Göppingen: Parallelen und Unterschiede kennengelernt

Wie arbeiten die Verwaltungen in Göppingen und Klosterneuburg, auf welchen Gebieten können die Mitarbeiter/-innen von den Erfahrungen der jeweiligen Kolleginnen und Kollegen profitieren? Diesen Fragen gingen acht Führungskräfte aus dem Göppinger Rathaus drei Tage lang in der niederösterreichischen Partnerstadt nach.

SONY DSCDie Führung durch das Klosterneuburger Rathaus offenbarte Parallelen zu den Göppinger Verwaltungsgebäuden: Vier – inzwischen miteinander verbundene – Gebäude sind verwinkelt und nicht barrierefrei. Eventuell steht deshalb 2017 ein Umzug an: Angesichts der geplanten Auflösung des Bezirks Wien-Umgebung soll untersucht werden, ob das bisherige Gebäude der Bezirkshauptmannschaft von Teilen der Gemeindeverwaltung genutzt werden kann. Das würde eine millionenschwere Generalsanierung ersparen, zumal alle Kriterien einer modernen Verwaltung wie Barrierefreiheit, Arbeitsplatzsituation und zentraler Lage erfüllt wären. Immerhin 120 der rund 400 Mitarbeiter/-innen sind bislang im Rathauskomplex untergebracht.

„Die Stadtgemeinde Klosterneuburg wäre in einem künftigen Bezirk Tulln die mit Abstand größte Gemeinde und die einzige Stadt Niederösterreichs, die als größter Teil eines Bezirkes nicht Bezirkshauptstadt wäre, geschweige denn der Bezirk nach ihr benannt würde“, erläuterte Bürgermeister Mag. Stefan Schmuckenschlager den Göppinger Gästen die aktuelle kommunalpolitische Lage. „Daher begehrt die Stadtgemeinde Klosterneuburg ein eigenes KFZ-Kennzeichen, um die hohe Identifikation der Bewohner mit der Stadtgemeinde widerzuspiegeln.“ Das KFZ-Kennzeichen „KG“ für Klosterneuburg wäre das Mindeste, dass sich die Klosterneuburger erwarten.

Überrascht waren die Göppinger Mitarbeiter/-innen von der Zeitaufteilung in Teilen des Rathauses: Bürgersprechzeit an eineinhalb tagen, ansonsten Bearbeitungszeit. Ausführlich dargestellt wurde der kooperative Planungsprozess Magdeburgkaserne mit einer umfangreichen Bürgerbeteiligung, in deren Verlauf rund 1.000 Vorschläge aus der Bevölkerung eingingen, geprüft und abgewogen wurden. In den nächsten Jahrzehnten sollen dort 700 bis 800 Wohnungen für rund 2.000 Einwohner/-innen entstehen. Auch die Entwicklung und Umsetzung der einheitlichen Dachmarke Klosterneuburg stieß auf reges Interesse. Bei der Kinderbetreuung zeigten sich interessante Unterschiede. Das letzte Jahr vor der Einschulung ist ein Kindergartenbesuch verpflichtend. Der Vormittagsbesuch ist kostenfrei, nur für die Nachmittagsbetreuung müssen die Eltern bezahlen. Schließlich wurde noch die Online-Familienmatrix vorgestellt.

Bei der Stiftsführung trafen die Göppinger natürlich auf Agnes von Waiblingen, die als Gemahlin des Markgrafen Leopold ein Bindeglied zwischen Staufer und Babenberger darstellt. Nach dem 900-jährigen Jubiläum des Stifts Klosterneuburg in 2014 steht heuer die 400-Jahr-Feier des österreichischen Erzherzoghuts im touristischen Mittelpunkt. Durch die Weinbauschule, genauer gesagt durch die höhere Bundeslehranstalt und das Bundesamt für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg, das österreichische Lehr- und Forschungszentrum für Wein- und Obstbau, führte Direktor Dipl.-Ing. Dr. Reinhard Eder. Und auch dort gab es mit Brennkesseln der Firma Christian Carl Spuren aus dem Filstal. 190 Schüler/-innen, davon ungefähr 30 Prozent weiblich, werden in sieben Klassen unterrichtet. 140 Schüler/-innen im Alter zwischen 15 und 20 Jahren wohnen im angeschlossenen Heim. In einem Klassenzimmer fiel den Göppingern nicht nur eine Kombination aus klassischer, aufklappbarer Kreidetafel mit dahinterliegendem Whiteboard auf (Eger: „So kann jeder Lehrer selber entscheiden, was er nutzen möchte“), sondern auch drei Ergometer mit Schreibfläche. Je drei Schüler/-innen „dürfen“ sich während des Unterrichts sportlich betätigen; nach 20 Minuten erfolgt der Wechsel. Dies dient, so Eger, nicht nur der besseren Durchblutung, sondern auch dem Aggressionsabbau.

