Im Kirchenjahr befinden wir uns die nächsten Sonntage in einer Zwischenzeit: der Weihnachtsfestkreis ist mit Lichtmess beendet und die Passions- und Fastenzeit hat noch nicht begonnen.
Gerade sind wir so „zwischendrin“, der Blick geht aber schon gezielt Richtung Ostern. Das merkt man auch am kirchlichen Namen des heutigen Sonntags: er heißt Sexagesimä. Das bedeutet einfach „der Sechzigste“. Er markiert damit, dass es noch 60 Tage bis Ostern sind.
Obwohl er vom Namen her ein bisschen wie ein Platzhalter wirkt, bringt er uns, wie so viele Sonntage eine eigene Aufgabe mit: „Wer Ohren hat zu hören, der höre!“
Wir werden erinnert: wir sollen hören – nicht auf irgendetwas, sondern auf Gottes Wort.
Klar, als Christ*innen ist uns das Hören und Bewahren des Wort Gottes nahegelegt. Wir tun das ja auch, Sonntag für Sonntag in Gottesdiensten in den Lesungen, Psalmen und Predigten, bei der eigenen Bibel- oder Losungslektüre…
Und trotzdem fühlt sich dieser Auftrag enorm groß an.
Auf Gottes Wort hören?
Hören, gut hinhören hat etwas mit Aufmerksamkeit zu tun. Wohin richte ich meine Aufmerksamkeit? Wem schenke ich sie?
Es fällt oft schon schwer genug den Menschen um sich herum zuzuhören, mit ganzer ungeteilter Aufmerksamkeit da zu sein: Höre ich meiner Freundin beim Telefonieren aufmerksam zu oder räume ich nebenher auf und bin nur mit einem Ohr dabei, um an der richtigen Stelle „ja“ oder „mhh“ zu sagen? Schenke ich meinem Kind meine ungeteilte Aufmerksamkeit beim Buch anschauen oder bin ich mit dem Kopf schon wieder bei der Arbeit? Höre ich mir selbst eigentlich zu? Nehme ich mich und meine Bedürfnisse ernst oder schiebe ich sie immer weiter vor mir her?
Vielleicht beginnt das Hören auf Gottes Wort genau hier – mitten im Alltag. Dort, wo ich lerne, wirklich zuzuhören: dem Menschen gegenüber, mir selbst, den leisen Tönen, die man leicht verpasst. Vielleicht übt man so auch auf Gottes Wort zu hören. Das drängt sich in aller Regel nicht auf. Es lädt zum Suchen ein, zeigt sich manchmal nur als stille Einladung.
„Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ – das soll weniger ein überfordernder Appell sein als eine Ermutigung. Du musst nicht alles auf einmal verstehen oder richtig machen. Es reicht, offen zu sein. Still zu werden. Aufmerksamkeit zu üben. Vielleicht nur für einen Moment am Tag.
In dieser Zwischenzeit im Kirchenjahr, werden wir ermutigt das Hören einzuüben. Und vielleicht entdecken wir dann, dass Gottes Wort uns entgegenkommt: nicht rein als Text in einem heiligen Buch, sondern als Hinweis auf Gottes Liebe zu uns: im Gespräch, im Schweigen, in einem Gedanken, der bleibt.
Christina Schleicher, Pfarrerin in Göppingen