In Deutschland nehmen die Menschen besonders viel Zucker über Getränke zu sich: Fast 26 Gramm pro Kopf und Tag. Damit liegt Deutschland auf Platz eins unter den zehn bevölkerungsreichsten westeuropäischen Ländern. Die Deutschen trinken sogar mehr Zucker als sie über Süßwaren zu sich nehmen (20 Gramm). Das zeigen Euromonitor-Daten, die foodwatch ausgewertet hat. Vor dem CDU-Bundesparteitag forderte die Verbraucherorganisation die CDU auf, eine Zuckersteuer nicht länger zu blockieren. Der Landesverband Schleswig-Holstein bringt dazu einen Antrag ein. Bisher lehnt die CDU eine Limo-Abgabe ab.
„Deutschland ist Zuckergetränke-Europameister – ein trauriger Spitzenplatz. Der flüssige Zucker macht krank und kostet unser Gesundheitssystem Milliarden. Wir brauchen endlich eine Zuckersteuer, damit Hersteller weniger Zucker in ihre Getränke kippen und damit vor allem unsere Kinder vor den Gesundheitsrisiken von Cola und Co. geschützt werden“, sagte Luise Molling von foodwatch.
Verbraucherorganisation fordert Zuckersteuer wie in Großbritannien
foodwatch fordert seit Langem eine Zuckersteuer, genau wie etliche medizinische und wissenschaftliche Organisationen. Hersteller sollen einen Anreiz haben, zuckerärmere Produkte anzubieten. Vorbild ist Großbritannien. Getränkeproduzenten zahlen dort seit 2018 eine Abgabe, gestaffelt nach dem Zuckergehalt. Seitdem ist der Zuckergehalt in Getränken um 35 Prozent gesunken. Beispiel Fanta: In Deutschland enthält sie 7,6 Gramm Zucker, in Großbritannien nur 4,5 Gramm – fast halb so viel. Auch der Zuckerkonsum über Limo, Cola und Co. ist in Großbritannien deutlich gesunken und ist niedriger als in Deutschland: Pro Kopf und Tag sind es nur rund 16 Gramm.
Zuckergetränke machen krank
Zuckergesüßte Getränke sind einer der größten Risikofaktoren für Adipositas und Typ-2-Diabetes. Sie erhöhen zudem das Risiko für Herzerkrankungen, Leberkrebs und Gicht. Besonders problematisch: Zuckergetränke liefern Kalorien, machen aber nicht satt. Viele Menschen trinken dadurch enorm viel Zucker – sind sich dessen aber kaum bewusst.
In Deutschland leben rund 8,9 Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes; etwa jeder vierte Erwachsene ist krankhaft übergewichtig. Allein Adipositas verursacht laut der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina jährlich etwa 113 Milliarden Euro Folgekosten in Deutschland.
Österreich auf Platz 2, Südeuropa schneidet besser ab
Hinter Zucker-Spitzenreiter Deutschland folgen Österreich mit knapp 23 Gramm pro Tag und die Niederlande (20 Gramm). Die Menschen in Südeuropa trinken am wenigsten Zucker über Getränke.
Die zehn bevölkerungsreichsten westeuropäischen Länder im Vergleich (Gramm Zucker pro Tag über Erfrischungsgetränke):
- Deutschland (25,7)
- Österreich (22,8)
- Niederlande (20,4)
- Schweden (17,5)
- Belgien (17,45)
- Großbritannien (16,1)
- Frankreich (14,7)
- Spanien (12,6)
- Portugal (9,8)
- Italien (9,5)
Euromonitor-Zahlen
foodwatch stützt die Auswertung auf die Datenbank des Marktforschungsinstituts Euromonitor. Hinweis: Euromonitor aktualisiert seine Daten fortlaufend und korrigiert dabei auch Werte aus früheren Jahren. Deshalb lassen sich die Zahlen nur schwer mit älteren Euromonitor-Auswertungen vergleichen. Die von foodwatch 2024 veröffentlichten Werte wurden von Euromonitor inzwischen nach oben korrigiert.
Quellen und weiterführende Informationen:
- Adipositas verursacht jährlich etwa 113 Milliarden Euro Folgekosten (Leopoldina Nationale Akademie der Wissenschaften): https://www.leopoldina…ositas.pdf
- Zuckergehalt in Getränken in UK um 35 Prozent gesunken (siehe S. 10): https://assets.publish…2019-1.pdf
- Weltgesundheitsorganisation (WH0): Zuckergetränke ein zentraler Risikofaktor für Adipositas und Diabetes: https://iris.who.int/s…42/content
- 8,9 Mio. Menschen in Deutschland mit Diabetes: https://www.ddg.info/f…r_2024.pdf
- Harvard Uni zu Gesundheitsrisiken von Zuckergetränken: https://nutritionsourc…ry-drinks/
PM foodwatch e.V.