ver.di Baden-Württemberg fordert die Landesregierung auf, endlich und nachhaltig Verantwortung für die anhaltende Krise der Kinder- und Jugendhilfe im Land zu übernehmen. Die Gewerkschaft hat dieses Anliegen bundesweit wiederholt an die Fachpolitiker:innen und im September 2025 bewusst an die Finanzminister:innen der Länder und des Bundes adressiert, hier an Finanzminister Dr. Danyal Bayaz. In Baden-Württemberg hat dennoch Sozialminister Lucha als zuständiger Fachminister geantwortet.
Hanna Binder, stellvertretende Landesbezirksleiterin von ver.di Baden-Württemberg: „Wir erleben hier seit Jahren das gleiche Muster. Wenn es um die chronische und zunehmende Unterfinanzierung der Kinder- und Jugendhilfe geht, zeigt die Landesregierung auf andere Ebenen und blendet die eigene Verantwortung systematisch aus. Das ist klassische Verantwortungsdiffusion. Doch die Kinder- und Jugendhilfe bricht vor Ort zusammen, unabhängig von der Zuständigkeit.“
Das Grundgesetz (Art. 72 Abs. 2 i.V.m. Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG) gibt vor: „Der Bund ist verpflichtet, für gleichwertige Lebensverhältnisse zu sorgen. Und die Länder müssen dafür sorgen, dass die Kommunen die notwendigen Mittel erhalten.“
In der Antwort des Sozialministeriums wird dagegen betont, dass der Bund mehr Verantwortung übernehmen müsse und dass die Kommunen für die Leistungserbringung zuständig seien.
ver.di hält dem entgegen:
Die Kommunen stemmen aktuell über 80 Prozent der Kosten der Kinder- und Jugendhilfe.
Der Landesanteil im kommunalen Finanzausgleich berücksichtigt den tatsächlichen Bedarf der Kinder- und Jugendhilfe nicht ausreichend.
Die Fachkräftesituation an Hochschulen, Fachschulen, Jugendämtern, in Kitas und Einrichtungen der stationären Jugendhilfe spitzt sich weiter zu – auch weil das Land zu wenig tut, um Ausbildungskapazitäten zu erhöhen oder attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen.
„Dass das Land sich hier als engagierten Akteur darstellt, steht im klaren Widerspruch zur Realität in den Jugendämtern und Einrichtungen“, so Sabine Leber-Hoischen, Vorsitzende der ver.di-Landesfachgruppe Erziehung, Bildung und Soziale Arbeit. „Wir bekommen täglich Rückmeldungen von Beschäftigten, die am Limit arbeiten. Die gesetzlichen Aufgaben des SGB VIII können längst nicht mehr überall erfüllt werden.“
ver.di fordert die Landesregierung erneut auf, ihre Pflicht wahrzunehmen und Prävention auskömmlich zu finanzieren und die immer wieder befristete Projektlogik endlich zu beenden. Fachkräfte halten gelingt nur mit guten Arbeitsbedingungen und ausreichend Kolleg:innen. Unbesetzte Stellen und aktuell viele Stellenbesetzungssperren führen zu einer weiteren Flucht aus den Berufen durch chronische Überlastung des Bestandspersonals.
„Solange das Land sich aus der Verantwortung stiehlt, werden Kinder, Jugendliche, Familien und Fachkräfte die Leidtragenden bleiben“, so Leber-Hoischen.
ver.di steht bereit, notwendige Reformen kritisch-konstruktiv zu begleiten und erwartet von der nächsten Landesregierung endlich konkrete Schritte statt weiterer Verweise auf andere Ebenen.
Vertiefte Informationen zu den ver.di Aktivitäten dazu:
PM ver.di Landesbezirk Baden-Württemberg