Morgen ist der 18. Januar. Für viele ein ganz alltäglicher Tag. Für mich allerdings ein Tag mit Geschichte und Bedeutung, vor allem dieses Jahr, da sich das damalige Ereignis zum 20. Mal jährt.
Unser Jahr hat 365 Tage, unterteilt im 7-Tage-Rhythmus in Wochen, mit klassischen Werktagen und Sonntagen, mit staatlichen Feiertagen und vielen Tagen, die durch unseren christlichen Jahreskreis geprägt, als besondere Festzeiten benannt sind und unseren Ferienkalender prägen. Und dann gibt’s noch unsere persönlichen Feier- und Festtage: der Geburtstag, der Hochzeitstag, die Geburt des Kindes, weitere Geburtstage in der Familie und und und…
Seit einigen Jahren entwickeln sich in meinem Kalender und Jahreslauf auch einige andere Tage, die für mich ganz persönlich eine Bedeutung haben – für viele andere vielleicht nicht, aber für mich schon. Das sind einerseits traurige Anlässe wie die Todestage von Familienangehörigen und Freunden, aber viel bedeutsamer werden für mich immer mehr die Tage, die mit mir ganz persönlich etwas zu tun haben:
Das ist der Tag, an dem ich den Mut hatte und mich entschieden habe, jemanden anzusprechen und für das einzustehen, was mir persönlich wichtig ist.
Das ist der Tag, an dem ich erfahren habe, dass ich schwanger bin.
Das ist der Tag, an dem ich meine erste eigene Wohnung bezogen habe oder mein erstes Auto gekauft habe.
Das ist der Tag, an dem eine gute Freundin mir etwas auf den Kopf zusagt und wie ein Blitz eine Entscheidung klar ist und ich weiß, dass ich mich beruflich verändern muss.
So wie es für mich „alltägliche Tage mit Wert“ gibt, so gibt es auch Orte, an denen sich Bleibendes und/oder Entscheidendes zugetragen und ereignet hat. Davon können wir auch in einigen biblischen Geschichten lesen. Zum Beispiel als Jakob nach seinem Traum aufwachte und sagte: „Wirklich, der HERR ist an diesem Ort und ich wusste es nicht“ (Gen 28,16) und anstelle einfach weiterzugehen, nahm er den Stein, auf dem sein Kopf lag, salbte ihn mit Öl und gab ihm den Namen „Bet-El“ Haus-Gottes. Oder als Jakob einen anderen Ort „Penuel“ nennt, weil er dort Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen hat (Gen 32,31). Selbe Erfahrung ist mir auch bei den unzähligen Kirchen und Kapellen bei einer Reise im Heiligen Land begegnet. Wo Jesus einmal war, dort wurde eine Kirche / Kapelle errichtet, um festzuhalten: „Weißt Du? Hier war einmal…!“ Nicht als alte Geschichte, sondern als Ort der Erinnerung, des Gebets und des Geschehens: Hier an diesem Ort hat sich Gottesbegegnung ereignet.
Menschen brauchen Orte und Zeiten der Erinnerung und der Erfahrung „Hier hat sich etwas ereignet!“ Ich will versuchen, diese Erfahrung auch für mich und meine besonderen alltäglichen Tage zu übertragen! Und mag es sich im ersten Moment auch komisch anfühlen, möchte ich Sie ermutigen solchen Situationen im kommenden Jahr zusagen: „Hier hat sich etwas Besonderes ereignet und Gott war zugegen und spürbar.“ Was verändert sich für Sie?
Gemeindereferentin Katharina Schweizer