Zum 31. Dezember 2025 waren bei den baden-württembergischen Handwerkskammern 144.563 Betriebe eingetragen. Der Gesamtbestand wuchs damit um 933 Betriebe (+0,6 Prozent) – allerdings schwächer als im Vorjahr. Während zulassungsfreie Gewerke weiter zulegen, beschleunigt sich der Rückgang im zulassungspflichtigen Handwerk.
„Das leichte Plus im Gesamtbestand darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir im Kernbereich unseres Handwerks weiter Betriebe verlieren“, sagt Rainer Reichhold, Präsident von Handwerk BW. „Gerade im zulassungspflichtigen Handwerk gibt es die meisten Arbeits- und Ausbildungsplätze. Wenn hier die Abgänge steigen, trifft das einen wichtigen Teil der Substanz unseres Wirtschaftsstandorts.“
Im zulassungspflichtigen Handwerk sank die Zahl der Betriebe um 1.426 auf 89.192 (-1,6 Prozent). Seit 2020 nimmt der Bestand kontinuierlich ab – mit zunehmender Dynamik. Allein bei den vor 2020 zulassungspflichtigen Berufen gingen 703 Betriebe verloren (77.934 insgesamt, -0,9 Prozent). Die Zahl der Abgänge stieg auf 4.920 und erreicht damit den höchsten Stand seit 2008. Besonders stark betroffen sind Teile des Bau-, Ausbau- und Metallhandwerks, etwa bei Maurern und Betonbauern, Metallbauern oder Tischlern. Zuwächse gab es im zulassungspflichtigen Handwerk vor allem bei den Elektrotechnikern (+134 auf 9.478) und den Kälteanlagenbauern (+29 auf 482).
Die andere Hälfte des Rückgangs entfällt auf die 2020 in die Meisterpflicht zurückgeführten Berufe. Dort bewegten sich die Neugründungen mit 231 Zugängen weiterhin auf sehr niedrigem Niveau. Seit 2020 ist die Zahl dieser Betriebe um rund 25 Prozent gesunken. Deutlich im Plus liegt dagegen das zulassungsfreie Handwerk: Hier stieg der Bestand um 2.235 auf 39.552 Betriebe (+6,0 Prozent). Wachstumstreiber bleiben Gebäudereiniger (+1.371), Kosmetiker (+545) und Fotografen (+297) – also überwiegend kleinstrukturierte Betriebe, häufig im Neben- oder Solobetrieb.
„Wir sehen eine strukturelle Verschiebung hin zu kleinteiligen Betriebsformen, während im investitions- und ausbildungsintensiven Handwerk die Zahl der Betriebe sinkt“, so Reichhold. „Die Statistik beweist sehr klar, dass die Wirtschaftswende noch nicht gegriffen hat. Es ist höchste Zeit für eine neue Zündung. Wenn wir es bei Wohnungsbau, Infrastruktur und Klimaschutz nicht endgültig verbocken wollen, brauchen wir ausreichend Handwerksbetriebe, die das stemmen. Und die wiederum brauchen eine mittelstandsfreundliche Politik, weniger Bürokratie, gezielte Unterstützung für Gründung und Nachfolge und damit Zuversicht fürs Unternehmertum.“
Im handwerksähnlichen Gewerbe stieg die Zahl der Betriebe leicht um 123 auf 15.804 (+0,8 Prozent). Die vollständige Betriebsstatistik finden Sie hier.
PM Baden-Württembergischer Handwerkstag e.V.