Slow Food Deutschland ehrt vier Gewinner*innen gleichrangig mit dem Ursula Hudson Preis 2026

Slow Food Deutschland hat heute mit dem Ursula Hudson Preis 2026 Menschen und Projekte ausgezeichnet, die sich in herausragender Weise um die Ernährungswende verdient machen. Schwer fiel es dieses Jahr dem Kuratorium, sich für einen zu entscheiden: Gewonnen haben alle vier Nominierten! Der Siegerpreis im Wert von ca. 1.500 Euro ging an die Bliesgau Ölmühle (Saarland), VERN e.V. (Angermünde), Hof Sackern (Ruhrgebiet) und Rabelades Farm (Brandenburg). Der Preis wurde im Rahmen der Slow Food Messe in Stuttgart verliehen. 

Für den Ursula Hudson Preis können sich seit 2021 jedes Jahr im Herbst Engagierte bewerben, oder sie können von anderen vorgeschlagen werden. Benannt ist der Preis nach Dr. Ursula Hudson, der langjährigen, im Sommer 2020 verstorbenen Vorsitzenden von Slow Food Deutschland. Das fünfköpfige Kuratorium hatte im März unter den über 30 Bewerber*innen 4 Projekte und Unternehmen nominiert, die in besonderer Weise Visionen und Lösungen für die drängenden Herausforderungen unserer Ernährungswelt vorleben.

Da die vier Nominierten gleichermassen als engagiert und inspirierend befunden wurden, hat sich das Kuratorium entschieden, sie alle mit dem Ursula Hudson Preis 2026 auszuzeichnen. Die vier Gewinner*innen sind Bliesgau Ölmühle (Saarland), VERN e.V. (Angermünde), Hof Sackern (Ruhrgebiet) und Rabelades Farm (Brandenburg).

Die vier Preisträger*innen, kurz vorgestellt:   

Patric Bies, Bliesgau Ölmühle GbR (Saarland): Seit 2007 widmet sich die Ölmühle dem Anbau alter Kulturpflanzen wie Senf, Lein und Hülsenfrüchten sowie der handwerklichen Herstellung seltener Speiseöle, etwa Leindotter- und Walnussöl. Die Bliesgau Ölmühle steht für gelebte Biodiversität, regionale Wertschöpfung und die enge Verbindung von Landwirtschaft, Kulturlandschaft und Gastronomie.

„Diese Öle, nachhaltig, lokal produziert und regional vielfältig, sind nicht nur ein Erzeugnis: sie sind eine politische Ansage. Die Bliesgauer Ölmühle verkörpert eine Haltung und eine Arbeitsweise, die die Erde als lebendige Vielfalt sieht, und nicht als Objekt.“ 

(Pirmin Spiegel, Kuratoriumsmitglied und ehemaliger Misereor-Hauptgeschäftsführer)

Rudolf Vögel, Verein zum Erhalt und zur Rekultivierung von Nutzpflanzen VERN e.V. (Angermünde): Der Verein bewahrt alte Kulturpflanzensorten, indem er sie le- bendig hält – im Anbau und im Wissen der Menschen. Durch die Weitergabe von Saatgut an Selbstversorger*innen und Betriebe sowie durch Bildungsarbeit sorgt VERN e.V. dafür, dass Vielfalt nicht im Archiv verschwindet, sondern als gemeinsames Erbe erhalten bleibt.

„In einer Zeit, in der viele Äcker genormt und viele Samen privatisiert werden, ist die Arbeit des VERN ein stiller, aber kraftvoller Gegenentwurf. Er erinnert uns daran, dass Resilienz nicht aus Kontrolle, sondern aus Vielfalt entsteht. Daran, dass Zukunft nicht im Labor beginnt, sondern im lebendigen Austausch zwischen Erde, Pflanze und Mensch.“ 

(Anke Kähler, Kuratoriumsmitglied, Bäckermeisterin und Vorsitzende des Vereins „Die Freien Bäcker“)

Stefan König, Hof Sackern GbR (Ruhrgebiet): Der Demeter-Hof zeigt, wie nachhaltige Ernährung gemeinwohlorientiert gelebt werden kann. Hier entstehen Gemüse, Milch, Käse und Brot in handwerklicher Qualität – klimafreundlich und für viele Menschen erschwinglich. Mit kulturellen Projekten, Kindergarten und Hoffesten ist Hof Sackern auch ein Ort der Bildung und Begegnung.

