In der Carl Stahl Akademie Süßen kamen Vertreterinnen und Vertreter von Grünen, CDU, SPD, FDP, Die Linke und AfD zu einem Podiumstalk im Vorfeld der Landtagswahl zusammen. Eingeladen hatten die Wirtschaftsjunioren Göppingen. Ziel der Veranstaltung war es, politische Positionen vergleichbar zu machen und Orientierung zu bieten. Der Abend war geprägt von einem sachlichen Ton und einer auffallend breiten Einigkeit in der Analyse zentraler Zukunftsfragen.
Breiter Konsens in den Kernfragen
Unabhängig von parteipolitischer Ausrichtung bestand Übereinstimmung darin, dass Baden-Württemberg vor erheblichen strukturellen Herausforderungen steht. Hohe Energiepreise, zunehmende Bürokratie, die Weiterbildung von Arbeitnehmenden sowie Defizite in Bildung und Digitalisierung wurden übereinstimmend als zentrale Handlungsfelder benannt. Auffällig war dabei, dass sich die Unterschiede weniger in der Problembeschreibung zeigten, sondern vor allem in der Bewertung der richtigen politischen Instrumente.
Wirtschaft und Arbeit: Einigkeit über Ziele, Differenzen beim Weg
Im Themenblock Wirtschaft und Arbeit herrschte Konsens darüber, dass Unternehmen entlastet und Arbeitsplätze gesichert werden müssen. Bürokratische Auflagen und langwierige Genehmigungsverfahren wurden parteiübergreifend als Standortnachteil gesehen.
Während CDU, FDP und Grüne vor allem auf Innovationsförderung, Weiterbildung und regionale Standortpolitik setzten, betonte Die Linke die Notwendigkeit eines umfassenderen wirtschaftlichen Umbaus, der soziale und ökologische Aspekte stärker einbezieht. Die AfD rückte insbesondere die Energiepreise und industriepolitische Rahmenbedingungen in den Mittelpunkt. Trotz dieser Unterschiede blieb die Debatte lösungsorientiert und ohne persönliche Zuspitzungen.
Bildung: Gemeinsame Priorität mit offenem Finanzierungsrahmen
Besonders deutlich fiel der Konsens im Bereich Bildung aus. Alle Beteiligten bezeichneten Investitionen in Kitas, Schulen und Ausbildung als entscheidend für die Zukunftsfähigkeit des Landes. Lehrkräftemangel, fehlende Kitaplätze und Überlastung der Einrichtungen wurden übereinstimmend als akute Probleme beschrieben.
Kontrovers diskutiert wurde vor allem die Frage der Finanzierung. Während einige umfangreiche staatliche Investitionen forderten, setzten andere auf Priorisierung bestehender Mittel oder schrittweise Entlastungen. Einig war man sich jedoch darin, dass ein weiteres Zögern langfristig höhere Kosten verursachen würde.
Digitalisierung: Selten dagewesene Übereinstimmung
Im Themenfeld Digitalisierung zeigte sich nahezu vollständige Einigkeit. Der Rückstand in Verwaltung und Bildung wurde von allen Parteien als erheblich eingeschätzt. Föderale Zuständigkeiten, fehlende Standards und komplexe Verfahren galten als zentrale Hemmnisse. Die Forderung nach vereinfachten Prozessen, klaren Zuständigkeiten und einer abgestimmten Digitalstrategie wurde parteiübergreifend getragen.
Unterschiede bleiben – der Ton bleibt sachlich
Trotz klar erkennbarer Differenzen, etwa in der Energiepolitik oder bei der Rolle staatlicher Eingriffe, blieb der Austausch respektvoll. Der Abend machte deutlich, dass die politischen Gegensätze weniger in den Zielen als in der Priorisierung und Umsetzung liegen.
Nach Abschluss des thematisch strukturierten Teils durch die Moderation hatte das Publikum die Möglichkeit, eigene Fragen einzubringen. Diese drehten sich vor allem um die Finanzierung der angeführten Vorhaben.
In einer Publikumsumfrage, die zu Beginn und am Ende durchgeführt wurde, zeigte sich, dass sich der Anteil der Teilnehmenden, die sich entschieden haben, wie sie wählen möchten, um fast 15 Prozentpunkte erhöht hat. 36 % der Befragten gaben an, dass die Veranstaltung ihre Wahlentscheidung verändert hat.
Fazit
Der Podiumstalk der Wirtschaftsjunioren Göppingen zeigte, dass politische Diskussionen im Wahlkampf auch jenseits von Polarisierung möglich sind. Der Abend war weniger von Konfrontation als von inhaltlicher Klarheit und erkennbarem Konsens in zentralen Zukunftsfragen geprägt. Welche politischen Wege letztlich eingeschlagen werden, bleibt Aufgabe der Wählerinnen und Wähler.
PM Wirtschaftsjunioren Göppingen