Der Kampfmittelbeseitigungsdienst Baden-Württemberg hat auch vergangenes Jahr erfolgreich Bomben der Weltkriege entschärft und kontrolliert gesprengt. Es wurden in diesem Jahr mehr Kampfmittel, Waffen und Munition vernichtet.
Der Kampfmittelbeseitigungsdienst Baden-Württemberg (KMBD) im Regierungspräsidium Stuttgart (RPS) hat 2025 insgesamt 19 Bombenblindgänger (2024: 13 Bomben) mit einem Gewicht von je mindestens 50 Kilogramm im Land unschädlich gemacht. Davon konnten 17 Bomben von den Feuerwerkerinnen und -werkern entschärft werden, zwei mussten kontrolliert gesprengt werden.
„Auch im vergangenen Jahr haben die Fachleute des Kampfmittelbeseitigungsdiensts maßgeblich dazu beigetragen, die Bevölkerung in Baden-Württemberg vor gefährlichen Hinterlassenschaften der beiden Weltkriege zu schützen“, sagte Regierungspräsidentin Susanne Bay. „Die Funde führen uns immer wieder vor Augen, wie lange die Folgen von Kriegen nachwirken und wie wichtig es ist, sich dauerhaft für Frieden und Stabilität einzusetzen.“
Neben den 19 Bombenblindgängern, deren Funde oft zu umfangreichen Absperr- und Evakuierungsmaßnahmen in den betroffenen Städten führten, mussten die Fachleute des KMBD täglich mehrfach ausrücken, um aufgefundene Kampfmittel und Munition zu bergen und einer ordnungsgemäßen Vernichtung zuzuführen. Bei insgesamt 930 Einsätzen (2024: 811 Einsätze) sammelten sie so rund 18,8 Tonnen Kampfmittel und Munition (2024: 16,6 Tonnen) ein, die auf Baustellen, Privatgrundstücken oder in freier Natur entdeckt worden waren. Transportsichere Fundstücke wurden auf das Gelände des KMBD gebracht, dort zwischengelagert und anschließend zu einer speziellen thermischen Vernichtungsanlage transportiert. Anderenfalls werden die Kampfmittel direkt vor Ort kontrolliert gesprengt und damit vernichtet.
Zentrale Waffenannahme vernichtet mehr Waffen und Munition
In der ebenfalls beim KMBD angesiedelten zentralen Waffenannahme für die Behörden des Landes Baden-Württemberg wurden im Jahr 2025 rund 26.100 Waffen mit einem Gesamtgewicht von mehr als 36,2 Tonnen (2024: rund 22.500 Waffen, Gesamtgewicht etwa 35 Tonnen) angeliefert. Zusätzlich hat die zentrale Waffenannahme von Polizeidienststellen, Waffenbehörden und anderen Dienststellen des Landes 8,4 Tonnen Munition (2024: 8,1 Tonnen) entgegengenommen.
Rückgang der abgesuchten Flächen
Mit 99.565 Quadratmetern (2024: 485.576 Quadratmeter) ist die vom KMBD nach Kampfmitteln abgesuchte Gesamtfläche im Jahr 2025 deutlich zurückgegangen. Zum Vergleich: Das entspricht der Fläche von etwa 14 Fußballfeldern (2024: etwa 69 Fußballfelder).
Magnetangeln sorgt weiterhin regelmäßig für Gefahr
Etwa 40- bis 50-mal musste der KMBD im vergangenen Jahr ausrücken, um Kampfmittelfunde von sogenannten Magnetanglerinnen und -anglern abzutransportieren und zu vernichten. Diese Funde von nicht fachkundigen Personen sind besonders gefährlich, da Funktionsweise und Zustand des Kampfmittels von Laien zumeist nicht beurteilt werden können. „Wir beobachten dieses Hobby weiterhin mit Sorge“, sagte Bay. Was für manche ein spannender Freizeitvertreib ist, kann zum Beispiel in bebautem Gebiet oder belebter Umgebung schnell zu einer großen Gefahr für andere Menschen werden.
