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Notwehr und Nothilfe, kann auch für gläubige Menschen nicht nur Recht, sondern insbesondere auch Verpflichtung sein

Knapp vierzig interessierte Jugendliche einer Kirchengemeinde aus dem Landkreis Göppingen, hatten im Februar 2016 an einem Selbstschutzseminar teilgenommen.

Übergriffe sind keine Seltenheit. Oftmals werden Menschen grundlos angepöbelt, beleidigt, bedrängt, in sexueller Manier belästigt, genötigt oder auch gleich niedergeschlagen. Erschreckend in direkter Anlehnung, ist auch der Sachverhalt, dass Tatzeugen immer öfter an Tatorten vorbeieilen, ohne situationsbedingte Nothilfe zu leisten. ( z. B. Polizei – Notruf 110)

Dieser Sachverhalt bietet Grund zur Sorge – doch wie kann man sich wirksam vor Übergriffen schützen?

Nun es gibt Lösungsansätze. Man darf dieses unangenehme Thema nicht einfach verdrängen – man muss darüber reden. Überdies bleibt es unbestritten, dass in Ausnahmelagen, in denen „kluge Worte“ nicht mehr weiter helfen, geeignete Maßnahmen zur Sicherung von Gesundheit und Leben erforderlich werden.

Nach einem kurzen Kennenlernen erfolgte die Einführung in das anspruchsvolle Thema. Besprochen wurden die verschiedenen Formen der Gewalt. (physisch, psychisch). Weiterhin wurden die Möglichkeiten der Gewaltprävention diskutiert. Die gewonnenen Erkenntnisse vermittelten ganz deutlich – man sollte sich in entsprechenden Bedrohungslagen schon auch mal wehren können. Unverzügliche Reaktionen sind gefragt. Man muss lernen, schnell aus einer eventuellen Schockstarre zu kommen. Befreiungsgriffe, wenn erforderlich auch Tritte, in Kombination mit einem lauten Überraschung – Kampfschrei, schaffen Freiraum um flüchten zu können – mehr muss nicht sein. Die Verwicklung in ein anhaltendes Kampfgeschehen ist nicht vorgesehen. Die Möglichkeiten gegen einen Straßenschläger im Kampf bestehen zu können, wären für einen ungeübten Menschen nahezu aussichtslos.

Der praktische Teil beginnt. Zwanzig Teilnehmerinnen stehen sichtlich angespannt, in einem großen Kreis um die Bodenmatten. Die Spannung muss raus – mit Meditation werden die Mädchen auf das zu erwartende Geschehen vorbereitet. Auch ein leichtes Aufwärmtraining ist fester Bestandteil der Unterweisung.

Ein sehr wichtiges Kriterium – laut reden mit fester Stimme, und auch der Überraschungskampfschrei. Aber das ist alles leichter gesagt als getan. „Hi“ wie ein leises Kichern klingt die Stimme der „Übenden“ am Anfang – aber das wird sich ändern. Die „Schüler“ werden lernen, die Angst vor einer erforderlichen Gegenwehr abzulegen.

Hochmotivierte Jugendliche christlichen Glaubens, mit einem erstaunlich schnellen Aufnahmevermögen, waren mit Elan bei der Sache. Geübt wurden verschiedene Schutz – und Befreiungstechniken bei Umklammerung, Haltegriffen, Fußtritten und Würgen.

Nach nahezu vier Stunden hatte die erste Gruppe die Hürden genommen. Anschließend kam die zweite Mannschaft in das Seminar.

Alle Teilnehmer haben gelernt wie man erkennbarer Gefahr aus dem Weg geht, wie man Passanten um Unterstützung auffordert, wie man in Schutzzonen flüchtet (Ladengeschäfte, Arztpraxen usw.) aber auch wie sich die eigenen „Körperwaffen“ insbesondere dazu eignen, den erforderlichen Fluchtweg zu schaffen.

Ein ernsthaftes Thema – doch ich denke, auch Spaß und Unterhaltung sind nicht zu kurz gekommen.

Brandner, Dozent in der Gewaltprävention / Rettungsdienst

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