In Baden-Württembergs Gärten hat die Brutzeit begonnen. Amseln, Meisen und Rotkehlchen bauen Nester, legen Eier und ziehen ihre Jungen groß. Anfangs singen die Männchen laut, sie markieren ihr Revier und werben um Partnerinnen. Doch sobald die Eier im Nest liegen, wird es stiller. In der Hauptbrutzeit zwischen April und Juni gilt: Rücksicht nehmen und die Tiere nicht stören. Mit Glück und Geduld lassen sich schon bald die ersten Vogeljungen auf Erkundungsflügen im Garten beobachten.
Vielfalt an Brutplätzen und Eiern
Nester und Eier der verschiedenen Vogelarten unterscheiden sich: Amseln flechten beispielsweise feste, halboffene Nester aus Gräsern und verbinden die Struktur mit feuchter Erde. Die Nester sitzen gut verborgen in Hecken oder Sträuchern und bieten Platz für die drei bis fünf grün-blauen Eier. Rotkehlchen hingegen bauen dicht am Boden. Ihre Nester finden sich unter Laubhaufen, Wurzeln oder in kleinen Hohlräumen. Die fünf bis sieben Eier sind weißlich bis cremefarben mit rötlich-braunen Sprenkeln.
Zu den Höhlenbrütern gehören Vögel, die nicht in offenen Nestern brüten, sondern sich geschützte Brutplätze wie Baumhöhlen oder Nistkästen suchen. Dazu zählt die Kohlmeise, die sechs bis zwölf weiße Eier mit feinen rötlichen Punkten legt. Ihr Nest besteht überwiegend aus Moos und ist zusätzlich mit Haaren, Wolle oder Federn weich und dicht ausgepolstert. Die etwas kleinere Blaumeise legt acht bis 15 Eier in ähnlich gebaute Nester. Haussperlinge sind beim Nestbau sehr pragmatisch – sie nutzen Nischen unterm Dach, Nistkästen und manchmal verlassene Mehlschwalbennester für die Familiengründung. Diese werden mit Halmen oder Federn gefüllt. Die vier bis sechs Eier sind weißlich bis graugrün sowie dicht gesprenkelt in grau, blau oder schwarz.
Gut gemeint, aber nicht ratsam
Um den Nestbau zu unterstützen, legen manche Vogelfans Haare oder Tierfell von Haustieren aus, die Vögel als weiches Polstermaterial nutzen. Doch das kann zum Problem werden: „Enthält das Fell von Hund und Katze Rückstände von Parasitenmitteln und Shampoos, können diese Stoffe ins Nest gelangen und dort Eier und Jungvögel schädigen“, erklärt NABU-Vogelexperte Stefan Bosch. Studien belegen, dass das am Tierfell haftende Biozid schädlich wirkt, wenn es zum Hautkontakt mit geschlüpften Vögeln kommt. In belasteten Nestern schlüpfen weniger Küken. Deshalb gilt: Tierhaare bitte stets über den Hausmüll entsorgen.
Ein weiteres Problem ist Plastikmüll: „Immer wieder finden wir Meisennester, die überwiegend aus den Plastikborsten verrottender Besen bestehen, oder Nestbauten, in die Bänder, Schnüre, Seile und Folien eingearbeitet sind. Daran können sich Jungvögel mitunter tödlich verletzen“, warnt Bosch. Plastikteile sollte man immer einsammeln und draußen besser Besen aus Naturmaterial nutzen.
Garten als Rückzugsort
„Die größte Bedrohung unserer Vogelwelt ist der Verlust an Lebensraum“, weiß NABU-Artenschutzreferentin Alexandra Ickes. „Eine vielfältige Natur ist der beste Platz für Tiere. Sie kann auch im eigenen Garten entstehen. Bitte unterstützen Sie unsere Vögel, damit sie überall in Baden-Württemberg auf Wiesen, in Wäldern und in unseren Gärten satt werden und sichere Brutplätze finden“, so Ickes.
Tipps und Tricks: So helfen Sie Vögeln im Garten
- Nistkästen aufhängen
Helfen Sie mit, geeignete Brutplätze zu schaffen. Hängen Sie beispielsweise Nistkästen in zwei bis drei Metern Höhe auf, am besten aus Holz oder Holzbeton und an einem wettergeschützten, ruhigen Standort. Wählen Sie die Größe passend zur Art – kleine Kästen für Meisen, größere für Stare.
- Heimische Bäume und Sträucher pflanzen
Bäume und Sträucher bieten nicht nur Versteckmöglichkeiten vor Fressfeinden, sondern auch ideale Nistplätze. Achten Sie darauf, heimische Pflanzen zu wählen, die den Vögeln zusätzlich Nahrung in Form von Beeren oder Insekten bieten, wie Schlehe und Liguster. - Aufs richtige Futter achten
Ein vielfältiger, insektenfreundlicher Garten mit Wildblumen und Beerensträuchern bietet Insekten Nahrung und schafft gleichzeitig eine wichtige Nahrungsgrundlage für Vögel. Im Frühling und Sommer können Sie auf ein solches natürliches Futterangebot setzen.
Verzichten Sie in dieser Zeit insbesondere auf fetthaltiges Futter wie Meisenknödel sowie ganze Sonnenblumen- oder Erdnusskerne, da sie für Jungvögel schwer verdaulich sind und sie daran ersticken können. Körner sollten – wenn überhaupt – nur in Gitternetzsilos angeboten werden, aus denen Vögel kleine Stückchen entnehmen können.
- Auf Pestizide verzichten
Gift hat im Garten nichts zu suchen. Pestizide treffen immer auch die Nahrung der Vögel. Weniger Chemie heißt mehr Insekten und bessere Chancen für den Vogelnachwuchs. - Ruhezone im Garten schaffen
Vögel benötigen Ruhe, besonders während der Brutzeit. Vermeiden Sie laute Geräusche und Störungen in den Bereichen, in denen Vögel brüten. Ein ruhiger Ort bietet den Vögeln die nötige Sicherheit, um ihre Jungen aufzuziehen.
Weitere Infos:
- Stunde der Gartenvögel – NABU
Vom 8. bis 10. Mai findet zum 22. Mal die bundesweite „Stunde der Gartenvögel“ des NABU und seines bayerischer Partners Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) statt. Im Fokus der Mitmach-Aktion stehen häufige Arten wie Meisen, Finken, Amseln, Sperlinge und Rotkehlchen, die eine Stunde lang gezählt werden. Wir würden uns freuen, wenn Sie die „Stunde der Gartenvögel“ ankündigen. Informationen finden Sie unter www.stundedergartenvoegel.de. - Ganzjahresfütterung – ja oder nein?
PM NABU Baden-Württemberg