„Die Arbeit des Kampfmittelbeseitigungsdiensts Baden-Württemberg ist von zentraler Bedeutung – besonders, da die Kampfmittel mit zunehmendem Alter immer gefährlicher werden. Die Expertinnen und Experten des KMBD verdienen dafür große Anerkennung und höchsten Respekt. Das gilt ebenso für die Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Hilfsorganisationen, die dabei eng und effektiv zusammenarbeiten. Allen Beteiligten danke ich herzlich für die reibungslose Kooperation. Mein besonderer Dank gilt neben den hauptamtlichen Kräften auch den zahlreichen Ehrenamtlichen, die in solchen Ausnahmesituationen zum Wohl unserer Gemeinschaft ihren Dienst leisten“, sagte Regierungspräsidentin Bay.
Hintergrundinformationen:
Im zweiten Weltkrieg wurden etwa 1,35 Millionen Tonnen Munition auf das Gebiet des damaligen Deutschen Reichs abgeworfen. Alleine auf das Land Baden-Württemberg entfielen rund 100.000 Tonnen Abwurfmunition. Hiervon detonierten etwa 10 bis 15 Prozent nicht, sodass noch viele Bombenblindgänger in Baden-Württembergs Böden und Gewässern zu vermuten sind. Um diese Gefahren zu beseitigen, unterhält das Land Baden-Württemberg beim Regierungspräsidium Stuttgart den Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD), der für das gesamte Landesgebiet zuständig ist, um aufgefundene Kampfmittel zu bergen, entschärfen und vernichten.
Blindgänger – also Kampfmittel aus dem zweiten Weltkrieg wie Granaten, Patronen, Minen oder auch Bomben, die unter anderem über den Industriezentren Baden-Württembergs wie Stuttgart, Mannheim, Karlsruhe, Heilbronn, Friedrichshafen und Ulm abgeworfen wurden, aber nicht detoniert sind, stellen bis heute eine erhebliche Gefährdung für die Bevölkerung dar. Wann immer Blindgänger gemeldet werden oder Bauvorhaben auf Geländen anstehen, die über die Luftbildauswertung als besonders gefährdet gelten, kommt der KMBD zum Einsatz.
Die Spezialistinnen und Spezialisten des KMBD sind rund um die Uhr verfügbar und übernehmen den Abtransport und die Vernichtung. Durch die voranschreitende Materialermüdung der Kampfmittel, wie Zünderteile und Sprengstoffe, nimmt das Gefahrenpotenzial und das Risiko der Selbstdetonationen zu. In diesen Fällen ist es erforderlich, dass das Kampfmittel vor Ort gesprengt wird. Hier sind dann umfangreiche Absperrungen und Evakuierungen notwendig, um die Sprengung ohne Gefährdung Dritter durchzuführen.
1946 wurden erstmals Sprengkommandos eingesetzt, die mit Fachleuten besetzt waren und so eine fachgerechte Beseitigung der Munition gewährleisteten. Hieraus entstand der KMBD. Zum 1. Mai 1971 wurde die Zuständigkeit auf das Regierungspräsidium Stuttgart übertragen.
Derzeit sind 33 Mitarbeitende beim KMBD beschäftigt – darunter neun Feuerwerkerinnen und Feuerwerker, zwölf Munitionsarbeiter und sieben Luftbildauswerterinnen und -auswerter. Bis zu neun Teams rücken täglich aus, um Blindgänger und Munition des zweiten Weltkriegs zu bergen. Ein Rufbereitschaftsdienst stellt die Einsatzfähigkeit rund um die Uhr und an Wochenenden und Feiertagen sicher. Leiter des KMBD ist Ralf Vendel, sein Stellvertreter ist Mathias Peterle.
Informationen zum Umgang mit Munitionsfunden können Sie dem Informationsblatt „Maßnahmen und Verhaltensregeln beim Auffinden von Fundmunition“ des KMBD entnehmen.
PM Regierungspräsidium Stuttgart