Ich gebe es zu: Manchmal habe ich das Gefühl, wir leben in einer Gesellschaft, in der jeder nur noch zwei Betriebszustände kennt – genervt oder sehr genervt. Und mitten in diesem Dauerrauschen soll ich mich daran erinnern, dass es eigentlich um den Menschen geht. Nicht um die Starken, die Reichen oder die, die glauben, Schönheit sei ein Charakterzug. Nein – um den Menschen. Punkt.
Ich begegne ihnen überall: im Supermarkt, im Amt, im Schwimmbad, im Verein, an Motorradtreffs, in der Kneipe, im Café. Und jedes Mal denke ich: Wenn wir alle ein bisschen weniger senden und ein bisschen mehr zuhören würden, wäre die Welt vermutlich schon halb gerettet.
Ich habe in meinem Leben genug Einsätze gefahren und genug Kampfsportmatten gewischt, um zu wissen: Der Mensch zeigt seinen wahren Charakter nicht, wenn alles gut läuft, sondern wenn es zieht, drückt oder jemand die Vorfahrt nimmt. Genau da entscheidet sich, ob wir miteinander reden – oder übereinander schimpfen.
Ich bin überzeugt: Kommunikation ist keine Nebensache, sie ist die Hauptsicherung im Schaltschrank des Zusammenlebens. Wenn die fliegt, wird’s dunkel.
Deshalb halte ich es für notwendig, dass wir uns wieder daran erinnern, was uns eigentlich ausmacht: die Kraft des Denkens, die Energie des Charakters, die Fähigkeit, Kompromisse zu finden, und – ja, das klingt altmodisch – der Respekt. Dieses kleine, unscheinbare Wort, das in letzter Zeit so oft verloren geht wie ein Einkaufschip.
Körper und Geist brauchen Ausgleich, sonst wird man zum sozialen Kurzschluss. Und gute Kommunikation ist der Transformator, der verhindert, dass wir uns gegenseitig die Sicherungen rausballern.
Ich freue mich, dass wir Rettungsfachkräfte, Kampfsportler und alle, die Verantwortung tragen, uns immer wieder daran erinnern: Im Mittelpunkt steht der Mensch. Nicht der perfekte Mensch. Nicht der laute Mensch. Der Mensch.
Wir stehen ständig vor neuen Herausforderungen. Manche groß, manche lächerlich klein. Aber jede davon ist eine Chance, das Zusammenleben ein bisschen menschlicher zu gestalten. Bestehendes bewahren, Neues schaffen – und zwischendurch einfach mal freundlich sein. Es kostet nichts, aber es verändert alles.
Alfred Brandner