Sonntagsgedanken: Blinde heilen

Die liturgische Farbe in den Gottesdiensten der Fastenzeit ist das vorwiegend düstere Violett. Sie wird unterbrochen durch die Farbe des Sonntags Lätare, – „Freut euch“ – dem Rosa. Er markiert die Mitte der Fastenzeit. In die Düsternis der Fastenzeit leuchtet von Ostern her das Licht der Auferstehung.

Im Evangelium hören wir von der Heilung eines Blinden und Dialoge, die sich rund um seine Heilung ergaben. Darin begegnet uns ein Mensch, der zu sehen beginnt, obwohl er von Geburt an blind war. Daneben treten Menschen auf, die sehen und doch nicht sehen, weil sie mit ihrem starren Denken nicht wahrnehmen und glauben können, was sie sehen. Sie wollen nicht wahrhaben, was offensichtlich ist. „Es kann nicht wahr sein, was nicht wahr sein darf“, ist ihr Leitmotiv. Aus ihren theologischen Grundsätzen leiten die Pharisäer ab, dass diese Heilung nicht rechtens ist und nicht von Gott sein kann. Der Heilende habe sich nicht an die Sabbatgebote gehalten. Ihm war die Chance, dem Blinden das Augenlicht zu geben, wichtiger als die „Schein-Heiligung“ des Sabbat. Jesus schenkt ihm mehr als das Augenlicht. Er schenkt diesem Menschen das Licht des Glaubens. Dieses Licht des Glaubens gibt uns Hoffnung und Zuversicht in dem, was sonst dunkel ist, was sinnlos und hoffnungslos erscheint. Unser Glaube konfrontiert uns mit einer unsichtbaren Wirklichkeit. Wir können Gott nicht sehen, nicht den Hl. Geist und nicht den auferstandenen Jesus Christus. Wohl aber können wir das Wirken Gottes in dieser Welt sehen; die Werke des Schöpfers und das Wirken des Geistes, den uns Jesus gegeben hat. Dies setzt jedoch das Sehvermögen des Glaubens voraus. Jesus ist in die Welt gekommen, um die Augen der Menschen für die Wirklichkeit Gottes zu öffnen. Wenn wir vom „Sehen“ sprechen, dann kann sich das durchaus beziehen auf unsere organischen Augen. Doch es gibt ein anderes Sehen, es gibt eine andere Blindheit. An verschiedenen Gegenständen nehmen wir Unterschiedliches wahr. Das geschieht auch bei Menschen. Vor allem geschieht das auch bei Jesus. Der Glaube an Jesus schenkt uns eine neue, eine andere Sicht auf die Welt und auf unser Leben. Wir leben in derselben Welt wie andersgläubige, wie nichtgläubige Menschen. Wir haben dieselben Probleme, erleben Kriege, Streitereien. Wir erleben dieselben Unsicherheiten und Ängste. Wir haben genug Grund, die Welt, die Zukunft schwarz zu sehen. Doch wir können als Christen diese Welt weiterhin als eine gute Schöpfung Gottes ansehen. Wir können sie als einen Ort betrachten, den wir gestalten können. Wir können darauf hoffen, dass Gott seine Welt zum Guten führen wird. Durch den Glauben können wir eine ganz andere Sicht, die Sicht Gottes bekommen. Ich wünsche Ihnen viele heilsame Begegnungen, die zu Friede und Freude führen.

Diakon Uwe Bähr, Bruder Klaus Jebenhausen

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