Schutz einer seltenen Salamander-Population: Zwischen Uhingen und Wangen entsteht im Blaubachtal ein Winterquartier, das Feuersalamander vor dem Überfahren schützen soll.

Hunderte Feuersalamander und Kröten sind in Rheinland-Pfalz kürzlich auf dem Weg von ihrem Winterquartier zu ihren Laichplätzen tot gefahren worden – trotz Straßensperrung. Was am Rande des Pfälzerwaldes geschehen ist, könnte sich auch zwischen Uhingen und Wangen abspielen. Könnte. Denn dank eines vorbildlichen Gemeinschaftsprojektes, sollen die Amphibien künftig die Straße nicht mehr queren müssen.

Wangen und Uhingen verbindet im Blaubachtal ein asphaltierter Weg, der von Spaziergängern, Radfahrern und auch hin und wieder von Landwirten genutzt wird. Und gerade im Frühjahr verlassen die Salamander ihr Winterquartier, um hangabwärts diesen Weg zu queren und zum nahegelegenen Blaubach zu gelangen, um sich dort fortzupflanzen. Während des Sommers leben die Tiere dort im Wald und suchen meist im Oktober frostfreie Winterquartiere im Erdreich auf.  Zwar gibt es im Landkreis zwei räumliche Schwerpunkte der Salamander: im Süden und Osten am Albtrauf und im Norden im Bereich des östlichen Schurwalds. „Bemerkenswert ist ein individuenreiches Vorkommen im Blaubachtal“, sagt Wolfgang Lissak, ehrenamtlicher Regionalbetreuer Göppingen des Vereins Amphibien- und Reptilien-Biotop-Schutz Baden-Württemberg und von Beruf Diplom-Ingenieur der Landschaftsplanung. „Es handelt sich nach derzeitigem Kenntnistand vermutlich um das größte Vorkommen des Feuersalamanders im unteren Filstal“, betont der Experte. Das isolierte Vorkommen weise daher eine hohe Verletzbarkeit insbesondere gegenüber Individuenverlusten auf. Im Klartext: Werden die Amphibien wie in Rheinland-Pfalz reihenweise totgefahren, kann sich diese Population womöglich nicht mehr erholen.

Um das zu verhindern, haben sich mehrere Akteure zusammengeschlossen: Neben dem Amphibien- und Reptilien-Schutzgemeinschaft sind dies die beiden NABU-Ortsgruppen Göppingen und  Umgebung sowie  Östlicher Schurwald, das Forstamt des Landkreises Göppingen, die Gemeinde Wangen und die Stadt Uhingen. „Der Schutz der Salamander ist uns enorm wichtig“, betont Uhingens Ordnungsamtsleiter Michael Eberhard, der auch für solche ökologischen Vorhaben verantwortlich zeichnet. Eine temporäre Sperrung der Straße wie in Rheinland-Pfalz ist aber nicht in Frage gekommen, da der Weg regelmäßig von Landwirten genutzt wird. Mit Blick auf die gescheiterte Straßensperre ergänzt Michael Eberhard: „Uns ist eine langfristige Lösung lieber, als kurzfristiger Aktionismus, der nicht viel bringt.“

Und diese langfristige Lösung sieht so aus, dass in der Nähe des Blaubaches ein neues Winterquartier entsteht. Hunderte sogenannte Wasserbausteine, die zwischen 20 und 60 Zentimeter groß sind und derzeit auf einer Wiese liegen, sollen eine Senke auf einer Breite von 5 bis 6 Metern auffüllen. In den Spalten und Nischen zwischen den Steinen sollen sich die Salamander im Winter zurückziehen und darin überwintern können. Dazu müssen die Tiere nicht mehr den gefährlichen Weg über Straße nehmen und dort günstige Überwinterungsquartiere vorfinden. Das Ziel ist, dass sich mittelfristig dort eine neue Überwinterungstradition aufbaut.

Darüber wird eine etwa 10 Zentimeter starke Abdeckung aus Schroppen (Gesteinsfragmente) mit einer Körnung von 63 bis 100 Millimetern eingebracht. Darauf wird eine Vegetationstragschicht aus 200 bis 300 Millimetern Oberboden aufgebracht, sodass sich wieder eine natürliche Vegetation entwickeln kann. Zusätzlich sollen tote Wurzelstöcke von Bäumen in die Struktur integriert werden, um weitere Versteck- und Lebensräume zu schaffen.

Doch die Salamander werden im Herbst 2026 nicht ad hoc ihr neues Winterquartier annehmen, weiß Wolfgang Lissak: „Die Bindung zum bestehenden Quartier ist so stark, dass es einige Salamander-Generationen dauern kann.“ Bei einer Lebenserwartung von 15 bis 25 Jahren ist das also ein langfristiger Amphibienschutz. Um den Salamandern den Weg in ihre neue Winterresidenz zu erleichtern, sollen Leitsysteme wie bei Krötenwanderungen im Herbst aufgestellt werden. „Wir werden Reptilienschutzzäune Ende März für diesen Zweck auf einer Baustelle in Eislingen abholen und einlagern“, erklärt Dr. Dirk Lederbogen, Vorsitzender des NABU Göppingen und Umgebung, der das Projekt in der Planung und Umsetzung mitbetreut.

Auch im Uhinger Gemeinderat war der Schutz der Salamander immer wieder ein Anliegen der Fraktionen. Da sich die betreffende Fläche aber auf Gemarkung der Gemeinde Wangen – und im Eigentum der Stadt Uhingen – befindet, mussten zunächst die Zuständigkeiten geklärt werden. Das Projekt wird durch Zuschüsse aus dem EnBW-Förderprogramm „Impulse für die Vielfalt“, von den Gemeinden Uhingen und Wangen, vom NABU Göppingen und Umgebung sowie vom NABU Östlicher Schurwald finanziert.

„Wir sind uns unserer Verantwortung der Natur gegenüber bewusst“, sagt Uhingens Bürgermeister Matthias Wittlinger. „Deshalb freue ich mich, dass wir gemeinsam mit den beteiligten Akteuren eine sinnvolle Schutzmaßnahme umsetzen können.“ Natur- und Umweltschutz sei ein wesentlicher Bestandteil im kommunalen Wirkungskreis, müsse aber auch gelebt werden. „Und das tun wir“, betont Matthias Wittlinger. Und auch Mary-Ann Schröder, Bürgermeisterin im benachbarten Wangen, lobt die Zusammenarbeit über die Gemarkungsgrenzen: „Das geplante Winterquartier ist ein wunderbares Beispiel für gemeinsames Handeln zum Erhalt der Artenvielfalt.“

Info: Ist das Salamander-Winterquartier fertiggestellt, kann der Bereich außerdem als Trockenlager für gefällte Bäume aus dem Uhinger Stadtwald dienen, die vom Borkenkäfer befallen sind. Solche befallenen und gefällten Fichten sollen weit von gesunden Fichten lagern, damit die Borkenkäfer diese nicht auch noch befallen. Wenn die Borkenkäfer die im Blaubachtal gelagerten Stämme verlassen, finden sie keine neuen Bäume, die sie befallen können.

Foto (Wolfgang Lissak): Im Blaubachtal queren Salamander einen asphaltierten Weg, um von ihrem Winterquartier zum Laichgewässer zu gelangen. Ein Schutzprojekt soll dafür sorgen, dass die Tiere nicht mehr den Weg queren und somit nicht mehr überfahren werden.                                                             

PM Stadtverwaltung Uhingen

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