, dass der scheue Hühnervogel in Baden-Württemberg überlebt.“
Weitere Informationen zu den Projekten des NABU:
Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!
KiebitzLand – gemeinsam für Bodenbrüter in Baden-Württemberg
Infos zum Rebhuhn, Vogel des Jahres
Foto (© NABU/Michael Eick): Rebhuhn auf Acker
PM NABU Baden-Württemberg