„In schwierigen Zeiten schafft es der Hof Sackern, seine Aktivitäten auszubauen, wirtschaftlich zu arbeiten und gemeinnützige Aktivitäten anzubieten. Sein Engagement, seine Projekte, seine Ideen und seine Arbeit sind ein wichtiger Beitrag zur sozial-ökologischen Transformation unserer Gesellschaft. Dabei steht für Stefan König und seinen Mitstreiter*innen – so wie bei Ursula Hudson – immer der Mensch im Mittelpunkt, sowie der Wunsch, die Welt in möglichst vielen Aspekten ein kleines bisschen besser zu machen.

(Barbara Assheuer, Kuratoriumsmitglied und Slow-Food-Engagierte)

Karla Pinto und Zoé Adeoshun, Rabelades Farm (Brandenburg): Ein agrarökologisches Vorzeigeprojekt, das von schwarzen, queeren Menschen geführt wird. Es verbindet regenerative Landwirtschaft mit aktivem Widerstand gegen rassistische Ausgrenzung, die BIPoCs (Black, Indigenous and People of Colour) den Zugang zu ländlichen Räumen und Wissen erschwert. Als lebendiger Ort des Teilens, Lernens und der Vernetzung setzt die Farm ein starkes Zeichen für Vielfalt in der Landwirtschaft und einen solidarischen Zugang zu gesunden Lebensmitteln.

„Ernährungssouveränität, Teilhabe, Mut, die Dinge selber in die Hand zu nehmen: dafür steht der Ursula Hudson Preis. Rabelades Farm, das sind junge Menschen, die nicht nur Lebensmittel anbauen: Sie bauen Wissen und Gemeinschaft auf. Und sie bauen Brücken – zwischen Kulturen, Erfahrungen und Perspektiven.“ 

(Caroline Barth, Kuratoriumsmitglied und Slow-Food-Engagierte)

Die vier Preisträger*innen erhalten einen Preis im Wert von bis zu 1.500 Euro. Zum Preis gehört eine Auszeichnung in Form eines Kunstobjekts der Bildhauerin Christina Dichtl, das ihr entschiedenes Eintreten für nachhaltige Ernährung symbolisch würdigt.

Dr. Rupert Ebner, Vorsitzender von Slow Food Deutschland e.V., gratulierte den Preisträger*innen und bedankte sich bei allen Bewerber*innen:

„Klimapolitik, Energiewende, Biodiversität haben auf politischer Ebene keine Priorität mehr. Kriege und multiple Krisen weltweit führen zu großer Verunsicherung und Ängsten. Dies alles stellt unseren Optimismus immer wieder auf die Probe, doch ein Tag wie dieser gibt mir Anlass zur Hoffnung. Die Preisträger*innen zeigen mit ihren Projekten konkrete Lösungswege auf und setzen ihre Visionen in die Tat um – stellvertretend für viele weitere Menschen, die den Wandel unseres Ernährungssystems vorantreiben. Sie fördern Wissen und Teilhabe und tragen sie dazu bei, dass wir auch künftig eigenständig darüber bestimmen können, was wir anbauen, ernten, züchten und konsumieren.“ 

Eine komplette Videoaufzeichnung der Ursula-Hudson-Preisverleihung 2026 finden Sie in den nächsten Tagen in unserem YouTube-Kanal. Fotos und Videos der Preisverleihung und der Gewinner*innen finden Sie >> hier.

PM Slowfood Deutschland e.V.

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