Neue Impulse stützen Wirtschaftswachstum

Brenner: »Baden‑Württembergs BIP dürfte im zweiten Quartal preisbereinigt um rund 2 Prozent wachsen«

Bruttoinlandsprodukt 1-15»Baden‑Württembergs Wirtschaft ist mit gebremstem Schub ins neue Jahr 2015 gestartet. Ausgehend von einer Wachstumsrate für das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 2,4 Prozent in 2014 dürfte das erste Quartal ein deutlich schwächeres Wachstum von immerhin 1,5 Prozent aufweisen. Zur Jahresmitte gewinnt die Konjunktur allerdings an Dynamik und es ist ein reales BIP-Wachstum von rund 2 Prozent im zweiten Quartal zu erwarten«, so fasste die Präsidentin des Statistischen Landesamtes Dr. Carmina Brenner die Aussagen der aktuellen Ausgabe von »Konjunktur Südwest« zusammen. Die Triebfeder für das Wachstum übernimmt erneut die Auslandsnachfrage, allerdings scheint der Aufschwung auch in den binnenwirtschaftlichen Sektoren angekommen zu sein. Der Gesamtkonjunkturindikator des Statistischen Landesamtes signalisiert eine stabile wirtschaftliche Entwicklung für die zweite Jahreshälfte, wobei diese noch deutlich an Dynamik gewinnen sollte.

Binnennachfrage im Plus

Die Inlandsumsätze des baden-württembergischen Verarbeitenden Gewerbes lagen im Durchschnitt der Wintermonate Dezember bis Februar 2015 real und arbeitstäglich bereinigt 0,5 Prozent über ihrem Vorjahreswert. Saison- und arbeitstäglich bereinigt stiegen die Erlöse um 1,2 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der Herbstmonate September bis November. Damit dürfte die konjunkturelle Dynamik wieder etwas an Fahrt gewinnen. In erster Linie ist dies auf die Investitionsgüternachfrage zurückzuführen. Im Fahrzeugbau lagen die Inlandserlöse um 0,3 Prozent über ihrem Vorjahresniveau. Saison- und arbeitstäglich bereinigt stiegen die Umsätze dieser Branche bereits um 0,7 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der Herbstmonate (Maschinenbau: +1,8 Prozent). Die Bauwirtschaft sendet dagegen uneinheitliche Signale aus: Die geleisteten Arbeitsstunden im Bauhauptgewerbe lagen in den Wintermonaten um 6,5 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Dabei muss jedoch der witterungsbedingt starke Vergleichszeitraum berücksichtigt werden. Auch saisonbereinigt bleibt zwar ein Minus zur Vorperiode, die Auftragseingänge dieser Branche zeigen jedoch, dass sich das Bild wieder zum Positiven wendet: Die geglättete saisonbereinigte Reihe weist vom Herbst auf den Winter ein Plus von 15,8 Prozent auf. Aus der Entwicklung der inländischen Auftragseingänge lässt sich ablesen, dass die positive Entwicklung in der Industrie weiter tragen dürfte. Die Geschäftslage der Unternehmen des baden-württembergischen Verarbeitenden Gewerbes, gemessen an den Auftragseingängen aus dem Inland, ist recht gut. Das Auftragsvolumen stieg in den Wintermonaten um 2,4 Prozent an. Gegenüber den Herbstmonaten September bis November war der saisonbereinigte Wert im Plus und auch die geglättete Trend-Konjunktur-Komponente zeigt ein positives Bild (+1,5 Prozent bzw. 0,9 Prozent). Auch Stimmungsindikatoren, wie die L-Bank-ifo-Indizes, die das Geschäftsklima der gewerblichen Wirtschaft und das Konsumklima im Südwesten abbilden, stiegen tendenziell seit November 2014 an.

Auslandsgeschäft mit Dynamik

Die Auslandsnachfrage, gemessen an Umsatz und Auftragseingang, hat zu alter Stärke zurückgefunden. Das Auslandsgeschäft der baden-württembergischen Industrie war um den Jahreswechsel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sehr lebhaft. Im Durchschnitt der Wintermonate Dezember bis Februar stiegen die Auslandsumsätze arbeitstäglich und preisbereinigt um 6,2 Prozent an. Schon in den Herbstmonaten lag der Anstieg der Erlöse gegenüber dem Vorjahreszeitraum bei 5,1 Prozent.

