Vor der Wahl des Landtags: Demokratische Wurzeln in den landeseigenen Monumenten

Am Sonntag, 8. März, wählen die Bürgerinnen und Bürger von Baden-Württemberg einen neuen Landtag. Sie üben damit wie selbstverständlich ein demokratisches Recht aus, das vor vielen Generationen erst erkämpft werden musste. Zum Wahltag werfen die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg einen Blick auf die Spuren der Demokratie in ihren Monumenten. Denn auch in einigen Schlössern, Burgen und Klöstern des Landes wurde um Mitsprache und Mitbestimmung gerungen.

Machtsymbole als Orte der Demokratie

Prunkvolle Schlösser und altehrwürdige Klöster besitzen eine ganz eigene Ausstrahlungskraft. Sie waren Machtzentren, in denen weitreichende Entscheidungen getroffen und große Politik gemacht wurde, ganz ohne Rücksprache mit den davon betroffenen Menschen. Erst auf den zweiten Blick zeigt sich eine Verbindung der herrschaftlichen Bauwerke zu Mitbestimmung und Teilhabe. Denn es gibt einige Monumente, die in ihrer Vergangenheit selbst zum Schauplatz der Demokratiegeschichte wurden – teilweise sogar mehrfach. Zur Landtagswahl in Baden-Württemberg am Sonntag, 8. März, stellen die Staatlichen Schlösser und Gärten diese Verbindung in den Fokus. „In vielen unserer Monumente lässt sich bis heute nachspüren, wie sich unsere Gesellschaft und auch unser Demokratieverständnis entwickelt haben“, sagt Patricia Alberth, Geschäftsführerin der Staatlichen Schlösser und Gärten.

Spuren der Revolution

Die deutsche Revolution 1848/49 ist ein Meilenstein in der Demokratiegeschichte Deutschlands. Verschiedenste Schichten der Bevölkerung traten zusammen, um sich gegen die bestehende Ordnung aufzulehnen. Baden war dabei eines der Territorien, in denen die Revolution am intensivsten ablief. Im Ehrenhof von Residenzschloss Rastatt kam es zu einem Soldatenaufstand, der Großherzog Leopold zur Flucht aus Karlsruhe zwang. Doch die Revolution scheiterte: Truppen des späteren deutschen Kaisers Wilhelm I. schlugen sie blutig nieder. Im Ahnensaal des Schlosses wurden Standgerichte abgehalten und 21 Revolutionäre zum Tode verurteilt. Neben dem Residenzschloss gibt es ein weiteres Monument, das eine Verbindung zur Revolution hat: Kloster Maulbronn. Hier ging der Dichter Georg Herwegh zur Schule. Doch er verstand sich nicht nur auf die Wahl der richtigen Worte, sondern führte auch einen bewaffneten Freiwilligenverband an. Nach dem Scheitern der Revolution floh er mit seiner Frau ins Exil.

Gleiche Rechte, bessere Chancen

Die Revolutionäre und Revolutionärinnen von 1848/49 träumten neben einem geeinten Deutschland auch von demokratischen Werten: mehr Mitbestimmung, gleiche Rechte und gleiche Freiheiten. Doch auch so mancher Monarch war an einer Änderung der Verhältnisse zum Wohle der Bevölkerung interessiert. Noch bevor die Revolution Ende des 18. Jahrhunderts Frankreich erreichte, setzte sich Kurfürst Carl Theodor in der Kurpfalz für bessere Bildung der Bevölkerung ein. Als aufgeklärter Herrscher öffnete er bereits 1763 an drei Tagen die Woche seine Hofbibliothek im Barockschloss Mannheim der Öffentlichkeit und förderte die Wissenschaften aktiv. In seiner Tradition stand auch Großherzogin Stephanie von Baden, die 1816 in Karlsruhe ein Mädcheninstitut übernahm und es 1820 als „Großherzogliches Institut“ in Mannheim etablierte. Ähnliche Ansichten hatten auch König Wilhelm und seine Frau Königin Katharina. Mit der Eröffnung einer Pension und Schule für Mädchen 1818 – dem Königin-Katharina-Stift-Gymnasium in Stuttgart – förderte die Herrscherin höhere Bildung für Frauen.  Die Monarchin fand ihre letzte Ruhestätte in der Grabkapelle auf dem Württemberg, die König Wilhelm für sie als Zeichen seiner Liebe errichten ließ.

Vom Königreich zur Republik

Der prächtige Ordensaal von Residenzschloss Ludwigsburg ist weit mehr als ein repräsentativer Ort herrschaftlicher Macht. In ihm ereigneten sich gleich zwei bedeutende Momente für die württembergische Demokratiegeschichte: 1819 verkündete König Wilhelm I. hier die Verfassung des Königreichs Württemberg, genau 100 Jahre später fand 1919 der offizielle Festakt für eine neue Verfassung statt – eine Konstitution, die die demokratischen Strukturen des Landes festschrieb. Aus dem Königreich Württemberg wurde ein Teil der Weimarer Republik. Am Übergang des Kaiserreichs zu einer Demokratie am Ende des Ersten Weltkriegs nimmt ein Akteur eine Sonderstellung ein, der die noch heute bestehende Schule Schloss Salem gründete: Als letzter deutscher Reichskanzler des Kaiserreichs verkündete Prinz Max von Baden am 9. November 1918 eigenmächtig die Abdankung des deutschen Kaisers Wilhelm II. Auch die Herrschaft seines Namensvetters König Wilhelm II. von Württemberg endete im Zuge der Revolution. Er verbrachte seinen Lebensabend mit Königin Charlotte in Kloster und Schloss Bebenhausen. Das Schlaf- und auch das Arbeitszimmer des Königs ist dort bis heute nahezu im Original erhalten.

Der Südwesten findet zusammen

Kloster und Schloss Bebenhausen sollte auch einige Jahrzehnte später noch einmal wichtig für die deutsche Demokratiegeschichte werden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs tagte der Landtag von Württemberg-Hohenzollern im Kloster – bis er 1952 aufgelöst wurde und das neue Bundesland Baden-Württemberg entstand. Die Verschmelzung der Länder hatte ebenfalls seinen Ursprung an einem geschichtsträchtigen Ort: auf der Festungsruine Hohenneuffen. 1948 trafen sich dort Vertreter von Baden, Württemberg-Hohenzollern und Württemberg-Baden. Die Grenzen der drei Länder waren durch die Besatzungsmächte Frankreich und die USA festgelegt worden. In der Konferenz auf dem Hohenneuffen näherten sie sich langsam an und legten damit den Grundstein für das heutige Bundesland.

 

PM Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

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