NABU: So werden die Vögel im Garten satt – Fünf Fragen und Antworten zur Vogelfütterung im Herbst und Winter

In naturnahen Gärten herrscht aktuell reger Flugbetrieb: Kohl- und Blaumeisen, Amseln, Buchfinken, Rotkehlchen und Spechte suchen im Gras, an Büschen und Bäumen nach Leckerbissen und machen Stippvisite an Futterstellen. Viele naturbegeisterte Menschen fragen sich: Soll ich die Gartenvögel jetzt schon füttern, womit und wie? NABU-Ornithologe Stefan Bosch hat Antworten auf fünf zentrale Fragen rund um die Vogelfütterung im Herbst und Winter.

Wie lassen sich Vögel in der kalten Jahreszeit unterstützen?

Eine artenreiche Vogelwelt im Südwesten braucht natürlich wachsendes Vogelfutter in ganz Baden-Württemberg. Denn nur etwa zehn bis 15 häufige Vogelarten nutzen das Futterstellen-Buffet. In der Regel sind keine gefährdeten darunter. Besonders wichtig sind deshalb Brachflächen in der Feldflur, naturnahe Grünflächen und Gärten sowie ein artenreicher Mischwald. „Wo es eine Vielfalt an Futterquellen gibt, steckt das pure Leben. Hier finden sich Lebensräume für Raupen, Würmer, Schmetterlinge und Käfer – und auch Vögel werden satt. Das beste Futtersilo kann da nicht mithalten“, betont Bosch.

Und wie entstehen Rückzugsräume und Plätze zur Brutzeit? „Pflanzen Sie regionale Sträucher, die im Winter Früchte tragen, lassen sie eine Wiese wachsen und samentragende Stauden, wie Wilde Karde, über den Winter stehen. Das Laub bitte auf Beeten und unter Sträuchern liegen lassen, damit Vögel sich ihr Futter dort selbst suchen können“, rät der NABU-Vogelexperte. Davon profitieren viele weitere Wildtiere.

Wann starte ich mit dem Vogelfüttern?

„Klassischerweise ist etwa zwischen November und Ende Februar die Futterstelle eröffnet“, sagt Bosch. Am besten füttert man dann, wenn es wirklich kalt ist und Frost sowie Schnee die Futtersuche in der Natur erschweren. „Nach einem Kälteanbruch kommen oftmals verstärkt Vögel ans Futterhaus und es lassen sich die ersten Wintergäste aus dem Norden, wie Erlenzeisig und Bergfink, dort beobachten“, erklärt der Ornithologe. Wenn Felder abgeerntet und Wiesen gemäht sind, finden Vögel in der Natur weniger Futter. Können sie sich am Futtersilo satt fressen, sparen sie Energie.

Soll ich ab Herbst überhaupt füttern?

„Vögel zu füttern ist eine schöne Freizeitbeschäftigung. Es macht Spaß und schafft während der kalten Jahreszeit ein tolles Naturerlebnis, direkt im eigenen Garten und auf dem Balkon. Wer füttert, trägt allerdings nicht zum Arten- oder Naturschutz bei. Die Fütterung hilft meistens nur den zehn bis fünfzehn häufigsten Arten, die nicht gefährdet sind und Körner fressen“, sagt NABU-Vogelexperte Stefan Bosch. Das große Flattern am Futtersilo begeistert auch Kinder. Damit immer was los ist, sollte regelmäßig aufgefüllt werden. „Vögel fliegen stets dorthin, wo das leckerste Futter auf sie wartet“, so Bosch.

Welches Futter schmeckt welchem Vogel?

Sonnenblumenkerne, mit oder ohne Schale, sind ein gutes Basisfutter und bei vielen Arten beliebt. Körnerfresser, wie Finken, Sperlinge und Meisen, mögen auch Mischungen mit verschiedenen Körnern und Samen. Meisenknödel bestehen aus Samen und Fett – sie sollten in einem extra Knödelspender aufgehängt werden statt im Plastiknetz. Amseln und Rotkehlchen lieben Äpfel, Rosinen und Haferflocken oder Weichfuttermischungen. Auf Speisereste oder Brot sollte unbedingt verzichtet und nur trockenes und frisches Futter angeboten werden. Wer das Vogelfutter nicht im Fachhandel, sondern im Bau- oder Gartenmarkt besorgt, sollte auf eine Empfehlung der Naturschutzverbände achten sowie möglichst regional und „Bio“ kaufen, denn eine naturverträgliche Bewirtschaftung hilft, Lebensräume für gefährdete Agrarvögel zu schützen. Die Körner müssen frei von Samen der Allergien auslösenden Ambrosia-Pflanze sein.

Welcher Futterspender ist der beste und wo kommt er hin?

Eine saubere Sache sind Silo-Futterspender, die sich leicht in Ordnung halten und auffüllen lassen. Die Körner sind darin vor Kot, Wind und Wetter besser geschützt als im offenen Futterhäuschen. Den Futterspender hängt man unerreichbar für Katzen auf, in der Nähe von Bäumen oder Büschen als Rückzugsmöglichkeit, am besten wettergeschützt unterm Dach, mit ausreichend Abstand zu Glasscheiben, damit die Vögel nicht dagegen fliegen. Damit sich unter dem Futterspender kein Dreck sammelt, kann man ab und zu den Standort wechseln. Ein klassisches Vogelhäuschen mit Futterbrett muss täglich ausgefegt und alle ein bis zwei Wochen mit heißem Wasser und einer Bürste gereinigt werden. So haben Krankheitskeime kaum Chancen, sich unter den Vögeln auszubreiten.

Foto (NABU/CEWE/Josef Graf): Blaumeise im Winter

PM NABU (Naturschutzbund Deutschland) Landesverband Baden-Württemberg e.V.

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