Getragen wurde das Auslandsgeschäft vor allem von der Investitionsgüternachfrage mit einem Vorjahres-Umsatzplus von 7,4 Prozent und damit nochmals 0,9 Prozentpunkte mehr als noch im Durchschnitt der Herbstmonate. Besonders begehrt waren Fahrzeuge aus baden-württembergischer Produktion. Im Fahrzeugbau stiegen die Erlöse gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 10,7 Prozent. Schon in den Herbstmonaten belief sich der Anstieg der Erlöse etwa in dieser Größenordnung. Auch die Vorleistungsgüterproduzenten melden ein Umsatzplus von 5,3 Prozent. Die preis- und saisonbereinigten Veränderungsraten gegenüber den Herbstmonaten bestätigen, dass die Auslandsnachfrage im Verarbeitenden Gewerbe weiter an Dynamik gewonnen hat, und auch die Trend-Konjunktur-Komponente zeigt weiterhin einen soliden Aufwärtstrend an. Für das Verarbeitende Gewerbe war ein Umsatzplus von 1,0 Prozent gegenüber den Herbstmonaten zu verzeichnen. Im Fahrzeugbau war ebenfalls eine Steigerung von 1,0 Prozent und im Maschinenbau um 1,6 Prozent zu verzeichnen. Die Auslandsbestellungen lagen im Winter gegenüber dem Vorjahr deutlich im Plus, und zwar im Vorjahresvergleich für das Verarbeitende Gewerbe insgesamt real und arbeitstäglich bereinigt um 6,2 Prozent. Im Durchschnitt der Herbstmonate September bis November übertraf der Wert der Auslandsaufträge den Vorjahreswert noch um 7,4 Prozent. Auch gegenüber den Herbstmonaten zeigt sich ein saisonbereinigter Anstieg. Diese Kennzahl, verbunden mit einem weiter aufwärts gerichteten Trend, weist darauf hin, dass das Auslandsgeschäft der Industrie im Jahresverlauf weiter zunehmen dürfte.

 

Wirtschaftswachstum in Baden-Württemberg seit 2009
Jahr
Quartal
Konjunkturindikator BIP-Kettenindex (real)
Originalwerte (2005=100) Trend-Konj.-Komp. HP-Trend
Jahr
Quartal1)
gleitende Jahreswachstumsrate in %
1) Ab I. Quartal 2015 Schätzung.
X 100,6 X X X
I 0,31 97,7 −3,0 102,7 107,5
II −0,54 97,8 −6,9 100,6 107,8
III −1,55 101,8 −9,3 100,3 108,1
IV −1,39 105,0 −9,0 101,9 108,4
2010 X 108,2 X X X
I −0,34 101,6 −5,5 104,3 108,7
II 1,06 106,9 −0,1 107,0 109,1
III 1,87 110,8 4,6 109,2 109,5
IV 2,19 113,4 7,5 111,0 109,9
2011 X 113,3 X X X
I 2,19 111,4 8,9 112,3 110,4
II 1,97 112,2 7,8 113,0 110,8
III 1,88 114,5 6,4 113,4 111,3
IV 1,59 115,2 4,8 113,6 111,8
2012 X 113,6 X X X
I 1,24 113,0 2,8 113,8 112,2
II 0,74 112,3 1,6 113,8 112,7
III 0,62 114,8 0,9 113,7 113,1
IV 0,86 114,5 0,3 113,5 113,6
2013 X 114,0 X X X
I 0,58 110,5 −0,6 113,5 114,0
II 0,51 112,8 −0,5 113,9 114,4
III 0,76 116,2 −0,3 114,6 114,9
IV 0,86 116,3 0,3 115,4 115,3
2014 X 116,9 X X X
I 0,98 114,6 1,7 116,2 115,8
II 1,16 115,0 2,1 116,7 116,2
III 1,20 118,5 2,3 117,2 116,7
IV 1,08 119,5 2,6 117,7 117,1
2015 X X X X X
I 0,93 116,3 2,0 118,3 117,6
II 0,90 117,3 2,0 118,9 118,0
III 1,02
IV 1,17

 

Konjunkturindikatoren seit 2013 für Baden-Württemberg im Überblick
Indikator Dez Jan Feb Okt Nov Dez Jan Feb Mrz Aktuellste 3 Monate gegen jeweilige Vorjahres­monate
2013 2014 2015 Veränd. (%)
1) Neugründungen mit Substanz (Haupt- und Zweigniederlassungen).

2) Bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen.

3) Veränderung des aktuellsten Monats gegen Vorjahresmonat (Prozentpunkte).

4) Veränderung des aktuellsten Monats gegen Vorjahresmonat (%).

Externe Quellen: Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für ArbeitDeutsche BundesbankEuropäische Zentralbank.

Zeichenerklärung: … Angabe fällt später an.

