Katholisches Dekanat: Hilfreich sind Begegnungen

Die Sorgen der Menschen, dass die Gesellschaft an die Grenze ihrer Belastbarkeit in der Flüchtlingsfrage kommt, haben die beiden Sozialverbände KAB und Kolping und das Forum Thomas vom Katholischen Dekanat Göppingen-Geislingen aufgegriffen und einen hochinteressanten Diskussions- und Informationsabend in Göppingen, St. Maria veranstaltet.
Podium
Der bischöfliche Flüchtlingsbeauftragte der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Dr. Thomas Broch, wünscht sich „eine human bleibende Gesellschaft“, in der die Menschlichkeit wesentlicher Bestandteil sei. „Die derzeitigen Veränderungen tun weh“, meint er und ist sich bewusst, dass auch die Kirche sich neu interkulturell aufstellen muss. Er betont in seinem Statement zudem: „Es wird kein Spaziergang“ – ist sich aber sicher, dass „die Zivilgesellschaft stark genug ist, es zu schaffen“. „Es bedarf hierzu einer bunten Palette von Maßnahmen“, denkt er. Zunächst kosten die Flüchtlinge was, aber es wird sich rechnen. „Und auf die vielen Fragen gibt es nicht die eine Lösung“, ist er sich sicher.

Auch der Sozialdezernent vom Landkreis Göppingen, Hans-Peter Gramlich, ist ebenfalls überzeugt, „dass wir es schaffen werden“, gleichwohl die Verwaltung sich bei der Beschaffung von Unterkünften schwer tut. Er baut im Wesentlichen auf die Solidarität der Städte und Gemeinden und kann berichten: „Wir sind da auf einem guten Weg“. Insgesamt gibt es für 2079 Asylsuchende 64 Gemeinschaftunterkünfte in 31 von 38 Kommunen. Die Verwaltung ist derzeit auf der Suche nach Anschlussunterbringungen für die Flüchtlinge und nach Gastfamilien für unbegleitete Jugendliche.

Der Leiter vom Polizeirevier Göppingen, Konrad Aichinger, hat in seinen Ausführungen differenziert zwischen der objektiven und subjektiven Angst, die in der Bevölkerung herrscht. Die Straftaten bei den Flüchtlingen entstehen im Wesentlichen in der Aggression untereinander und sind nachvollziehbar, wenn sehr viele Menschen auf engstem Raum miteinander leben müssen. Er wünscht sich eine stärkere Ausdifferenzierung, denn alle Straftaten, die ein Ausländer/in begeht, werden den Asylanten zugerechnet. Er empfiehlt allen „die Stadt zu bewohnen, damit sich die Menschen darin wohlfühlen“. Für die Polizei ist nur die Straftat wichtig, nicht die Ethnie.

Der katholische Stadtdiakon Köngeter berichtet von seinen Begegnungen. Er ist überrascht wie viele Menschen sich dem Thema ehrenamtlich annehmen. Nach monatlicher Flucht berichten die Asylsuchenden von Verfolgung, Gefängnis, Folter – was wir uns kaum vorstellen können. Auch berichtet er von Kindern, die über Jahre hinweg keine Schule gesehen haben. Seine Bitte ist, mit Blick auf die Flüchtlinge, die Armen hier in unserem Land nicht gegeneinander auszuspielen. „Barmherzigkeit, Mitgefühl und Hoffnung sind Maßstäbe, die uns als Christen wichtig sind“. Beim wöchentlichen Kontakt in Pauls Café wird die Fremdartigkeit in ein neues Licht gerückt und es passiert viel in den Köpfen. Berührungsängste gehen verloren und „ich nehme einen Gott wahr, der für Überraschungen gut ist“, führt Köngeter aus.

 

Felix Müller, Dekanatsreferent

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