Die wirtschaftliche Lage im Kreis Göppingen zeigt zu Jahresbeginn 2026 eine signifikante Verbesserung, bleibt aber insgesamt angespannt. Das ist das Ergebnis einer Sonderauswertung der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Region Stuttgart für den Kreis Göppingen. Nachdem der Lageindex im Herbst 2025 noch im negativen Bereich lag, hat er sich nun mit 5,1 Punkten wieder ins Positive gedreht. Der Anteil der Unternehmen, die ihre Geschäftslage als gut bewerten, ist auf 30 Prozent gestiegen.
Gleichzeitig meldet weiterhin jedes vierte Unternehmen eine schlechte Lage. „Die Göppinger Wirtschaft sendet vorsichtig positive Signale, von einer durchgreifenden Entwarnung können wir aber noch nicht sprechen“, sagt die Präsidentin der IHK-Bezirkskammer Göppingen, Edith Strassacker. „Vor allem unsere Industrie steht weiterhin unter erheblichem Druck.“ Während sich die Industriekonjunktur in den anderen Kreisen der Region Stuttgart erholt, verschlechtert sich die Lage der Industrie im Kreis Göppingen erneut. Dagegen erholt sich der Handel angesichts einer schlechten Lage leicht. Die Dienstleister legen im Filstal weiter zu.
Positiver fallen die Geschäftserwartungen aus. Der Erwartungsindikator verbessert sich deutlich, getragen vor allem von steigenden Exportaussichten. Nur noch rund 26 Prozent der Unternehmen rechnen mit schlechteren Geschäften in den kommenden zwölf Monaten – deutlich weniger als im Herbst. Auch in der Industrie hellt sich der Ausblick spürbar auf: Der Erwartungsindex erreicht den besten Wert seit zwei Jahren. „Viele Betriebe haben ihre Erwartungen von ‚schlechter‘ auf ‚gleichbleibend‘ korrigiert“, erläutert Strassacker. „Das zeigt, dass sich der Pessimismus etwas gelegt hat – auch wenn Göppingen hinter der Gesamtregion zurückbleibt.“
Wichtige Impulse kommen weiterhin aus dem Auslandsgeschäft. Die Exporterwartungen steigen erneut und liegen erstmals seit zwei Jahren wieder im positiven Bereich. Besonders die Industrie profitiert von stabileren internationalen Rahmenbedingungen. Drei von zehn Industrieunternehmen rechnen mit steigenden Exporten. Neue Handelsabkommen, könnten dabei wichtige Impulse setzen. „Umso wichtiger ist es, die Unternehmen am Standort zu entlasten, damit sie diese Chancen auch nutzen können“, betont Strassacker. Bei den Investitionen deutet sich zu Jahresbeginn eine Trendumkehr an. Deutlich weniger Unternehmen planen Investitionskürzungen, während fast die Hälfte von gleichbleibenden Ausgaben ausgeht. „Viele Betriebe agieren weiterhin vorsichtig und priorisieren Investitionen, die unmittelbar wettbewerbsrelevant sind“, so Strassacker. „Die aktuelle Entwicklung zeigt: Der Abwärtstrend ist möglicherweise gestoppt, aber die Erholung bleibt fragil“, fasst Strassacker zusammen. „Jetzt braucht es klare politische Signale für mehr Planungssicherheit, weniger Bürokratie und wettbewerbsfähige Kosten. Nur dann kann aus den vorsichtigen Lichtblicken ein nachhaltiger Aufschwung für den Wirtschaftsstandort Göppingen werden.“ Strassacker hebt zugleich Entwicklungen hervor, die Zuversicht geben: „Der Kreis Göppingen befindet sich mitten in einem tiefgreifenden industriellen Wandel – und genau darin liegt eine große Chance.“ Das neue KI-Hub Hive auf dem Boehringer-Areal biete die Chance, ein leistungsstarkes Innovationszentrum zu werden, das Mittelstand und künstliche Intelligenz als Schlüsseltechnologie eng miteinander vernetze.
