Der bundesweite Innovationspreis „Seifriz – Transfer Handwerk + Wissenschaft“ zeichnet in diesem Jahr vier herausragende Kooperationen zwischen Handwerksbetrieben und Forschungseinrichtungen aus. Die prämierten Projekte stammen aus der Zusammenarbeit von Praktikern und Wissenschaftlern. Zwei weitere Kooperationen erhalten eine lobende Erwähnung.
„Die ausgezeichneten Projekte zeigen eindrucksvoll, wie viel Innovationskraft im Handwerk steckt. Wenn praktisches Können und wissenschaftliche Expertise zusammenkommen, entstehen Lösungen, die nicht nur technisch überzeugen, sondern konkrete Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit geben“, sagt Rainer Reichhold, Präsident von Handwerk BW und Vorsitzender des Vereins Technologietransfer Handwerk e. V., der den Seifriz-Preis vergibt. Dass beim alle zwei Jahre ausgerichteten Wettbewerb erneut 19 Bewerbungen eingegangen sind, zeige, dass Betriebe auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten lösungsorientiert denken und handeln.
Ausgezeichnet wurden Projekte aus den Bereichen Metallbau, Steinmetzhandwerk, Bäckerei und Bootsbau. Die Bandbreite reicht von KI-gestützten Prüfverfahren über patentierte neue Fertigungstechniken bis hin zu einem textilen Ersatz fürs Backpapier.
„Mit dem Seifriz-Preis zeichnen wir nicht nur herausragende Projekte aus, sondern wollen andere Betriebe ermutigen, auf die Suche nach guten Ideen und passenden Partnern für die Umsetzung zu gehen. Gerade dann, wenn sich Märkte verändern, hilft Innovation bei der Zukunftssicherung. Und die ausgezeichneten Kooperationen machen deutlich: Forschung und Handwerk ergänzen sich gut und profitieren am Ende gegenseitig“, so Reichhold weiter.
Die Preisträger 2026 im Überblick:
Energie- und ressourcensparende Oberflächenbearbeitung
„Biimtec“ – Hornung OSP, Bermatingen & Steinbeis-Transferzentrum INENGO, Pfullendorf
Die Metallbauer von Hornung OSP (Inhaber Ottmar Hornung) haben gemeinsam mit dem Steinbeis-Transferzentrum INENGO (Leitung Prof. Dr. Markus Straub) ein patentiertes Injektor-Sandstrahltechnik-Verfahren entwickelt. Damit lassen sich CFK-, GFK-, Hybrid- und Metallbauteile deutlich energie- und ressourcensparender bearbeiten. Die Möglichkeit, bestehende Anlagen nachzurüsten und Cobots einzubinden, eröffnet neue Perspektiven für Produktivität und Nachhaltigkeit im gesamten Marktsegment.
KI unterstützt handwerkliche Expertise im Steinmetzhandwerk
„StoneCrackMon“ – Bildhauerei Diwo, Paderborn & Fraunhofer IOSB-INA, Lemgo
Der Steinmetz Michael Diwo und das Fraunhofer IOSB-INA zeigen, wie künstliche Intelligenz das Erfahrungswissen von Handwerkerinnen und Handwerkern ergänzt. Gemeinsam wurde eine KI-Software entwickelt, die Handwerkerinnen und Handwerker dabei unterstützt, mithilfe akustischer Signale Schäden an Stein- und Betonobjekten erkennt. Erfahrene Meister trainieren das KI-System – junge Fachkräfte profitieren dann von der trainierten KI bei der Bewertung und Erhaltung historischer Objekte.
Nachhaltige Backunterlage statt Einweg-Backpapier
„BakeTex“ – Fickenschers Backhaus GmbH & Fraunhofer-Anwendungszentrum TFK, Münchberg
In dieser Kooperation entwickelten Bäckerei (Geschäftsführender Gesellschafter Andreas Fickenscher), Forschungseinrichtung (Leiter Prof. Dr.-Ing. Frank Ficker) und der Textilhersteller Wilhelm Zuleeg GmbH gemeinsam eine langlebige, waschbare und schadstofffreie textile Backunterlage. Sie ersetzt herkömmliches Backpapier, spart Energie und vermeidet Abfall. Die digitale Nachverfolgbarkeit der Unterlage unterstreicht die Zukunftsfähigkeit der Lösung.
Sonderpreis „Ganzheitliche Nachhaltigkeit“: Hochleistungsyachten aus heimischen Hölzern
„Woy Yachts“ – Jan Brügge Bootsbau GmbH, Grödersby & Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde
Erstmals wurde das Vakuuminfusionsverfahren zur Verleimung von Bootsrümpfen erfolgreich auf Holz übertragen und patentiert. Das Ergebnis sind Hochleistungsyachten, die aus heimischen Hölzern und damit deutlich effizienter und nachhaltiger angefertigt werden können – ein potenziell wegweisender Ansatz für das gesamte Gewerk.
Lobende Erwähnungen (ohne Preisgeld):
Holz-Hybride für den Leichtbau
„SuMatHrA“ – Alfred Kiess GmbH, Stuttgart & Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Stuttgart
Ziel der Kooperation zwischen Schreinerbetrieb (CEO / CFO Tilo Kiess) und Wissenschaftspartner (Projektleiter Dr.-Ing. Thomas Feser) ist es, konventionelle Materialien im Leichtbau durch hybride Holzwerkstoffe zu ersetzen und damit neue Wege für nachhaltige Anwendungen zu eröffnen.
Heizung, Kühlung und Entfeuchtung in einem Designobjekt
„Clight multifunktionale Deckenlampe“ – Marius Krösser, Meister der Kälte- und Klimatechnik, M.Eng. Wirtschaftsingenieur (Kälte Klima Krösser, Steißlingen + HTWG Konstanz)
Weiterqualifizierung auch ins Akademische ist im Handwerk selbstverständlich – so sind in diesem Projekt Handwerker und Wissenschaftspartner ein und dieselbe Person. Marius Krösser hat eine LED-Deckenlampe mit einem integrierten Wärmetauscher entwickelt, die heizt, kühlt und entfeuchtet.
Der „Seifriz-Preis – Transfer Handwerk + Wissenschaft“ wird unter der Federführung von Handwerk BW durch den Verein Technologietransfer Handwerk e. V. in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftszeitschrift handwerk magazin vergeben. Partner des Preises sind die Holzmann Medien Gruppe sowie die Signal Iduna Gruppe für Versicherungen und Finanzen, die die Hauptpreise stiften. Der Sonderpreis wird von der IKK classic dotiert. Die Auszeichnung umfasst Preisgelder von insgesamt bis zu 25.000 Euro sowie die Teilnahme am Branchenevent „Zukunft Handwerk“, das am 4. und 5. März 2026 in München stattfindet.
PM Baden-Württembergischer-Handwerkstag e.V.