Fünf Jahre Verpackungscheck der Deutschen Umwelthilfe: Teilweise sogar mehr Verpackungsmüll bei Aldi, Lidl und Co.

  • Keine grundlegende Verbesserung beim Verpackungsangebot der zwölf untersuchten Supermarkt-, Discounter- und Biosupermarktketten
  • Aldi Nord und Aldi Süd seit fünf Jahren Schlusslicht; Bio Company und Denns mit den deutlichsten positiven Entwicklungen
  • DUH fordert von Umweltminister Schneider eine ambitionierte finanzielle Mehrwegförderung sowie Mehrwegquoten für Wein, Milch und weitere Lebensmittel wie Öl, Essig und Aufstriche

 

Der Verpackungscheck der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zeigt nach fünf Jahren, dass eine umfassende Verpackungswende im deutschen Lebensmitteleinzelhandel ausgeblieben ist – teilweise wird heute sogar mehr verpackt als noch vor fünf Jahren. Während die untersuchten Biosupermärkte weiterhin mit hohen Mehrweganteilen und vergleichsweise wenig verpacktem Obst und Gemüse punkten, setzen insbesondere die Discounter noch immer überwiegend auf Einweg und bieten teilweise sogar mehr verpacktes Obst und Gemüse an. Aldi Nord und Aldi Süd sind seit Beginn des DUH-Verpackungschecks die Schlusslichter. Auch Lidl, Penny, Norma und Netto Marken-Discount erhalten über die gesamten fünf Jahre durchweg rote Karten. Rewe und Edeka erhalten wie in den vergangenen Jahren eine gelbe Karte. Kaufland erhält in diesem Jahr erstmals eine gelbe Karte im Gesamtergebnis – unter anderem durch neue Mehrwegangebote an Käse- und Wursttheken sowie für Heißgetränke. Eine grundlegende Abkehr vom Einweg-Modell ist nach Einschätzung der DUH jedoch bei keiner der konventionellen Handelsketten erkennbar.

Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH: „Nach fünf Jahren Verpackungscheck fällt unsere Bilanz ernüchternd aus: Noch immer bestimmen Einweg-Flaschen, Dosen und unnötig vorverpackte Lebensmittel die Regale großer Supermärkte und Discounter. Bei den klassischen Supermärkten und Discountern liegt die durchschnittliche Mehrweg-Angebotsquote für Getränke mit 30,5 Prozent weiterhin weit entfernt von der gesetzlichen Zielquote von 70 Prozent. Besonders Aldi und Lidl verweigern ihren Kundinnen und Kunden bis heute jede Wahlmöglichkeit und bieten keine Getränke in Mehrwegflaschen an. Angesichts von fünf Jahren Stillstand muss Umweltminister Schneider dringend für wirksame Vorgaben sorgen. Notwendig sind eine ambitionierte, verbindliche und finanzielle Förderung von Mehrwegsystemen, die von den Herstellern von Einweg-Verpackungen getragen werden muss, sowie eine Abgabe auf pfandpflichtige Einweg-Getränkeverpackungen und Getränkekartons von mindestens 20 Cent. Die Bundesregierung darf die Förderung von Mehrweg nicht länger weitgehend den Unternehmen selbst überlassen.“

Besonders negativ entwickelt sich der Verpackungsanteil bei Obst und Gemüse. Bei den meisten der untersuchten Handelsketten liegt heute mehr vorverpackte Ware in den Regalen als noch zu Beginn des DUH-Verpackungschecks. Bei Lidl und Rewe stieg der Anteil gegenüber dem ersten Testjahr um rund zehn Prozentpunkte auf 66 beziehungsweise 56 Prozent, bei Netto Marken-Discount sogar um 16 Prozentpunkte auf 74 Prozent. Auch die Biosupermärkte verzeichnen hier leichte Rückschritte, liegen mit durchschnittlich 16 Prozent vorverpacktem Obst und Gemüse aber weiterhin deutlich unter den klassischen Supermärkten und Discountern.

Elena Schägg, Stellvertretende DUH-Leiterin für Kreislaufwirtschaft: „Bio Company und Denns zeigen, dass Händler ihr Verpackungsangebot Schritt für Schritt verbessern können. Die Biosupermärkte machen außerdem vor, dass Mehrweg nicht bei Wasser, Bier oder Saft aufhören muss: Auch Wein, Öl und Essig können in Mehrwegflaschen angeboten werden. Genau dieses Angebot brauchen wir endlich in der Breite. Umso problematischer ist, dass ausgerechnet beim vorverpackten Obst und Gemüse viele Händler heute schlechter dastehen als noch vor fünf Jahren. Ab 2030 dürfen Supermärkte Obst und Gemüse nicht mehr in Plastikverpackungen verpacken – davon sind die Supermärkte heute noch meilenweit entfernt. Von den verpackten Karotten waren in unserem Test 99 Prozent in Plastik eingeschweißt. Auch beim Joghurt geht das Mehrwegangebot insgesamt zurück. Die Supermärkte müssen sich dringend auf die kommenden Vorgaben vorbereiten. Zudem braucht es weitere Anreize wie verbindliche Mehrwegquoten für Milch und Wein sowie für weitere vorverpackte Lebensmittel wie Öl, Essig, Aufstriche und Obst- und Gemüsekonserven.“

Hintergrund:

Für den fünften DUH-Verpackungscheck wurden stichprobenartig 48 Filialen von zwölf großen Supermarkt-, Discounter- und Biosupermarktketten im Zeitraum April bis August 2026 untersucht: Aldi Nord, Aldi Süd, Lidl, Penny, Netto Marken-Discount, Norma, Rewe, Edeka, Kaufland, Alnatura, Denns und Bio Company. Betrachtet wurden unter anderem die Bereiche Getränke, Obst und Gemüse, Frischmilch und Joghurt sowie Frische- und Selbstbedienungstheken. Die Ergebnisse wurden in den jeweiligen Produktkategorien mit den Farben Rot (schlecht), Gelb (mittelmäßig) und Grün (gut) bewertet und zu einer Gesamtwertung zusammengeführt. Mit dem diesjährigen Test zieht die DUH erstmals eine Bilanz über fünf Jahre Verpackungscheck und betrachtet dabei insbesondere, wie sich die Angebote der Handelsketten seit Beginn der Untersuchung entwickelt haben.

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