Die Einpersonen- und Kleinstunternehmen (EKU) im Land vermelden aktuell eine ordentliche Geschäftslage, aber auch viel Skepsis bei den Aussichten. Das zeigt eine Sonderauswertung vom Konjunkturbericht des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages (BWIHK).
1.105 Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten beteiligten sich an der Umfrage. 29 Prozent werten ihre Lage als „gut“; dem stehen 22 Prozent mit „schlecht“ gegenüber. Bei den Aussichten für die kommenden zwölf Monate sieht es umgekehrt aus: 15 Prozent der Befragten erwarten eine Verbesserung, 26 Prozent eine Verschlechterung. „Das sind insgesamt noch keine konjunkturellen Frühlingsgefühle. Auch die kleinen und kleinsten Betriebe im Land fahren weiter auf Sicht und bleiben eher verhalten“, so Vincent Schoch. Das belege auch der EKU-Konjunkturklimaindex, der Lage und Aussichten abbildet. Er liegt bei 98 Punkten und damit unter der 100-Punkte-Marke, bei der sich positive wie negative Einschätzungen ausgleichen. Für alle Unternehmen im Land liegt der Index aktuell bei 103. Schoch ist Leiter Handel und EKU bei der IHK Reutlingen, die das Thema Einpersonen- und Kleinstunternehmen landesweit für den BWIHK koordiniert.
Inlandsnachfrage ist das größte Risiko
Sorgen bereitet den EKU vor allem die Inlandsnachfrage. Sie wird von 58 Prozent der Befragten als das aktuell größte wirtschaftliche Risiko bezeichnet. Diese Einschätzung kommt nicht von ungefähr: 38 Prozent berichten von Umsatzrückgängen zum Vorjahr, lediglich 19 Prozent verzeichnen steigende Umsätze. Im Vergleich mit mittleren und großen Betrieben sind EKUs von Umsatzrückgängen besonders betroffen, zeigt die Auswertung. Da die kleinen und kleinsten Unternehmen deutlich seltener im Auslandsgeschäft aktiv sind, können sie eine schwächelnde Inlandsnachfrage weniger kompensieren.
EKU sind die Speedboote
Positive Signale kommen immerhin bei der Frage zur Ertragslage: Die Hälfte der EKU bezeichnen sie als befriedigend, jeweils 25 Prozent sprechen von verbessert oder verschlechtert. „Dass sich die Erträge trotz sinkender Umsätze noch ordentlich entwickeln, zeigt die Agilität dieser Firmen. Sie sind flexibel und können Kostenstrukturen und Geschäftsmodelle
leichter anpassen. Sie sind im Vergleich zu größeren Betrieben Speedboote, die ihren Kurs deutlich schneller ändern können“, so Vincent Schoch.
Hintergrund
Die BWIHK-Konjunkturumfrage findet dreimal im Jahr statt. Aus der aktuellen Befragung über alle zwölf IHKs im Land wurden die Rückmeldungen von 1.105 Einpersonen- und Kleinstunternehmen (EKU) ausgewertet. EKU sind Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten (gerechnet in Vollzeitäquivalenten). Fast zwei Drittel der BW-Betriebe beschäftigen nur ein bis fünf Mitarbeitende. Die IHKs in BW setzen sich mit einer eigenen Arbeitsgruppe für EKU-Belange ein und fordern auch eine auf deren Bedürfnisse zugeschnittene Wirtschaftspolitik.
Der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) ist eine Vereinigung der zwölf baden-württembergischen Industrie- und Handelskammern (IHKs). In Baden-Württemberg vertreten die zwölf IHKs die Interessen von mehr als 650.000 Mitgliedsunternehmen. Zweck des BWIHK ist es, in allen die baden-württembergische Wirtschaft und die Mitgliedskammern insgesamt betreffenden Belangen gemeinsame Auffassungen zu erzielen und diese gegenüber der Landes-, Bundes- und Europapolitik sowie der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) und anderen Institutionen zu vertreten.
PM Baden-Württembergischer Industrie- und Handelskammertag