Mit großer Sorge haben wir die Entscheidung des Evangelischen Kirchenbezirkes, die Arbeit der Psychologischen Paar-, Familien- und Lebensberatung zum 31.08.2026 einzustellen, zur Kenntnis genommen. Damit entfällt eine wichtige Anlaufstelle in Göppingen. Grund der Schließung ist die Finanzlage; ausdrücklich auch als Folge der vom Kreistag beschlossenen Kürzungsmaßnahmen. Damit ist eingetreten, wovor unsere Fraktion gewarnt hat und warum wir dem Kreishaushalt unsere Zustimmung verweigert haben. Beratungsangebote für Bürgerinnen und Bürger in Not bereitzustellen, ist eine Pflichtaufgabe des Landkreises. Weder andere Beratungsangebote noch niedergelassene Psychotherapeuten können die entstehende Lücke schließen.
Landrat Möller hat argumentiert, eine Reduzierung oder Streichung von Zuschüssen würde nicht zwingend zum Wegfall von Angeboten führen. Die Kurzsichtigkeit dieser Aussage wird durch die Entscheidung des Kirchenbezirkes offengelegt. Die Finanzlage ist auf allen Ebenen angespannt, die sozialen Träger oft schon aufs Äußerste unter Druck. Zieht sich mit dem Landkreis einer der weiteren Partner zurück, kann dies meist nicht ausgeglichen werden. Im Gegenteil, andere kommunale Zuschüsse werden oft auch in Frage gestellt, am Ende steht der Wegfall von Hilfsangeboten.
An wen soll man sich denn in Göppingen wenden, wenn man Beziehungsberatung braucht? Wenn man mit seiner Erziehungsaufgabe an seine Grenzen kommt? Wenn einem einfach alles über den Kopf wächst, in langen Belastungs- und akuten Ausnahmesituationen. Aus menschlicher Sicht halten wir das für fatal. Finanziell sind die Kürzungen kontraproduktiv. Wenn Leben aus dem Tritt geraten, kommt dies am Ende für den Landkreis finanziell teurer. Im Falle der Familien- und Lebensberatungsstelle sehen wir den Landkreis in der Pflicht, eine eigene Beratung aufzubauen. Dies wird mehr Geld kosten, als der Zuschuss zur Arbeit der bisherigen Beratungsstelle.
An dieser Stelle sei auch noch einmal auf die Gesamtsituation verwiesen. Anderen Beratungsangebote (Suchtberatung, Eheberatung Geislingen, Schwangerenkonfliktberatung) wurden ebenfalls 20-60% der Mittel gekürzt. Beim Kreisjugendring (Kürzung des Landkreiszuschuss um 50%) wird das Angebot stark reduziert. In der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (komplette Streichung der Landkreiszuschüsse) kämpfen viele Angebote ums Überleben. Der Landkreis hat mit dem Haushalt 2026 jahrzehntelange Partnerschaften im Sozialbereich in Frage gestellt.
Wir fordern den Landrat zu einer Kurskorrektur auf! Schlimmer, als einen Fehler zu machen, ist es, an einem falschen Kurs festzuhalten. Wir brauchen ein klares Bekenntnis zu den sozialen Strukturen im Landkreis, ein starkes Signal an die verunsicherten Träger, dass es keine weiteren Kürzungen im Sozialbereich geben wird. Zudem fordern wir die Bereitschaft, bei den Trägern kurzfristig zu helfen, die ihre Angebote ohne die Unterstützung des Landkreises nicht fortführen können.
An die Fraktionen von CDU, Freien Wählern und der FDP im Kreistag, mit deren Stimmen der Haushalt beschlossen wurde, richten wir den deutlichen Appell, ihre Haltung zu überdenken. Ein gesunder, gesellschaftlich geschlossener und wirtschaftlich starker Landkreis braucht eine starke soziale Struktur, auf die sich Menschen in Notlagen verlassen können. Wir, als Kreistag, sind dazu aufgefordert, diese bereitzustellen.
PM Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Kreistag