Die Ergebnisse für den Kreis Göppingen im Einzelnen:
Geschäftslage: Wieder etwas positiver
Beim Blick auf die Göppinger Gesamtwirtschaft gibt es vorsichtige Lichtblicke: Nachdem die Gesamtlage im Herbst 2025 noch negativ war, liegt der Gesamtindex zum Jahresbeginn 2026 mit 5,1 wieder im leicht positiven Bereich. Der Anteil der Unternehmen, die die Lage als gut bewerten ist gegenüber der Umfrage im Herbst von 23,9 Prozent auf 30,2 Prozent gestiegen. Nur 25,1 Prozent der Unternehmen, etwas weniger als im Herbst 2025, melden eine weiterhin schlechte Lage. Die Zahl derer, die ihre Lage als befriedigend einschätzen, hat sich im gleichen Zeitraum entsprechend um 3,9 Prozentpunkte auf 44,7 Prozentpunkte abgesenkt. Damit erholt sich der Lageindex, der Saldo aus guten und schlechten Meldungen, in den positiven Bereich auf 5,1 (Vergleich Herbst: Mit -3,7 noch im negativen Bereich). Beim Blick auf die Branchen ist die Industrie im Kreis Göppingen weiterhin das Sorgenkind. Während sich in allen anderen Kreisen der Region Stuttgart die Lage in der Industrie erholt, fällt der Göppinger Wert nochmals um 9 Punkte. Positivere Entwicklungen gibt es bei den Dienstleistungen und beim Handel.
Geschäftserwartungen: Leicht verbesserte Aussichten
Auch bei den Geschäftserwartungen melden die Unternehmen positivere Aussichten: 15,9 Prozent der Unternehmen geben an, dass sich ihre Geschäfte in den nächsten 12 Monaten verbessern werden (im Herbst 2025 waren es nur 13,4 Prozent). Schlechtere Geschäfte erwarten 25,7 Prozent und damit deutlich weniger Unternehmen als noch im Herbst (34,5 Prozent). Damit verbessert sich der IHK-Indikator bei den Geschäftserwartungen insgesamt von minus 21,1 auf minus 9,8 getrieben vor allem durch die positiven Exporterwartungen. Auch bei den Industrieunternehmen gibt es positive Signale: Hier erholt sich der IHK-Indikator von minus 31,3 Punkte im Herbst auf minus 6,7 Punkte – der beste Wert seit zwei Jahren. 11,7 Prozent der Produktionsbetriebe haben positive Geschäftserwartungen. Der Wert hat sich im Vergleich zum Herbst 2025 leicht verbessert (9,4 Prozent), verharrt aber auf niedrigem Niveau. Viele Unternehmen, die im Herbst noch mit einer schlechteren Lage gerechnet haben (Anteil mehr als halbiert von 40,6 auf 18,3 Prozent), schätzen die Aussichten jetzt zumindest als gleichbleibend ein. Die Erwartungen der Industrie im Kreis Göppingen sind aber immer noch pessimistischer als in der Gesamtregion: Hier liegt der Erwartungsindex der Industrie mittlerweile im positiven Bereich bei 3,4 (Göppingen minus -6,7).
Auftragseingang bleibt auf niedrigem Niveau
Das positive Bild bei den Geschäftserwartungen kommt nicht von den gemeldeten Auftragseingängen. Zum Jahresbeginn 2026 bestätigen die Unternehmen mit minus 16,7 den niedrigen Wert vom Herbst (17,9). Auch die Anteile der Unternehmen mit steigenden, gleichbleibenden beziehungsweise sinkenden Auftragseingängen bleiben annähernd gleich. Beim Blick auf die Branchen zeigt sich eine umgekehrte Lage gegenüber dem Herbst: Dienstleister und Handel melden eine deutliche Verschlechterung der Auftragseingänge (von -2,0 auf -23,2), während die Industrie Verbesserung meldet (von -36,5 auf -9,8) und damit den besten Wert seit über drei Jahren. Damit scheint zumindest der Abwärtstrend bei den Auftragseingängen in der Industrie gestoppt.
Weiter positiver Trend bei den Exporterwartungen
Aus den Exporten im weltweiten Handel kommen derzeit die wesentlichen Impulse. Hier gibt es bei der global agierenden Wirtschaft im Filstal die große Wachstumsstärke. Der Anteil der Unternehmen mit steigenden Auslandserwartungen verbessert sich erneut von 20,5 Prozent auf 24,6 Prozent. Der Anteil der Unternehmen mit fallenden Erwartungen sinkt deutlich (von 30,2 Prozent auf 13,0 Prozent). Der Erwartungen verbessern sich damit unterm Strich deutlich. Der Exportindikator liegt mit 11,6 Punkte erstmals seit zwei Jahren wieder im positiven Bereich (Herbst 2025 minus 9,7 Punkte). Ein Blick in die Branchen: In der Industrie folgen die Exporterwartungen einem deutlich positiven Trend und reflektieren damit die etwas sichereren Rahmenbedingungen für die Industrie im internationalen Umfeld. 30,0 Prozent der Industrieunternehmen melden steigende Exporterwartungen (Herbst 2025: 27,3 Prozent). Die fallenden Meldungen verringern sich zeitgleich deutlich um 22,9 Prozent. Der IHK-Exportindikator verbessert sich in Summe in der Industrie um 25,6 Punkte und erholt sich von minus 3,6 Punkten im Herbst 2025 auf plus 22,0 Punkte zu Jahresbeginn deutlich.
