Informationen aus Uhingen: Co-Existenz von Wildtieren und Menschen

Liebe Mitbürgerin, lieber Mitbürger,
ein pelziges Wildtier mit großen Zähnen und plattem Schwanz befindet sich seit wenigen Tagen im Uhinger Rathaus. Sie sehen es, wenn Sie das Gebäude an der Kirchstraße 2 betreten. Dabei handelt es sich um einen präparierten Biber. Dieses Exemplar ist Teil einer Ausstellung, die Informationen zu dem einst bei uns heimischen Wildtier vermittelt. Denn der Biber ist zurück, was sich auch auf unser Leben auswirkt.

Und je mehr wir über das Tier wissen, desto besser lassen sich unsere menschlichen Bedürfnisse und die Lebensgrundlage von Wildtieren in Einklang bringen.
Die Ausstellung, die vom Naturschutzbund Göppingen und Umgebung unter seinem ersten Vorsitzenden Dr. Dirk Lederbogen aus Uhingen, der Volkshochschule Uhingen und dem Landratsamt in Göppingen organisiert wird, möchte ich zum Anlass nehmen und auf die Koexistenz von Mensch und Wildtier bei uns in Uhingen und seinen Stadtteilen einzugehen.

Biberdämme und Drainagen

Seit wenigen Jahren verzeichnen wir und das Umweltschutzamt des Landratsamtes in Göppingen Biber-Populationen im Bereich des Butzbaches in Richtung Albershausen sowie des Blaubachtales in Richtung Wangen.
Weil Biber nachtaktiv sind, bekommen wir sie kaum zu Gesicht. Jedoch sind ihre Fraßspuren an Gehölzen entlang der Gewässer in den Wintermonaten gut sichtbar. Weil die Biber durch den Bau von Dämmen das Wasser beispielsweise an Bächen anstauen, können die Landschaft maßgeblich umgestalten. Das birgt vor allem in der dicht besiedelten Kulturlandschaft wie dem Filstal ein gewisses Konfliktpotenzial. Doch es gibt bauliche Maßnahmen, die ein Überfluten von besiedelten Flächen verhindern können – beispielsweise Drainagen.
In enger Abstimmung mit dem Umweltschutzamt, Grundstücksbesitzern und Landwirten betrachten wir wie ein Miteinander von Mensch und Tier möglich sein kann. Die Zeiten, in der wir Menschen die Natur rücksichtslos zurückdrängen, gehören der Vergangenheit an. Diese Meinung teilen wir zum Glück nicht exklusiv, sondern ist in der Gesellschaft weit verbreitet und wird auch von unserem Gemeinderat vertreten, dessen Mitglieder um die Verantwortung des Menschen gegenüber der Umwelt wissen.
Das ein Miteinander von Mensch und Biber funktionieren kann, zeigt sich ein paar Kilometer filsaufwärts in Wiesensteig, wo sich schon vor fast mehr als 10 Jahren eine Biber-Population etabliert hat.

Feuersalamander und Schutzzäune

Doch nicht nur der Biber fühlt sich bei uns pudelwohl, auch andere Wildtiere wie etwa der Feuersalamander. Im Blaubachtal sind die Reptilien besonders aktiv. Besonders im Frühjahr überqueren sie bei feuchtwarmem Wetter die Straßen, um zu ihren Lebensräumen zu gelangen. Sie nutzen an feuchten und warmen Tagen die Fahrbahn durch das Blaubachtal, um dort die gespeicherte Restwärme aufzunehmen. In der Vergangenheit wurden leider viele Tiere auf der Straße überfahren, die eigentlich nur für den landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben ist. Mittels Schutzzäunen, wie sie auch Kröten vor dem Plattfahren bewahren sollen, versuchen wir als Stadt die Amphibien zu schützen.
Sollte das nicht glücken, kann – in Absprache mit der Gemeinde Wangen – über eine temporäre Vollsperrung der Straße nachgedacht werden.

Futter für Waschbären und Co.

Während unser menschlicher Einfluss auf das Ansiedeln von Bibern und Feuersalamandern vergleichsweise gering ist, wirkt sich unser Handeln auf andere Wildtiere erheblich aus: Füchse, Waschbären, Siebenschläfer und Co. dringen immer weiter in unseren Siedlungsraum vor – weil wir sie unbewusst füttern. Mülltonnen, Gärten und Komposthaufen stellen für die Tiere das gesamte Jahr über ein reichhaltiges Buffet dar.
Außerdem verfügen die Vororte über eine hohe Strukturvielfalt durch kleinparzellierte Gärten, Hecken, einzelne Bäume und Gartenhütten, die den Tieren Unterschlupf bieten und wo sie trotz der Nähe zum Menschen versteckt und abgeschirmt sind.
Mit einigen kleinen Maßnahmen können wir es den Tieren erschweren, in unserer Nähe Nahrung zu finden:
• Komposthaufen und Mülltonnen sicher verschließen
• kein Katzen-/Hundefutter oder andere Nahrungsreste auf der Terrasse stehen lassen, durch die Tiere angelockt werden können
• Zugänge (kleine Öffnungen, gekippte Fenster etc.) zu Keller und Dachboden verschließen.
• Regenrinnen mit Metallmanschetten ummanteln und an das Hausdach heranreichende Äste zurückschneiden, um kletteraffinen Waschbären und Mardern Aufstieg zu erschweren

Wer weitere Fragen zu Wildtieren hat, Hilfe oder Tipps zur Vermeidung von Schäden benötigt, wendet sich bitte an das Umweltschutzamt im Landratsamt beim Wildtierbeauftragten unter Telefon 07161 /202-2266 oder kann auf www.uhingen.de/naturschutz weitere Informationen und weiterführende Links finden.

Es grüßt Sie herzlich,
Ihr Matthias Wittlinger
Bürgermeister Stadt Uhingen

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