Rettungshunde im Einsatz: Riechen, suchen, retten

Die Rettungshundestaffel des DRK-Kreisverband Göppingen trainiert im Wald: Gesucht und gefunden wird fast alles, geübt wird auch mit echtem Leichengeruch – der auch für empfindliche Hundenasen sehr unangenehm ist.

Heinz liegt irgendwo im Wald. Allein. Und muss gefunden werden. „Heinz“ ist eine Übungspuppe, und Ausbilder Axel Hehl hat ihn irgendwo im Wald abgelegt. Jetzt ist es Aufgabe eines jungen Labradors, Heinz zu finden. Der Labrador und seine Führerin sind in der Rettungshunde-Ausbildung. „Zwei bis drei Jahre dauert es, bis aus einem normalen Hund ein Rettungshund geworden ist“, sagt Jörg Bertermann. Der stellvertretender Bereitschaftsleiter, Gruppenführer und Fachberater Rettungshunde beim DRK-Kreisverband Göppingen ist zusammen mit Ausbilder Axel Hehl und den Rettungshunde-Teams – also Hund und Hundeführer*in – im Wald zwischen Holzheim und Schlat unterwegs, um für den Ernstfall zu üben.

Die Hundeführerin zeigt in den Wald, der junge Labrador springt über einen schmalen Graben und verschwindet im Unterholz. Ohne Leine, aber mit deutlich sichtbarer „Hundeweste“ mit dem roten Kreuz. Zu hören ist das Glöckchen, das der Hund um den Hals trägt. 45.000 Quadratmeter Waldfläche kann ein ausgebildeter Rettungshund pro Stunde zuverlässig absuchen. „Flächensuchhund“ heißt er dann, daneben gibt es auch noch Hunde, die Gerüche verfolgen können, also mit einer Geruchsprobe einer zu suchenden Person losziehen und diese dann finden können, „Mantrailer“ heißen sie im Fachjargon. Trümmersuchhunde gibt beim DRK in Göppingen nicht. Die sieben Teams waren in diesem Jahr bislang zehn Mal im Einsatz.

Ältere Menschen, die die Orientierung verloren haben, Kinder, die nicht mehr aus dem Wald finden, auch Menschen, die einen Suizid angekündigt haben, werden von den Rettungshunden gesucht. Vor allem im Wald, das ist die Domäne der Rettungshunde. „Auf dem freien Feld ist die Drohne schneller und effektiver“, so Jörg Bertermann. Im unübersichtlichen Gelände freilich sind die Rettungshunde unschlagbar. Geübt wird im Wald bei Holzheim vor allem die Suche nach lebenden Personen. Das ist die Hauptaufgabe der Rettungshunde. Trainiert wird aber auch die Suche nach Leichen. „Es kann ja sein, dass die zu suchende Person schon verstorben ist“, sagt Jörg Bertermann. Und dafür braucht es Leichengeruch. Ein Eimer mit Teilen aus der Chirurgie – „alle Operierten haben in die Verwendung eingewilligt“ – steht neben Heinz, der allein nur nach Übungspuppe und nicht nach Leiche riecht. „Heinz und den Eimer mit dem Leichengeruch riechen die Hunde schon aus 150 Metern Entfernung“, erläutert Jörg Bertermann. Und wenn sie ihn riechen, zeigen sie das an. Bleiben stehen und/oder drehen ab. Denn: Auch für Hunde ist der Geruch unangenehm, sie nehmen ihn als Bedrohung war – für sich und auch für ihren menschlichen Partner. „Die Hundeführerin muss jetzt sehr aufmerksam sein.“ Sobald sie Anzeichen wahrnimmt, das ihr Labrador die Witterung aufgenommen hat, folgt das, was die Ausbilder „drei A“ nennen. Und das heißt: den Hund anleinen, anfassen und ansprechen. Ihm Vertrauen und Sicherheit geben. Und ihn so dazu zu bringen, weiter in Richtung des unangenehmen Geruchs zu laufen, damit Heinz auch gefunden werden kann. Aber: Auch an der Leine dreht der junge Labrador erstmal ab, läuft in einem Bogen durch das Unterholz, weg von Heinz. Will sich und seine Führerin in Sicherheit bringen. Dann, nach erneuerter Ansprache, fasst er sich ein Herz und läuft wieder in Richtung des Geruchs. Findet Heinz und muss erstmal gelobt werden.

„Vor allem für die Angehörigen ist das Finden eines Verstorbenen wichtig“, weiß Jörg Bertermann. Damit sie Gewissheit haben. Harte Arbeit und viel Selbstüberwindung ist das aber für die Rettungshundeteams. Typische Hunderassen, die zum Rettungshund ausgebildet werden können, sind „Hütehunde und Gebrauchshunde“, sagt Jörg Bertermann. Bordercollies, Australian Shepherds, Labradore, auch Golden Retriever eignen sich und gehen mit viel Elan auf die Suche.

Spendensammlung für neues Einsatzfahrzeug

Die Rettungshundestaffel des DRK Göppingen benötigt zur Aufrechterhaltung ihrer Einsatzfähigkeit und für den sicheren Transport ihrer Hunde ein neues Einsatzfahrzeug mit Hundetransportboxen. Dazu läuft bereits eine Spendensammlung, die benötigten 37.500 Euro für das neue Auto sind aber noch lange nicht zusammen. Mehr Infos unter www.betterplace.org/p124152

PM DRK Kreisverband Göppingen

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