Am 8. April 1941 griffen Deutschland, Italien, Ungarn, Rumänien und Bulgarien das noch existierende Jugoslawien an. Albanien war schon lange durch Italien okkupiert und Griechenland wurde gemeinsam von Italien und Deutschland vorher angegriffen. Kurz darauf wurde ein kroatischer Satellitenstaat gegründet. Die Rolle Bulgariens ist mir bis heute schleierhaft. Es war abzusehen, dass bald ein Angriff auf die Sowjetunion erfolgen wird und für Bulgarien war damals schon klar, dass man sich nicht beteiligen wird. Mit beiden Staaten verbündet zu sein, war eigentlich nicht möglich und später geriet man trotzdem unter sowjetische Knechtschaft.
Frankreich war damals schon besiegt, Großbritannien im Abwehrmodus, die Türkei neutral und daher gab es keinen Staat mehr, der Jugoslawien hätte beschützen können bzw. wollen – ein weiterer Schritt zur totalen Unterwerfung Europas, wozu es hätte niemals kommen dürfen. Darum mein Appell, wie so oft: „WEHRET DEN ANFÄNGEN!“
Speziell mit der deutsch-französischen Geschichte habe ich mich in den letzten Tagen massiv auseinandergesetzt, da ich viele Schlachtfelder, Soldatenfriedhöfe, sowie das Memorial und frühere Wohnhaus von Charles de Gaulle besucht habe.
In der Region Sedan gab es zwischen 1870 und 1944 gleich 3 große Kriege, wovon noch heute massenweise Soldatengräber berichten. In Verdun war ich bereits zum dritten Mal in meinem Leben (2006, 2016, 2026) und sollte ich 2036 noch leben, werde ich wieder hinfahren. Die Stadt ist schön und traurig zugleich und man entdeckt jedes Mal wieder etwas neues, so dass mich dieser Ort einfach nicht loslässt. Gleiches gilt für die Schlachtfelder nördlich der Stadt, die man einfach gesehen haben muss, da ich keinen vergleichbaren Platz kenne, an dem der Schrecken des Krieges so sichtbar ist, wie dort. Darum war ich sehr verärgert, als Schüler lärmend durch die Gedenkstätten liefen oder ich auf Camper traf, obwohl es verboten war. An historischen Plätzen wie diesen, hat man sich einfach respektvoll zu verhalten. Würde ich besser französisch sprechen, hätte ich etwas gesagt!
Gestern war ich in Colombey Les Deux Eglises auf den Spuren Charles de Gaulles unterwegs – für mich sehr emotional, am 81. Jahrestag der Ermordung von Georg Elser und Dietrich Bonhoeffer fern der Heimat auf den Spuren eines anderen Helden des anti-nationalsozialistischen Widerstands zu wandeln. Ich konnte Charles de Gaulle nie persönlich kennenlernen, da er lang vor meiner Geburt verstarb und wir lagen weltanschaulich in vielen Dingen weit auseinander. Aber mich verbindet mit ihm der Hass gegen Extremismus und Autokratie, sowie die Liebe zur Demokratie, meinem Heimatland und Europa. Und genau deshalb bezeichne ich den General als mein Vorbild.
Mir wurde bewusst, dass man sich nicht im Kampf opfern muss, sondern Flucht ein legitimes Mittel ist, weil man die Resistance vor Ort aus dem Exil motiviert und unterstützt und man vom sicheren Hafen aus den Kampf gegen die Barbarei effektiver führen kann. Auch wurde mir bewusst, wie der einstige Kämpfer für Frankreich zum überzeugten Europäer und Bewahrer kultureller Identität wurde. Besonders ergriffen war ich als in seinem Anwesen die Räume betrat, in denen er sich 1958 mit Konrad Adenauer traf und den Grundstein zur Aussöhnung der einstigen Erbfeinde legte.
Die Schlachtfelder waren die Vergangenheit und Colombey les deux Eglises zwar auch, aber irgendwie auch der Blick in die Zukunft. Der Blick dorthin, wo Zwietracht überwunden, Demokratie gefördert und Europa geeint wird. Auf der anderen Seite frage ich mich aber auch, wo Charles de Gaulle heute ist. Damit meine ich nicht, dass er aus dem Grab auferstehen solle, sondern ich frage mich, wo ein moderner Charles de Gaulle ist, der die Menschen hinter sich versammelt und den Demagogen dem Kampf ansagt. Wenn ich jetzt sage, ich möchte dieser neue Charles de Gaulle werden, wäre das natürlich total vermessen. Dazu fehlt es mir an Format und auch aus gesundheitlichen Gründen könnte ich das nicht leisten. Aber ich kann zumindest im Rahmen meiner Möglichkeiten versuchen, den Geist des Generals weiterleben zu lassen. Und vielleicht hat irgendjemand von denen, die das lesen, das Potenzial zum neuen Charles de Gaulle zu werden, hat es aber noch nicht bemerkt…
Enden möchte ich diesmal nicht mit der Europahymne, sondern mit der Marseillaise:
Hier die Übersetzung:
Bewusst betone ich heute den martialischen Charakter dieser Hymne. Aber wie 1789 ist auch heute einiges im Argen – in Frankreich noch mehr als in Deutschland. Und das Volk muss sich erheben ohne dabei Extremisten und Autokraten zu folgen, die uns in den Abgrund führen. Demokraten müssen zusammenhalten und um Lösungen ringen, damit die Probleme unserer Zeit gelöst werden können. Sonst werden dunkle Mächte siegen, die uns in die Schlachtfelder von Verdun oder noch schlimmer, die Europa spätestens 1941 in die totale Vernichtung führten und die Charles de Gaulle bis aufs Blut bekämpfte.
Marcel Kunz