- Neue DUH-Labortests an Austauschkatalysatoren zeigen erschreckend geringe Beschichtung mit Edelmetallen: Schätzungsweise bis zu 2,7 Millionen Benzin-Pkw mit nicht ausreichender Abgasreinigung verpesten die Atemluft in unseren Städten
- Umfrage der DUH unter Teilehandel und Werkstattketten zeigt mangelnde Transparenz und Systemfehler bei der Kennzeichnung: Dort angebotene Billigst-Katalysatoren verlieren wegen zu geringer Edelmetallbeschichtung vorzeitig ihre Wirksamkeit
- DUH kündigt Test-Besuche bei Werkstattketten an und fordert beim Austausch defekter Abgaskatalysatoren den Einbau von Originalteilen oder zumindest „Blauer Engel“-Katalysatoren als Mindeststandard
- Mit Inkrafttreten des Unternehmensstrafrechts kündigt die DUH notfalls rechtliche Schritte gegen Händler und Kfz-Werkstätten an
Labortests im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) an fünf neuen Pkw-Austauschkatalysatoren belegen: Der für eine langfristig wirksame Abgasreinigung notwendige Edelmetallgehalt geht bei fast allen Katalysatoren gegen Null. Da laut Bundesanstalt für Straßen und Verkehrswesen (BASt) ein Großteil der rund 300.000 in Deutschland jährlich verkauften Austauschkatalysatoren minderwertig ausgestattet sind, geht die DUH konservativ von bis zu 2,7 Million Benzin-Pkw mit unzureichender Abgasreinigung aus.
Die DUH fordert Werkstätten und Teilehandel auf, künftig ausschließlich Originalkatalysatoren mit nachgewiesen hoher Reinigungsleistung oder mit dem „Blauen Engel“ ausgezeichnete Austauschkatalysatoren zu verbauen. Zudem fordert die DUH vom Bundesverkehrsministerium eine amtliche Nachprüfung der tatsächlichen Reinigungswirkung in Deutschland verkaufter und in Benzin-Pkw eingebauter Austausch-Kats und zudem verschärfte Anforderungen für die turnusgemäßen Abgasuntersuchungen.
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Während in Deutschland weiterhin jedes Jahr mehrere zehntausend Menschen an Luftschadstoffen sterben und hunderttausende erkranken, verkaufen Unternehmen des Autoteilehandels Billigst-Austauschkatalysatoren ohne ausreichende Abgasreinigungswirkung von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen. Wir werden nun Testbesuche bei Kfz-Werkstätten durchführen und die uns dort angebotenen und in einem Fahrzeug eingebauten Katalysatoren im Neuzustand und nach einer gewissen Laufleistung messen, um aufzuzeigen, dass diese Systeme nicht die geforderte Dauerreinigungsleistung erbringen. Einmal mehr versagt das Kraftfahrt-Bundesamt trotz genauer Kenntnis des Problems in seiner Aufsichts- und Kontrollpflicht – auf Kosten von Gesundheit und Umwelt. Wir fordern, dass im Rahmen der periodischen Fahrzeuguntersuchungen Stickoxidmessungen am Auspuff endlich auch für Benziner verpflichtend werden. Nur so lässt sich zuverlässig feststellen, ob die Katalysatoren der Fahrzeuge wirksam sind und die geltenden Emissionsgrenzwerte eingehalten werden. Fahrzeuge mit nachweislich unwirksamen Billig-Katalysatoren dürfen nicht länger unbeanstandet weiterfahren können.“
Um den Missstand aufzudecken, dass Händler wissentlich unwirksame Austauschkatalysatoren anbieten und verkaufen, hat die DUH eine Abfrage unter 21 Teilehändlern, Großhändlern und Werkstattketten durchgeführt. Darauf hat jedoch knapp die Hälfte nicht reagiert und nur zwei Unternehmen haben vollständige und zwei unvollständige Angaben gemacht. Die restlichen Unternehmen verweisen pauschal auf ECE-Zulassungen, etablierte Marken oder ihre Lieferanten.
Dabei zeigen die DUH-Labortests, dass Katalysatoren eine ECE-Kennzeichnung erhalten, obwohl diese nur mit einem Bruchteil der erforderlichen Edelmetalle beschichtet sind. Damit entsteht ein fatales Fehlanreizsystem: Händler können minderwertige Katalysatoren anbieten und haben damit einen unfairen Wettbewerbsvorteil gegenüber Herstellern, die im Sinne einer wirksamen Abgasreinigung ausreichend Edelmetalle einsetzen.
Resch weiter: „Fahrzeughalterinnen und Fahrzeughalter werden darüber im Dunkeln gelassen, welche Qualität der eingebaute Katalysator tatsächlich hat. Sie verlassen sich auf Werkstätten und Teilehändler, die sich wiederum auf die ECE-Kennzeichnung berufen. Doch diese ist kein Garant für eine wirksame Abgasreinigung über die gesamte Nutzungsdauer. Wer Austauschkatalysatoren verkauft oder verbaut, muss auch deren Wirksamkeit sicherstellen, anstatt sich hinter einer formalen Zulassung zu verstecken. Wir nehmen die geplante Verschärfung des Umweltstrafrechts zum Anlass, offensichtliche vorsätzliche Verstöße gegen Umweltvorschriften künftig auch strafrechtlich zu verfolgen. Wer wissentlich unzureichend wirksame Katalysatoren in Verkehr bringt, verstößt zukünftig nicht nur gegen Umweltrecht, sondern macht sich strafbar. Wir werden durch Testkäufe die Handels- und Werkstattpraktiken überprüfen und gegen alle festgestellten irreführenden oder gar betrügerischen Praktiken und Produkte zur Pseudo-Abgasreinigung vorgehen.“
Hintergrund:
Seit 2013 existiert das vom Umweltbundesamt vergebene Umweltzeichen „Blauer Engel“ für Austausch-Kats. Es steht für besonders emissionsarme und langlebige Produkte und zeigt, dass eine dauerhaft wirksame Abgasreinigung möglich ist.
Bereits 2015 hat die DUH Edelmetallanalysen an verschiedenen Katalysatoren durchführen lassen und zusätzlich 2019 die Emissionen an fünf Katalysatoren im Realbetrieb auf der Straße gemessen. Obwohl der Edelmetallgehalt der untersuchten Billig-Katalysatoren damals noch doppelt so hoch war wie bei den aktuellen Untersuchungen, wurde der Grenzwert für giftige Stickoxidemissionen bis zu achtfach überschritten. Mit dem nun deutlich niedrigeren Edelmetallgehalt ist davon auszugehen, dass die tatsächlichen Emissionen nochmals erheblich höher ausfallen.
Link:
Zur Edelmetalluntersuchung zu Austauschkatalysatoren 2026 und den Fahrzeugmessungen 2019: https://l.duh.de/p260908a
PM Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH)