Mit MINT- und Begabtenförderung das Land zukunftsfest machen – Ganzheitliche MINT-Bildung als Grundlage unserer Wirtschaftskraft stärken
Der Anspruch der baden-württembergischen Bildungspolitik lautet: alle Kinder in den Blick nehmen, das Potenzial aller Schülerinnen und Schüler fördern. Das gilt für Kleine und Große, für Schülerinnen und Schüler mit großen Herausforderungen genauso wie für die besonders Begabten. Die Landesregierung will die Breite und die Spitze fördern. Gleichzeitig hat Baden-Württemberg einen besonders hohen Bedarf an MINT-Fachkräften. Das liegt an der Wirtschaftsstruktur des Landes, in dem bundesweit anteilig die meisten Beschäftigten in MINT-Berufen arbeiten. Laut Bundesagentur für Arbeit sind es fast 27 Prozent. Darüber hat Kultusminister Andreas Jung am Dienstag (13. Oktober) im Kabinett berichtet.
„Wir stehen an einem Wendepunkt. Der Wohlstand der Welt sucht sich gerade ein neues Zuhause. Wir haben hier als Land viel; wir haben hier aber auch viel zu verlieren. Deshalb brauchen wir Köpfe, gut ausgebildete junge Menschen gerade in den MINT-Berufen. MINT ist die Kernqualifikation einer Transformationsgesellschaft. Wir brauchen MINT-Fachkräfte an der Spitze und in der Breite. Die Exzellenzförderung mit dem MINT-Gymnasium für Hochbegabte in Bad Saulgau gehört dabei genauso zu unserer DNA wie die Stärkung der MINT-Begeisterung vom Kindergarten an. Genau das tun wir mit einer MINT-Gesamtstrategie fürs gesamte Land“, sagte der stellvertretende Ministerpräsident und Innenminister Manuel Hagel im Anschluss an die Sitzung des Ministerrates.
Praxisleitfaden entlang der Bildungskette
MINT-Kompetenzen werden als Grundlage für Teilhabe und Innovationskraft immer bedeutender. MINT ist folglich ein zentraler Baustein der Bildung in Baden-Württemberg. Die MINT-Strategie der Landesregierung dient als verbindlicher landesweiter Steuerungsrahmen in der MINT-Bildung.
Kultusminister Andreas Jung: „Es geht bei der Landes-Strategie vor allem auch darum, junge Menschen für MINT-Berufe zu begeistern. Nur wenn wir bei Technologie und Innovation auch künftig an der Spitze stehen, bleiben wir das starke Wirtschaftsland im Südwesten.“
Eine Roadmap – gemeinsam mit dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft erstellt – wird die Umsetzung der Strategie konkretisieren, also Empfehlungen geben, wie die MINT-Bildung auf den unterschiedlichen Ebenen verbessert werden kann. Der „Orientierungsrahmen MINT-Bildung an Schulen in Baden-Württemberg“ dient für die gesamte Bildungskette zur Bestandsaufnahme und als Leitfaden für die Praxis. Ein MINT-Lenkungskreis mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft steuert den Prozess. Ein MINT-Sonderbeauftragter wurde bestellt und mittels Netzwerkarbeit werden Wissen und Erfahrungen geteilt, um die Schulentwicklung mit MINT-Blick voranzubringen. MINT soll verbindlicher Bestandteil von Unterrichtsqualität, Schulaufsicht, Partnerkooperation und Talentförderung sein.
MINT-Länd in der Bildung bis 2037
Im Koalitionsvertrag ist gleichzeitig eine Stärkung der Studienplatzkapazitäten im MINT-Bereich niedergeschrieben, die Lehrkräfteausbildung soll dementsprechend weiterentwickelt werden. Die Innovationen aus der Bildungsreform – etwa das neue verpflichtende Fach „Informatik und Medienbildung“ ab Klasse 5 oder die Stärkung der anderen Naturwissenschaften – sind gerade am Hochwachsen. Und Baden-Württemberg nimmt nun Mathematik, Naturwissenschaften, Digitalisierung und Technik mit der MINT-Strategie noch stärker in den Blick.
Das Land will MINT-Länd in der Bildung werden. Die Anzahl der Schülerinnen und Schüler, die die Mindeststandards in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern unterschreiten, soll bis 2037 deutlich reduziert, die Zahl derjenigen mit Optimalstandard deutlich gesteigert werden. Signifikant mehr sollen sich bei schulischen Wahlmöglichkeiten zugunsten des MINT-Bereichs entscheiden – und nach der Schule eine Ausbildung oder ein Studium mit MINT-Bezug absolvieren. In der Schulentwicklung soll MINT dann strukturell verankert sein.
MINT-Exzellenzgymnasium schließt Lücke
Verankert ist im Südwesten bereits die Hochbegabten- und Begabtenförderung. Das Land steht im Schulbereich mit dem Landesgymnasium für Hochbegabte in Schwäbisch Gmünd, den Hochbegabtenzügen an 14 Gymnasien, seinen 68 Hector-Kinderakademien oder 31 außerschulischen Forschungszentren alles andere als am Anfang. Dennoch zeigen die Ergebnisse der PISA-Studie oder des IQB-Bildungstrends, dass auch der Anteil von Schülerinnen und Schülern, die den Optimalstandard erreichen, zu gering ist. „Wir müssen unseren Fokus auch auf die besonders Begabten in unseren Klassen legen und die Hochbegabten optimal fördern. Wir brauchen sie, um mit Technologieführerschaft unseren Wohlstand nachhaltig zu sichern“, sagte Jung.
Am Montag (12. Oktober) wurde zudem offiziell das MINT-Exzellenzgymnasium in Bad Saulgau eröffnet. „Damit schließen wir eine Lücke in der Begabtenförderung, setzen bundesweit ein Zeichen für Exzellenzförderung und schaffen den Nährboden für die MINT-Käpsele im Südwesten“, sagte der Kultusminister. Durch seine spezifische Ausrichtung in den Modulen Wirtschaft und Universität ist das Gymnasium ein Innovationslabor für die Spitzenförderung im ganzen Land. Von ihm werden entscheidende Impulse für die Umsetzung von Projekten der Kooperation zwischen Schulen, Unternehmen und Hochschulen ausgehen.
Richtige Richtung
Spitzenleistungen erreichen Schülerinnen und Schüler mit entsprechender schulischer Förderung wie im MINT-Exzellenzgymnasium in Bad Saulgau oder im Landesgymnasium für Hochbegabte in Schwäbisch Gmünd. Um die „Käpsele“ zu erkennen und zu fördern, werden Schulleitungen und Lehrkräfte qualifiziert. Neben diversen Fortbildungsangeboten des Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung steht weiteres Unterstützungsmaterial über den „Orientierungsrahmen Begabtenförderung“ und die Rahmenkonzeption „Starke Spitze“ zur Verfügung.
Die Begabten und den MINT-Sektor in den Blick nehmen: Das hilft gerade Baden-Württemberg dabei, sich zukunftsfest zu machen. Die Entwicklung hin zu noch mehr technologischer und digitaler Transformation aller Lebens- und Arbeitsbereiche ist ein weiterer Beleg für die richtige Richtung des Koalitionsvertrags in der Bildung. „Begabtenförderung und MINT-Bildung in allen Bereichen sind äußerst relevant für die Zukunft unserer Bürgerinnen und Bürger, unserer Wirtschaft, unserer Gesellschaft“, sagen Hagel und Jung unisono. Zumal MINT als Querschnittsqualifikation auch für andere Sektoren relevant ist. Egal ob Handwerk, Gesundheit, Energiewirtschaft, Bauwirtschaft oder Mobilität.
Weitere Informationen
MINT-Strategie
- Im Koalitionsvertrag wurde vereinbart, dass die MINT-Strategie weiterentwickelt und diese mit den dafür erforderlichen organisatorischen Strukturen und unter Einbeziehung von Akteuren der vielfältigen MINT-Landschaft in Baden-Württemberg umgesetzt wird. Damit wird das Ziel verfolgt, die Kompetenzen der Lernenden in der Breite und der Spitze zu fördern, die Zusammenarbeit in der Fläche zu stärken und junge Menschen für MINT-Berufe zu begeistern.
- Arbeitsgruppen zu den drei Hebeln MINT-Unterrichtsqualität, Kooperation mit außerschulischen Partnern und MINT in der datengestützten Schulentwicklung werden installiert.
- Der MINT-Orientierungsrahmen, das Strategiepapier und eine Roadmap sollen für Unterstützung und Rahmenvorgaben sorgen.
Begabtenförderung
- Im Koalitionsvertrag wurde vereinbart, die Leistungsstarken in den Blick zu nehmen und die Begabten- sowie Hochbegabtenförderung mit einem landesweit kohärenten Konzept der Begabtenförderung zu stärken.
- Bestehende Strukturen sollen ausgebaut und weiterentwickelt werden. Im Fokus sollen etwa Hochbegabtenzüge, das Landesgymnasium für Hochbegabte, der Auf- und Ausbau des MINT-Exzellenzgymnasiums und die Angebote der Hector-Stiftung stehen.
- Damit Lehrkräfte Begabungen noch besser erkennen und individuell fördern, soll gleichzeitig die Begabtenförderung in Aus- und Fortbildung stärker verankert werden.
- Zusätzliche Infos zur Begabtenförderung in Baden-Württemberg sind hier abrufbar.
PM Staatsministerium Baden-Württemberg