Bleibt das Summen und Brummen im Garten aus? Dann ist es höchste Zeit für ein paar schnelle, leichte und wirkungsvolle Do-it-yourself Projekte im Garten, mit denen garantiert mehr Artenvielfalt Einzug hält. NABU-Gartenexpertin Aniela Arnold hat sieben Tipps, wie sich Gärten, Balkone und Terrassen ruckzuck in Insekten- und Vogel-Paradiese verwandeln lassen. Das Ganze muss nicht viel kosten, schafft aber tolle Kleinbiotope, die direkt vor der Haustüre zum Beobachten einladen. Einfach loslegen und anpacken – gerne auch mit Familie und Freunden.
Tipp 1: Garten-Schnittgut nutzen
Ob Käferkeller, Benjeshecke oder Totholzhaufen geplant sind – anfallender Ast- und Strauchschnitt im Garten eignet sich bestens, um ein kleines Refugium für Insekten, Vögel oder Igel zu schaffen. Große Benjeshecken, eine Art aufgeschichtete Mauer aus langen Ästen, bieten zum Beispiel dem kleinen Zaunkönig einen Brutplatz. Eidechsen und Schlangen profitieren von einem sonnigen Standort, Amphibien eher von einem schattigen, feuchten. Stehendes Totholz an sonnigen Plätzen lockt Insekten wie die große Blauschwarze Holzbiene an, die ihre Brutröhre ins Holz nagt und ihre Eier darin ablegt. Um den imposanten Hirschkäfer einzuladen, in einer sonnigen Gartenecke eine größere Mulde mit Schnittgut und Eichenholz füllen. Das morsche Holz dient den Käferlarven später als Nahrung.
Tipp 2: Wildbienen-Kinderstuben im Boden
Dreiviertel der Wildbienenarten gräbt sich die Brutröhren in offene Bodenstellen. Dabei sind die Tiere je nach Art recht flexibel. Eine ungenutzte Sandkastenecke, eine trockene Böschung, ein Rasengitter-Parkplatz – Hauptsache ungestört. Also: Einige Bodenstellen frei von Bewuchs halten und mit Steinen und Wildstauden einfassen – sieht gut aus und ist nützlich. Auch Lehm- und Lößwände sind beliebt, um dort Nester zu graben. Erdhummeln nutzen gern alte Mäusegänge, um darin ihr Nest zu bauen. Andere Wildbienenarten haben sich auf die vertrockneten, markhaltigen Stängel von Pflanzen, wie Königskerze oder Brombeere, spezialisiert.
Tipp 3: Piepmatz sucht Nistplatz
Viele Vögel suchen noch dringend freie Brutplätze. Weil natürliche Specht- und Baumhöhlen oftmals fehlen, nutzen sie auch aufgehängte Nistkästen. Die Auswahl ist reichlich: Vom kleinen Meisenkasten für Blau- oder Tannenmeise bis zum Mauerseglerkasten unter der Dachkante in fünf Metern Höhe. Und viele lassen sich mit etwas Geschick selbst bauen. Damit der Kasten zum Vogel passt, bitte stets nach Bauanleitung fertigen. In einem naturnahen, giftfreien Garten finden die Vögel dann auch reichlich Nahrung und Nistmaterial, wie Moos und Grashalme.
Tipp 4: Trinkstellen für durstige Tiere aufstellen
„Durch heiße Sommer und lange Trockenzeiten fehlt es vielen Insekten an Wasser. Da ist es gut, auf dem Balkon eine flache Schale mit frischem Wasser zu füllen und mit Steinen oder Moos einen sicheren Landeplatz zu schaffen“, rät NABU-Expertin Arnold. Auch ein Bachlauf, ein Quellstein oder ein größerer Teich sorgen für Wasser im Garten – nicht nur für Insekten, sondern auch für Vögel, Eidechsen oder Igel. Ein Holzbrett im Teich dient als Insekten-Landeplatz sowie rettende Ausstiegshilfe für Igel oder Eidechsen.
Tipp 5: Für Blütenvielfalt sorgen
Bunte Blüten, blühende Kräuter – was uns Menschen gefällt, schmeckt auch vielen Insekten. Dabei mag es die vielseitige Fluggemeinschaft vielfältig: Hummeln und Holzbienen fliegen auf Lippenblütler, wie Thymian, Wiesen-Salbei, Ziest und Oregano. Schwebfliegen und kleinere Wildbienen bevorzugen Doldenblütler, etwa Wilde Möhre und Wiesen-Bärenklau. Schachbrettfalter und Gold-Furchenbiene mögen Korbblütler wie Schafgarbe, Alant und Flockenblumen. Mit Glockenblumen erfreut man viele Wildbienen der Gattungen Sand-, Scheren- oder Schmalbienen, die hier wertvollen Pollen und Nektar finden. Und auch die Wildbiene des Jahres 2026, die Glockenblumen-Schmalbiene, lässt sich mit etwas Glück beobachten. Regelrechte Wildbienen-Magneten sind Acker-Senf, Gewöhnliches Bitterkraut, Gewöhnlicher Natternkopf oder verschiedene Arten von Flockenblumen. Die bunte Mischung macht die Insektenvielfalt.
Tipp 6: Loch buddeln und heimische Sträucher setzen
Nicht alles, was blüht, hilft der Natur. „In immer mehr Gärten dominieren leider für Insekten und Vögel weitgehend wertlose Sträucher oder gar invasive, wie Tuja, Kirschlorbeer oder Forsythie. Mein Tipp: Kaufen Sie Sträucher am besten in einer Baumschule und achten Sie beim Kauf auf heimische Arten“, rät Aniela Arnold. Die Kornelkirsche verträgt ein wenig Trockenheit, spendet Pollen, Nektar und im Herbst knallrote, ovale Früchte, die Vögeln schmecken und sich sogar zu Marmelade, Kompott oder Obstbrand verarbeiten lassen.
Tipp 7: Nistplätze aus Holz bauen
Insektenhotels sind gut geeignet, um Wildbienen ganz nah zu beobachten. Damit sie nicht nur schön aussehen, sondern auch angenommen werden, lohnt es sich, sie selbst zu bauen. „Für sogenannte Insektenhotels in ein Stück Hartholz aus Buche, Eiche oder Esche zwischen drei und neun Millimeter große Löcher bohren. Kleine Lochdurchmesser sollten überwiegen. Stets ins Längsholz bohren, damit sich keine Risse bilden. Die Löcher von Spänen befreien und die Ränder glattschleifen. So können die Wildbienen-Weibchen vor- und rückwärts rein- und rausschlüpfen, ohne sich zu verletzen, wenn sie erst Eier und Pollen platzieren und am Schluss die Brutröhren verschließen“, so Arnold. Am besten an einem sonnigen geschützten Platz aufstellen. Etwa 20 der 490 Wildbienenarten in Baden-Württemberg beziehen diese Art Nisthilfen, so die Gehörnte Mauerbiene. Auch natürliche Hohlräume, wie Ritzen und Löcher an Hauswänden oder Felsspalten, werden besiedelt.
Mehr Tipps und Infos:
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Foto von NABU/Christine Kuchem
PM NABU (Naturschutzbund Deutschland), Landesverband Baden-Württemberg e. V.