Das Institute of Science and Technology Austria (IST Austria) ist eine Forschungseinrichtung in Österreich, die nach dem Vorbild internationaler Einrichtungen wie dem Weizmann-Institut, der Max-Planck-Institute oder der Rockefeller University Spitzenforschung betreiben soll. Im Unterschied zu Universitäten werden keine Grundstudien, sondern ausschließlich ein interdisziplinäres PhD-Programm (wissenschaftliches Forschungsdoktorat oder Doktorstudium) angeboten. Grundlage des Instituts ist ein eigenes Gesetz, das im März 2006 beschlossen wurde. Das Institute of Science and Technology Austria hat seinen Sitz in Maria Gugging, einem Stadtteil von Klosterneuburg, auf dem Gelände des ehemaligen Nervenkrankenhauses. Mit einem Zehn-Jahres-Etat 2016 bis 2026 von einer Milliarde Euro ausgestattet, sollen die aktuell 40 Forschungsgruppen auf 90 Teams ausgebaut werden. Erhalten geblieben sind das Museum und die Galerie Maria Gugging, deren Künstler in den 1990er Jahren auch in Göppingen ausgestellt haben. Olaf Hinrichsen überreichte Geschäftsführerin Dr. Brigitte Schlögl die neuen Kunstbücher der Kunsthalle Göppingen – vielleicht erwachsen aus dem Besuch neue Kooperationen. Ebenfalls auf dem IST A-Gelände besichtigte die Gruppe ein Wasserrückhaltebecken, als Hochwasserschutzmaßnahme von EU, Österreich und Niederösterreich stark gefördert.

Die Welt ist klein – diese Binsenwahrheit bestätigte sich bei der Besichtigung des österreichischen Parlaments in Wien. Der Führer kommt zwar aus Tirol, hat aber Beziehungen ins Stauferland und ist deshalb am Wochenende oft im Café Bozen anzutreffen … Beeindruckt war die Gruppe nicht nur vom historischen Sitzungssaal, vom Etat-Saal, dem Bundesratssaal und dem Kabinettssaal, den die Göppinger Delegation auch besichtigen durfte. Überrascht waren die acht vor allem vom Empfang durch den Zweiten Präsidenten des Nationalrates (entspricht dem Deutschen Bundestag) Karlheinz Kopf. Er stammt aus Vorarlberg, doch ein Großteil seiner Büromitarbeiter/-innen kommt aus Klosterneuburg. Mag. Katharina Danninger konnte somit ein dreiviertelstündiges Gespräch der Göppinger mit dem Zweiten Präsidenten und mit Nationalrat (entspricht einem Bundestagsabgeordneten) Johannes Schmuckenschlager organisieren. Dabei ging es um aktuelle Flüchtlingsfragen ebenso wie um die nachlassende Bindungskraft der früheren Volksparteien, verbunden mit der Aufsplitterung der Fraktionen in den Parlamenten.

 

Foto: Wirtschaftsförderin Christine Kumpf, die Fachbereichsleiter/-in Jürgen Gröger (Immobilienwirtschaft), Werner Hauser (Tiefbau, Umwelt, Verkehr und Vermessung) und Susanne Mehlis /Stadtentwicklung, Stadtplanung und Baurecht), die Referatsleiter/-innen Olaf Hinrichsen (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit), Michaela Mühlig (Gremienarbeit und Wahlen) und Ulrike Haas (Kinder und Jugend) sowie Britta Grünwald, persönliche Referentin der Ersten Bürgermeisterin, mit Klosterneuburgs Bürgermeister Mag. Stefan Schmuckenschlager und Stadtamtsdirektor Michael Duscher (oben) sowie mit dem Zweiten Präsidenten des Nationalrates Karlheinz Kopf und Nationalrat Johannes Schmuckenschlager (unten).

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