Investitionen: Leichte Erholung zu Jahresbeginn – Investitionsstau bleibt
Wie bei den anderen Indikatoren erholen sich auch die Investitionsabsichten langsam. In Zahlen drückt sich das bei den Planungen in den nächsten 12 Monaten so aus: Mittlerweile wollen nur noch 26,6 Prozent der Unternehmen weniger investieren. Im Herbst 2025 waren es noch 37,2 Prozent der Betriebe. 49,7 Prozent der Betriebe melden gleichbleibende Investitionsvolumina, eine deutliche Erhöhung gegenüber dem Herbst (38,4 Prozent). Steigende Investitionsplanungen melden dennoch weniger Unternehmen als noch im Herbst, hier verschlechtert sich der Anteil leicht von 24,3 Prozent auf 23,7 Prozent der Unternehmen. Der Gesamtindikator verbessert sich zwar von minus 12,9 Punkte auf noch knapp minus 2,9 Punkte seit der letzten Erhebung im Herbst. Aber der Investitionsstau bleibt und damit das größte Hindernis für einen Aufschwung. Das spiegelt die große Unsicherheit und die Zurückhaltung vieler Unternehmen wider.
Mehr Investitionen in Innovation
Die Unternehmen investieren zu Jahresbeginn 2026 weiterhin überwiegend in die Themen Ersatzbedarf (64,5 Prozent) sowie Digitalisierung (57,9 Prozent). Beide Kategorien sind leicht rückläufig gegenüber der letzten Umfrage im Herbst 2025. Deutlich rückläufig zu Jahresbeginn ist als Investitionsmotiv das Thema Umweltschutz sowie Energieeffizienz. Die Nennungen sinken hier von 24,7 Prozent auf 14,7 Prozent. Wieder etwas mehr Unternehmen nennen Innovation als Investitionsmotiv (35,2 Prozent zu Jahresbeginn gegenüber 32,2 Prozent im Herbst 2025).
Beschäftigungserwartung rückläufig
Während andere konjunkturelle Indikatoren signalisieren, dass der Abwärtstrend gestoppt ist, sind die Beschäftigungserwartungen weiterhin rückläufig. 14,3 Prozent der Unternehmen sehen in den nächsten 12 Monaten einen steigenden Bedarf (im Herbst 2025 waren es 14,8 Prozent). Der Anteil der Unternehmen mit einer fallenden Beschäftigungserwartung hat sich zum Herbst wieder deutlich erhöht (von 28,9 auf rund 33,7 Prozent). Jedes zweite Unternehmen im Filstal möchte die Beschäftigung weiterhin stabil halten (minus 4,3 Prozent zum Herbst 2025). Damit fällt der IHK-Beschäftigungsindikator auf minus 19,3 Punkte (Herbst minus 14,0 Punkte). Auf dem Arbeitsmarkt wird es keine Entspannung geben.
Geschäftsrisiken: Sorgen zur Inlandsnachfrage und zu den Arbeitskosten werden immer größer
Wie bei jeder IHK-Konjunkturumfrage wurden die Unternehmer auch nach den größten Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung gefragt. Im Kreis Göppingen steigen die beiden größten Risiken erneut an: die Inlandsnachfrage als größtes Risiko von 67,4 Prozent der Nennungen auf 69,9 Prozent. Das gilt ebenso für das zweitgrößte wirtschaftliche Risiko, die hohen Arbeitskosten. Der Wert steigt hier von 63,1 Prozent der Nennungen auf 66,7 Prozent. Der Fachkräftemangel rückt trotz fallender Beschäftigungslage weiterhin deutlich in den Fokus und damit von Platz fünf im Herbst 2025 auf Platz drei (im Frühsommer 2025 noch auf Platz sieben). Etwas weniger Sorgen bereiten den Unternehmen auf dem vierten Platz die hohen Energiekosten, (jetzt 36,9 Prozent im Herbst 44,0 Prozent). Etwas Entspannung zeichnet sich auch bei den geopolitischen Spannungen ab, die auf dem fünften Platz liegen. Die Sorge über die aktuelle Wirtschaftspolitik wird etwas weniger als noch im Herbst 2025. Sie landet mit 32,4 Prozent auf Platz sechs und liegt damit aber weiter im Mittelfeld der möglichen Risiken (Frühsommer noch 34,1 Prozent).
PM IHK Region Stuttgart Bezirkskammer Göppingen