Baden-Württemberg hat die Wahl: Wer wird Vogel des Jahres 2027? – Kolkrabe, Kranich, Mehlschwalbe, Trauerschnäpper und Wasseramsel stehen zur Abstimmung

Am 8. September starten der NABU und sein bayerischer Partner LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) die öffentliche Wahl zum Vogel des Jahres – alle können mitmachen und entscheiden, wer 2027 die Krone der Vogelwelt tragen soll. Dabei sind Kolkrabe, Kranich, Mehlschwalbe, Trauerschnäpper und Wasseramsel. „Die Fünf zeigen die Vielfalt der Vogelwelt: Trauerschnäpper und Mehlschwalbe ziehen im Winter tausende Kilometer bis nach Afrika, der Kranich nur eine kurze Strecke Richtung Südeuropa, Kolkrabe und Wasseramsel leben ganzjährig bei uns“, sagt NABU-Ornithologe Dr. Stefan Bosch aus Baden-Württemberg. „Jeder der Kandidaten steht für ein wichtiges Naturschutzthema, das unsere Aufmerksamkeit braucht – und jeder hat es verdient, gewählt zu werden.“ 

Der Kolkrabe (Corvus corax) ist aus vielen Märchen und Mythen bekannt. Der besonders intelligente und soziale Vogel hat völlig zu Unrecht ein schlechtes Image. Rund 600 der bundesweit zwischen 20.000 und 28.000 Brutpaare leben in Baden-Württemberg. Kolkraben sind paarweise unterwegs und lebenslang monogam. Männchen und Weibchen sind kaum zu unterscheiden: Beide haben schwarz glänzendes Gefieder, einen klobigen Schnabel und die Körpergröße eines Bussards. Der Kolkrabe ist damit der größte Singvogel der Welt. Sein Slogan: „Schwarze Federn, helles Köpfchen!“

Mit seinem typischen Trompeten stellt sich der Kranich (Grus grus) zur Wahl. Der Zugvogel ist in vielerlei Hinsicht ein spektakulärer Kandidat. Mit bis zu 116 Zentimetern Körperhöhe ist er größer als ein Weißstorch. Seine eleganten Balztänze im Frühjahr und sein Zug in großen Keilformationen im Herbst sind Naturschauspiele, die jedes Jahr viele Menschen faszinieren. Über Baden-Württemberg ziehen im Herbst Tausende Kraniche auf ihrem Weg in die Winterquartiere hinweg. In vielen Ländern gilt er als Symbol für Glück, Liebe und Frieden. Weil er Feuchtgebiete zur Rast und Brut braucht, lautet sein Slogan: „Allzeit nasse Füße!“

Die Mehlschwalbe (Delichon urbicum) hat als Insektenfresser und Gebäudebrüter gleich zwei Probleme, die ihren Bestand gefährden: Durch den Insektenschwund hat sie weniger Nahrung zur Verfügung. Zudem werden ihre Nistplätze, Halbkugeln aus Lehm, die sie an die Außerseite von Häusern baut, oft entfernt, etwa bei Gebäudesanierungen. „Die Klimakrise macht ihr zusätzlich zu schaffen: Zuletzt zwangen die durch die extreme Hitze überhitzte Nester vielerorts Jungvögel, Nester zu früh zu verlassen“, berichtet Bosch. Die Mehlschwalbe ist laut Roter Liste gefährdet. Ihr Wahlkampfslogan lautet: „Auf gute Nachbarschaft!“

Anders als sein Name vermuten lässt, ist der Trauerschnäpper (Ficedula hypoleuca) ein munterer Luftakrobat. Er schnappt sich sein Futter oft im Flug von einer Sitzwarte aus. Doch Insekten gibt es immer weniger. Außerdem hat er ein Zeitproblem: Weil der Frühling durch die Klimakrise immer früher beginnt, geht der Trauerschnäpper oft leer aus bei der Suche nach geeigneten Bruthöhlen und Nahrung für seinen Nachwuchs. Wenn er aus seinem Winterquartier südlich der Sahara zurück ist, sind viele Baumhöhlen und Nistkästen schon besetzt und die Insektenentwicklung zum Teil weit vorangeschritten. Auch in Baden-Württemberg haben die Bestände erheblich abgenommen. Noch sind Trauerschnäpper an Rhein, Neckar, Donau und am Bodensee zu finden. Auch er ist gefährdet. Sein Slogan: „Mach Tempo fürs Klima!“

Die Wasseramsel (Cinclus cinclus) ist der einzige einheimische Singvogel, der tauchen, schwimmen und sogar unter Wasser laufen kann. Ihr überwiegend braunes Gefieder ist sehr dicht und somit perfekt an die aquatische Lebensweise angepasst. Sie brütet vor allem in Mittel- bis Süddeutschland an schnell fließenden Bächen und Flüssen im Wald- und Bergland. Ihr Nest baut sie in der Uferböschung oder in Mauerlöchern. Sie ist das ganze Jahr über zu beobachten und derzeit ungefährdet. NABU-Gruppen im Südwesten unterstützen die im Schwarzwald, auf der Alb und im Allgäu lebenden Wasseramseln mit Nistkastenangeboten an Fließgewässern. Ihr Slogan: „Klarer Bach, klarer Fall!“

Am 8. September um 10 Uhr wird das virtuelle Wahllokal unter www.vogeldesjahres.de freigeschaltet. Bis zum 15. Oktober, 11 Uhr, kann abgestimmt werden. Noch am selben Tag wird der Sieger bekanntgegeben. Der „Vogel des Jahres“ wurde in Deutschland erstmals im Jahr 1971 gekürt. Seit 2021 wird er durch eine öffentliche Wahl bestimmt. Der aktuelle Vogel des Jahres ist das Rebhuhn.

Mehr Infos und Stimmabgabe: www.vogeldesjahres.de

Vogelporträts: www.NABU.de/vogelportraets

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PM NABU (Naturschutzbund Deutschland), Landesverband Baden-Württemberg e. V.

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