Die Motorradsaison beginnt – für viele der Moment, den Motor zu starten, den Kopf frei zu bekommen und die Straße bewusst zu genießen. Allen Bikern ein sicheres Anrollen und eine unfallfreie Saison. Für Alfred Brandner aus Schwäbisch Gmünd ist dieser Saisonstart jedes Jahr auch ein persönlicher Rückblick: auf seine Zeit als Rettungsfachkraft in der Motorradstaffel des Malteser Hilfsdienstes Aalen. Von Mai bis September war er wie auch viele andere auf der A7 im Einsatz – heute ist er privat unterwegs, am liebsten auf seiner BMW R 1150 R.
Ein Dienst, der mit Routine beginnt
Samstag, 8 Uhr. Der Dienst beginnt mit der üblichen Überprüfung von Fahrzeug, Funkgerät und Notfallkoffern. Die Einsatz-BMW ist vollgetankt, der Verkehr auf der A7 nimmt zu, aber ohne Stau. Brandners Streckenabschnitt reicht von Westhausen über Aalen bis zu den Ellwanger Bergen. Ein kurzer Halt bei der Autobahnmeisterei Heidenheim dient der Lagebesprechung, dann geht es wieder auf die Strecke.
Der erste Alarm folgt kurz darauf: Verkehrsunfall an den Ellwanger Bergen. Brandner erreicht die Einsatzstelle nach wenigen Minuten. Mehrere Fahrzeuge sind aufgefahren, Polizei und ADAC sichern bereits ab. Eine Fahrerin klagt über Brustschmerzen. Verdacht auf Thoraxtrauma. Brandner übernimmt die Erstversorgung und übergibt die Patientin an die eintreffende RTW-Besatzung.
Dramatische Sekunden im Rückstau
Während die Unfallstelle nur einspurig passierbar ist, ereignet sich ein weiterer Vorfall. Ein Motorradfahrer passiert die Unfallstelle langsam und vorsichtig. Ein nachfolgender Autofahrer reagiert zu spät und erfasst den Biker. Der Mann wird samt Maschine durch die Luft geschleudert. Er steht wieder auf, ist ansprechbar, weist jedoch Prellungen und Schürfwunden auf. Brandner stabilisiert ihn, legt Zugänge und eine Halskrause an. Der RTW übernimmt den Transport in die Klinik.
Psychische Belastung nach Unfall
Kaum zurück auf der Maschine, folgt der nächste Einsatz: Unfall an der Anschlussstelle Heidenheim. Trotz Rückstau erreicht Brandner die Einsatzstelle ohne Verzögerung. Verletzte gibt es nicht, jedoch steht eine Fahrerin unter erheblichem psychischem Stress. Brandner betreut sie, bis das THW übernimmt.
Internistischer Notfall am Badesee Rainau
Auf dem Weg zu einer kurzen Pause erfolgt die nächste Alarmierung. Ein internistischer Notfall am Badesee Rainau wird gemeldet. Brandner trifft nach zehn Minuten ein – noch vor RTW und NEF. Ein Mann zeigt Anzeichen einer Kreislaufdysregulation. Brandner stabilisiert den Patienten und meldet die Lage an die Leitstelle zurück.
Bilanz eines Dienstes
Nach sechs Stunden endet der Dienst. Schwerverletzte gab es an diesem Tag nicht. Dennoch zeigt der Ablauf, wie wertvoll Minuten sein können. Die Motorradstaffel wurde von Polizei, Rettungsdienst und Bevölkerung geschätzt. Sie war schnell, wendig und erreichte Einsatzstellen auch dann, wenn der Verkehr stockte. Für viele Patienten bedeutete dies eine entscheidende Verkürzung des therapiefreien Intervalls.
Innovation aus der Praxis
1991 wechselte Brandner in die Notfallrettung des DRK Göppingen. Dort fiel ihm ein Problem auf, das vielen Einsatzkräften bekannt ist: schlecht sichtbare Hausnummern, besonders in der Nacht. Aus dieser Erfahrung entwickelte er ein blinkendes Notfallschild, das Einsatzkräfte schneller zur richtigen Adresse führen soll.
Heute privat unterwegs
Heute fährt Brandner privat Motorrad – ruhiger, aber mit unveränderter Begeisterung. Die Erinnerungen an die Einsätze auf der A7 begleiten ihn bis heute.
Alfred Brandner