Sonntagsgedanken – steht Ihr Christbaum noch?

Liebe Leserinnen und Leser,

steht Ihr Christbaum noch? – Für viele, die eigentlich den ganzen Advent schon – ja, was eigentlich? -gefeiert und gefestet haben, für viele ist Weihnachten nach Heiligabend dann schnell vorbei. Die Weisheit des Kirchenjahres will das anders. Sie setzt vor die großen Feste Ostern und Weihnachten zunächst einmal eine 40-tägige Vorbereitungszeit. Im Advent waren das über viele Jahrhunderte entsprechend zur Passionszeit sieben Wochen. Von Martini am 11.11. an sieben Wochen Advent! Zieht man die Samstag und Sonntag ab, sind das 40 Tage. 40 Fastentage! Mit Fasten und Gottesdienst in der Seele vorbereitet konnte dann das Weihnachtfest kommen.

Nach Weihnachten kam und kommt die Integrationszeit: bis an Mariä Lichtmess am 2. Februar der Weihnachtsfestkreis endet, sind es 40 Tage. Sie sind von den Themen und dem Licht des Weihnachtsfestes erfüllt. Weihnachten geht ganz schön lang, nicht wahr? Eine gute Zeit, die ausleuchtet, wer denn nun dieses Christkind im Stall zu Bethlehem ist und was es bedeutet, dass Gott in Jesus Christus für uns einen neuen Anfang setzt.

Vorbereitungszeit. Festzeit und Integrationszeit.

Diese drei Schritte sind der Weg, den das Kirchenjahr uns weist.

Und meist waren es ungefähr 40 Tage für die Vorbereitung und 40 Tage für den Nachklang. Sowohl der Advent als auch die

Weihnachtszeit wurden nach der Reformation gegenüber dem idealen 40-Tage-Zeitraum eingekürzt. Da fing es schon an, dass alles immer schneller gehen sollte.

Doch die alte Weisheit leuchtet mir ein: Ostern und Weihnachten – die großen Heilsereignisse unsers Glaubens – wollen nicht nur vorbereitet und gefeiert werden, sondern auch nachklingen: das Licht von Weihnachten soll in unserer Seele Wurzeln schlagen. Das Christuslicht soll unsern Alltag erleuchten und prägen, so dass es durch uns hindurchleuchtet, in unseren Liedern aufklingen und mehr und mehr zum Segen wird.

Warum nur muss bei uns auch im Spirituellen alles immer schneller werden. Wo ist unsere Zeit geblieben? Wo unser langer Zeit-Atem,

unsere Weisheit inneren Wachsens?

In manchen evangelischen Häusern steht der Christbaum bis zum 2.2..

In manchen Gottesdiensten erklingen bis dahin auch die Weihnachtslieder.

Da bin ich sicher: unserer Seele tut es gut, wenn wir ihr Zeit, Weihnachtszeit lassen.

 

Frieder Dehlinger, Pfarrer für Kirchenmusik und Gesangbucharbeit

 

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