Auftragseingänge (real, 2010=100)
Verarbeitendes Gewerbe insgesamt 97,2 107,8 111,7 116,4 112,1 106,1 111,9 113,3 4,6
aus dem Inland 89,7 100,1 103,7 111,8 104,3 97,8 99,4 103,0 2,3
aus dem Ausland 102,5 113,2 117,4 119,7 117,6 112,0 120,8 120,6 6,1
Bauhauptgewerbe (nominal, 2005=100) 93,3 105,8 116,6 132,9 92,5 94,3 110,1 151,3 12,7
Produktion im Verarbeitenden Gewerbe (2010=100) 103,3 98,1 105,6 117,9 115,5 108,2 94,5 105,7 0,5
Umsätze (real, 2010=100)
Verarbeitendes Gewerbe insgesamt 105,3 99,5 107,3 121,9 123,0 113,5 99,0 111,6 3,8
Inlandsumsatz 97,4 94,2 99,6 111,6 110,4 101,4 92,9 98,8 0,7
Auslandsumsatz 112,5 104,4 114,5 131,3 134,6 124,6 104,6 123,3 6,4
Bauhauptgewerbe (nominal) 139,9 77,3 100,2 148,0 156,1 141,4 72,3 89,9 −4,3
Einzelhandel 113,6 95,5 91,0 107,8 103,2 119,8 100,5 94,8 5,0
Großhandel 98,8 98,4 94,7 113,9 105,3 102,5 95,3 0,5
Kfz-Handel 96,3 87,5 94,3 121,7 112,0 101,1 90,9 2,3
Gastronomie 106,7 89,1 89,2 111,0 102,9 107,9 91,5 91,7 2,1
Geleistete Arbeitsstd. (2010=100)
Verarbeitendes Gewerbe 89,3 107,9 110,2 116,9 111,8 94,5 102,5 107,1 −1,1
Bauhauptgewerbe 89,4 90,1 99,6 135,7 125,0 95,0 81,1 85,4 −6,3
Exporte (Mrd. EUR) 13,1 14,3 15,0 16,6 15,6 14,4 14,0 3,5
Unternehmensinsolvenzen (Anzahl) 155 147 157 155 134 170 114 −10,1
Betriebsgründungen1)(Anzahl) 1.076 1.470 1.344 1.264 1.192 1.163 1.519 3,8
Beschäftigte
Verarbeitendes Gewerbe (1.000) 1.087 1.081 1.084 1.102 1.102 1.099 1.097 1.099 1,4
Bauhauptgewerbe (1.000) 90,1 89,3 89,2 92,5 92,0 90,5 89,5 90,0 0,5
Einzelhandel (2010=100) 102,9 101,7 101,2 103,6 104,3 104,5 103,2 102,8 1,5
Großhandel (2010=100) 103,5 103,2 103,3 105,3 105,5 105,2 104,6 1,4
Kfz-Handel (2010=100) 106,4 105,8 105,7 107,8 107,7 107,1 106,3 0,7
Gastronomie (2010=100) 105,2 102,5 104,0 113,3 108,8 107,1 101,7 104,4 0,5
Arbeitsmarkt
Arbeitslosenquote2)3) (%) 3,9 4,2 4,2 3,8 3,8 3,8 4,2 4,1 4,0 −0,1
Arbeitslose (1.000) 224,9 243,2 240,7 221,3 219,0 221,1 243,0 240,2 233,8 −0,4
Kurzarbeiter nach § 170 SGB III (1.000) 7,4 11,4 7,6 5,8 8,1 3,5 −40,4
Offene Stellen (1.000) 64,3 62,2 66,1 77,3 76,0 72,7 70,3 75,2 77,7 13,5
Verbraucherpreisindex (2010=100)4) 106,1 105,5 106,0 106,3 106,3 106,2 105,1 106,0 106,6 0,4
Zinsen in der Eurozone
Dreimonatsgeld (% p.a.)3) 0,27 0,29 0,29 0,08 0,08 0,08 0,06 0,05 0,03 −0,3
10-jährige Staatsanleihen (% p.a.)3) 2,9 2,8 2,6 1,6 1,5 1,3 1,1 1,0 0,90 −1,6
Euro-Wechselkurse
US-Dollar pro Euro4) 1,370 1,361 1,366 1,267 1,247 1,233 1,162 1,135 1,084 −21,6
Pfund Sterling pro Euro4) 0,836 0,827 0,825 0,789 0,791 0,788 0,767 0,741 0,724 −13,0
Schweizer Franken pro Euro4) 1,225 1,232 1,221 1,208 1,203 1,203 1,094 1,062 1,061 −12,9
Aktienmarkt
Xetra-DAX (Ende 1987=1.000)4) 9.552 9.306 9.692 9.327 9.981 9.806 10.694 11.402 11.966 25,2

© Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 2015

 

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