Mit dem Frühling kommt bei mir jedes Jahr derselbe Gedanke: Jetzt wird’s Zeit, wieder aktiver zu werden. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern – und plötzlich merke ich, dass nicht die Winterjacke geschrumpft ist, sondern ich selbst seitlich gewachsen bin. Sport hilft. Sagt man. Und erstaunlicherweise stimmt es sogar.
Warum Bewegung für mich mehr ist als ein guter Vorsatz
Als qualifizierte Fachkraft weiß ich aus jahrzehntelanger Erfahrung: Bewegung ist kein modischer Trend, sondern ein echter Gesundheitsfaktor. Ich brauche dafür weder High‑Tech‑Geräte noch ein Fitnessstudio‑Abo, das teurer ist als ein Wochenendtrip nach Mallorca. Ein bisschen Platz, ein bisschen Wille – und schon geht’s los. Oder wie man bei uns im Filstal sagt: „Mach halt.“
Atmen – die unterschätzte Disziplin
Bevor ich mich bewege, atme ich. Klingt banal, ist aber für viele schon die erste sportliche Herausforderung des Tages.
Ruhig sitzen, Augen schließen, tief einatmen, lang ausatmen. Nach zehn Minuten fühle ich mich wie ein Zen‑Mönch – nur ohne Tempel, aber mit 100 Prozent Sauerstoffsättigung. Das ist mehr, als manche Talkshowgäste jemals erreichen.
Aufwärmen: Der Moment der Wahrheit
Ein gutes Aufwärmen dauert fünfzehn bis dreißig Minuten. Das reicht völlig, um festzustellen, dass meine Knie Geräusche machen, die früher nur vom Dachboden kamen.
Dynamisch, statisch oder kombiniert – Hauptsache, ich bewege mich. Wippen vermeide ich. Das ist nicht gesund und sieht auch nicht gut aus.
Haupttraining: Kraft vor Ausdauer – wie im echten Leben
Im Training halte ich mich an eine einfache Regel: Erst die großen Muskelgruppen, dann die kleinen. Das ist wie beim Aufräumen: Erst der Keller, dann die Schublade mit den alten Batterien.
Anspruchsvolle Übungen zuerst, einfache danach. Ein Prinzip, das man auch im Alltag häufiger anwenden könnte.
Ruhestand? Ja. Ruhig? Nein.
Seit 2015 bin ich offiziell Rentner. Inoffiziell bin ich aktiver als viele Menschen, die noch arbeiten.
Ich vergleiche meinen Körper gern mit einem alten Leuchtturm: Stabil, zuverlässig – aber nur, wenn man ihn pflegt. Sonst wird er irgendwann zum romantischen Fotomotiv, das keiner mehr betreten darf.
Kompetenz entsteht nicht von allein
Kompetenz setzt sich aus Wissen, Können und Wollen zusammen. Wobei das Wollen der Teil ist, an dem es bei vielen scheitert.
Ich besuche regelmäßig Fortbildungen. Andere besuchen regelmäßig den Kühlschrank. Beides ist Routine – aber nur eine davon verbessert die Gesundheit.
Sportvereine: Wo der Mensch noch zählt
In den Vereinen unserer Region trainieren Jung und Alt gemeinsam. Das funktioniert erstaunlich gut, solange niemand versucht, jemandem zu erklären, wie man Sprachnachrichten löscht.
Hier geht es nicht um Rekorde, sondern um Gemeinschaft. Fairness, Teamgeist, Selbstwertgefühl – alles inklusive. Und das ganz ohne App‑Abo.
Sport in Krisenzeiten: Stabiler als jede Nachrichtenlage
Kriege, Krisen, steigende Preise – die Welt ist kompliziert. Sport dagegen ist einfach: Man macht ihn oder man macht ihn nicht.
Wer sich bewegt, bleibt stabiler – körperlich und mental. Und wer stabil ist, hält auch die Nachrichtenlage aus.
Mein Fazit
Bewegung lohnt sich. Sogar für Menschen, die das nicht hören wollen.
Sport vermittelt Werte, die man im Alltag gut gebrauchen kann: Durchhaltevermögen, Fairness, Respekt – und die Fähigkeit, nach dem dritten Versuch nicht beleidigt aufzuhören.
Herausforderungen annehmen, Bewährtes bewahren, Neues ausprobieren – das gilt im Sport wie im Leben. Und das Beste: Man braucht dafür weder ein Fitnessstudio noch eine Ausrede. Nur den ersten Schritt.
Alfred Brandner