Sinkende Füllstände der Gasspeicher und dauerhaft tiefe Temperaturen halten die Energieversorgung weiterhin unter Spannung. Zwar betont die Bundesregierung, die Lage im Griff zu haben. Doch aus Sicht des Fachverband Biogas e.V. wird das Potenzial heimischer Biogasproduktion für eine langfristig sichere und resiliente Energieversorgung weiterhin ausgebremst.
Thomas Karle, Präsident des Fachverbandes Biogas, verdeutlicht die Problematik: „Wenn ich zu Hause merke, dass sich der Kühlschrank leert, werfe ich doch nicht den Schlüssel für die Vorratskammer aus dem Fenster.“ Es sei fahrlässig, die Potenziale bestehender Biogasanlagen nicht vollständig zu nutzen. Sinkt die Energiemenge aus Biogas langfristig, müssten Verbraucher und Industrie wieder stärker auf Erdgas oder Erdöl zurückgreifen – mit entsprechenden Risiken für künftige Versorgungskrisen.
„Wir können sicher nicht den gesamten Gasbedarf Deutschlands decken, aber wir können einen wichtigen Beitrag als strategische Reserve zur Entspannung leisten – heute und in Zukunft“, so Karle. Dafür brauche die Branche klare politische Signale und eine verlässliche langfristige Perspektive. Die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, des Gebäudemodernisierungsgesetzes oder des Energiewirtschaftsgesetzes kommen jedoch nur schleppend voran.
Die Anhebung des Ausschreibungsvolumens für 2025 und 2026 im Biomassepaket sei ein erster, wichtiger Schritt gewesen. Dieser Weg müsse jedoch fortgeführt und über 2026 hinaus verlängert werden, um Anlagen aus den Boomjahren 2009 bis 2011 zu erhalten. Zudem verweist Karle auf die europäische Biomethanstrategie: „Mit der RePowerEU-Strategie hat die EU ein Ziel von 35 Milliarden Kubikmetern Biomethan bis 2030 formuliert. Deutschland gehört bislang zu den wenigen Mitgliedstaaten ohne einen eigenen nationalen Aktionsplan zur Umsetzung dieser Strategie.“ Gleichzeitig würde im Energiewirtschaftsgesetz über einen Rückbau der Gasnetze diskutiert. „Wenn unklar ist, ob der Gasanschluss einer Biomethananlage in zehn Jahren noch existiert, investiert niemand in Gasaufbereitungsanlagen – zumindest nicht in Deutschland“, warnt Karle. „Wir brauchen ein klares Bekenntnis zur Biogasnutzung und eine verlässliche Perspektive. Investitionen in die heimische, klimafreundliche Gasproduktion garantieren eine langfristige Versorgungssicherheit.“
Derzeit erzeugen rund 10.000 Biogasanlagen in Deutschland etwa 95 Terawattstunden (TWh) Energie und decken damit fast zehn Prozent des deutschen Gasverbrauchs. Das Gas wird überwiegend in Kraft-Wärme-Kopplung zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt. Rund 400.000 Haushalte und zahlreiche öffentliche Einrichtungen heizen bereits mit Biogaswärme. Studien zufolge könnten langfristig bis zu 150 TWh Biogas allein aus Rest- und Abfallstoffen bereitgestellt werden. In Kombination mit grünem Wasserstoff wären bis zu 240 TWh synthetisches Methan möglich.
PM Fachverband BIOGAS e.V.